Zinsentscheid mit grosser Wirkung
Von Markus Diem Meier. Aktualisiert am 06.04.2011 25 Kommentare
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Der Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank (EZB) von morgen Donnerstag ist das wirtschaftlich dominierende Thema dieser Woche. Das hat gute Gründe: Einerseits hat er das Potenzial, neben dem Zinsniveau auch die Währungsverhältnisse zu beeinflussen. Indirekt wirkt er sich auf die Konjunkturaussichten der Euroländer aus, aber auch auf die bereits schwelende Krise im Euroraum. Andererseits hat er auch einen darüber hinausgehenden Signalcharakter. Denn wenn die EZB die Zinsen tatsächlich erhöhen würde, wäre dies das erste Mal, dass eine der grössten Notenbanken seit der Krise einen Schritt unternimmt.
Der Reihe nach: Unmittelbar nach und seit der letzten Sitzung des Führungsgremiums der EZB hat deren Präsident Jean-Claude Trichet immer wieder Hinweise darauf gegeben, dass die Zentralbank an der Sitzung vom April die Leitzinsen erhöhen könnte. Hintergrund ist die Inflation, die im Euroraum im März mit 2,6 Prozent deutlich über der 2-Prozent-Grenze liegt, die die EZB maximal zu akzeptieren bereit ist. Auf den Märkten gilt es daher als weitgehend ausgemacht, dass die Notenbank morgen den Leitzins von 1 Prozent auf 1,25 Prozent erhöhen wird. Diese Erwartung spiegelt sich bereits jetzt im Eurokurs, der gegenüber dem Franken seit der letzten EZB-Sitzung deutlich zugelegt hat. Ein Zinsanstieg im Euroraum macht Anlagen dort im Verhältnis zu anderen Orten attraktiver.
Auch eine Nullrunde bleibt möglich
Obwohl die Zinsmärkte und die Währungsmärkte die Zinserhöhung bereits erwarten, ist sie noch nicht beschlossen. Tatsächlich gäbe es eine Reihe von Gründen, diesen Schritt nicht vorzunehmen, und auch Jean-Claude Trichet hat darauf hingewiesen, dass er letztlich davon abhängt, wie die EZB im April die ökonomische Lage einschätzt. Der wichtigste Grund, der gegen eine Erhöhung sprechen würde, ist die momentan erneut verschärfte Krise um gefährdete Euroländer. Im Fall von Griechenland wird berichtet, dass der IWF und sogar die EU nahe daran seien, eine Restrukturierung der Schulden zuzulassen, was eine Art von Teilbankrott bedeuten würde. Im Fall von Portugal rechnen die Märkte fast schon täglich mit einem Hilfsantrag an den Rettungsfonds der EU-Länder, und Irland muss seine Banken nach einem Stresstest mit weiteren 24 Milliarden Euro ausstatten. So sind denn die Risikosätze (gemessen an der Rendite der 10-jährigen Staatsanleihen) all dieser Länder seit der letzten EZB-Sitzung auf neue Rekordwerte angestiegen.
Die Schuldenlage dieser Länder erweist sich auch deshalb als wenig nachhaltig, weil sie auch konjunkturell in einer Krise stecken. Höhere Leitzinsen wären für das auf Hochtouren brummende Deutschland angemessen, für die Krisenländer aber wären sie Gift. Wie die «Financial Times» kommentiert, spricht noch nicht einmal die Inflation für eine Leitzinserhöhung, denn sie geht vor allem auf Gründe zurück, die nicht in der Eurozone selbst liegen beziehungsweise die Inflation nicht dauerhaft erhöhen: Auf teurere Importe vor allem durch steigende Rohstoff- und Energiepreise und auf höhere indirekte Steuern. Ausserdem bestehe keine Gefahr, dass gestiegene Preise die Inflationserwartungen erhöhen würden und es darüber zu Zweitrundeneffekten zum Beispiel über höhere Lohnforderungen und damit höheren Kosten komme.
Ein Vorentscheid auch für die Schweiz
Diese verbleibende Unsicherheit zum Entscheid bedeutet, dass er morgen mit grosser Wahrscheinlichkeit die Märkte bewegen wird. Eine Zinserhöhung könnte daher dem Euro weiteren Schub verleihen. Behält die EZB die Zinsen dort, wo sie sind, wird die Gemeinschaftswährung an Wert verlieren. Doch auch die Glaubwürdigkeit der Zentralbank selber würde leiden, gerade wegen ihrer Signale, die auf eine Erhöhung hinweisen. Das kann sich eine Zentralbank schlecht leisten, was die Erhöhung besonders wahrscheinlich macht.
Der Entscheid hat aber auch Auswirkungen auf andere Länder. Vor allem für die Schweizer Nationalbank würde es bei einem Zinsanstieg im Euroraum einfacher, selbst an der Zinsschraube zu drehen. Angesichts der Sorgen um einen überhitzenden Immobilienmarkt und des ebenfalls brummenden Schweizer Konjunkturmotors wäre ein solcher Schritt angezeigt. Doch nur in der Schweiz steigende Leitzinsen würden zu einem unerwünschten weiteren Aufwärtsdruck auf den Schweizer Franken führen. Eine Zinserhöhung der EZB macht daher auch eine baldige Zinserhöhung in der Schweiz hoch wahrscheinlich. Immobilienbesitzer, die ihre Belastungsgrenze zu sehr auf die bisherigen Zinsverhältnisse ausgerichtet haben, dürften dann unter Druck geraten.
Anders als die EZB wird in den USA ein Zinsentscheid viel später erwartet, wie die Debatten zeigen, die innerhalb der US-Notenbank geführt werden. Klar scheint bisher einzig zu sein, dass diese ihre Käufe von Staatsschulden im Umfang von 600 Milliarden Dollar im sogenannten «Quantitative Easing II»-Programm auslaufen lässt. Da Zinserhöhungen in einer Reihe von Ländern im laufenden Jahr erwartet werden, ist zu erwarten, dass der US-Dollar weiter unter Druck gerät. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 06.04.2011, 13:25 Uhr
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25 Kommentare
Immobilienbesitzer welche bei der Hypothekenvergabe von ihrer Bank auf eine serioese Tragbarkeit (5%) ueberprueft wurden, haben gar nichts zu befuerchten. Und das ist sicher die Mehrheit. Man sollte nicht immer gleich jede Meldung mit einem Angstszenario verbinden. Wir sollten jetzt positiv in die Zukunft schauen! Antworten
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