Wirtschaft
Wirtschaftskrise hat den Arbeitsmarkt voll erfasst
Aktualisiert am 25.08.2009 13 Kommentare
Gemäss Erwerbstätigenstatistik (ETS) des Bundesamtes für Statistik (BFS) waren im zweiten Quartal 2009 mit 4,49 Millionen 0,3 Prozent weniger Menschen erwerbstätig als im Vorjahrsquartal. Letztmals ging die Zahl der Erwerbstätigen im dritten Quartal 2003 zurück, wie es im Beschäftigungsbarometer des BFS vom Dienstag heisst.
Die Zahl der Beschäftigten lag nach der Beschäftigungsstatistik (BESTA) um 0,4 Prozent tiefer als im Vorjahr. Insgesamt zählte das BFS 3,95 Millionen Beschäftigte. Gegenüber dem Vorquartal, als es noch zu einem geringen Wachstum kam, ging die Beschäftigtenzahl um 0,3 Prozent zurück. Die Werte sind provisorisch.
Die ETS zählt die Zahl der Erwerbstätigen, die mehr als 1 Stunde pro Woche arbeiten. Dagegen orientiert sich die BESTA an den besetzten Stellen mit mehr als 6 Stunden Arbeit pro Woche. Die BESTA klammert zudem Angestellte in Privathaushalten und Selbstständigerwerbende ohne Betrieb aus.
In Vollzeitäquivalenten lag die Beschäftigung bei 3,32 Millionen. Dies entspricht einem Anstieg um 0,1 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Gegenüber dem ersten Quartal ging die Zahl der Beschäftigten in Vollzeitäquivalenten um 9000 zurück.
Export-Sektor stark betroffen
Die Industrie leidet mit einem Rückgang der Beschäftigten um 2 Prozent weiter am stärksten unter der Krise. Beträchtlich fiel der Rückgang bei den Herstellern von Metallerzeugnissen (-5 Prozent), den Herstellern von medizinischen Geräten, Präzisionsinstrumenten und Uhren (-4,3 Prozent) sowie beim Maschinenbau (-3,6 Prozent) aus. Dabei handelt es sich um Industrie mit Exportorientierung.
Vom Rückgang im industriellen Sektor sind sämtliche Regionen betroffen. Überdurchschnittlich fiel der Rückgang in der Ostschweiz, im Tessin und im Espace Mittelland aus.
Ebenfalls gebeutelt wurde das Gastgewerbe, das einen Rückgang um 8000 Beschäftigte (-3,4 Prozent) verzeichnete. Auch die Beschäftigung in der Nachrichteübermittlung ging um 4,7 Prozent zurück. Da es aber im Gesundheits- und Sozialwesen zu einem Plus von 14'000 Beschäftigten (3 Prozent) kam, verzeichnete der tertiäre Sektor insgesamt einen leichten Anstieg um 0,2 Prozent.
Keine Besserung in Sicht
Das BFS gibt keine Entwarnung: Für das kommende Quartal sei keine Verbesserung zu erwarten. So fiel etwa der Index der offenen Stellen um 36 Prozent auf 139. Der Indikator der Beschäftigungsaussichten gab um 6,6 Prozent auf 1,00 nach. Auch bei diesen zukunftsgerichteten Indikatoren weist die Industrie die schlechtesten Aussichten auf. (sam/sda/)
Erstellt: 25.08.2009, 10:23 Uhr
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13 Kommentare
Wie heisst ein schönes altes Sprichwort, Spare in der Zeit, hast Du in der Not. / Vielleicht sollte man sich mal wieder auf solche Werte zurückbesinnen. Aber Investoren und Management schöpfen in der Hochkonjunktur den Rahm ab, der dann in der Rezession fehlt. Aber eben, anscheinend vernebelt die Gier die Sinne! Antworten
@Zürcher 11:59: Ja, das kann man plausibel erklären: die Börse spiegelt Wünsche, Hoffnungen und andere Projektionen in die Zukunft wieder. Sie holt sozusagen die Zukunft in die Gegenwart - und macht daraus direkt gegenwärtige Gewinne. Je stärker wir uns eine rosige Zukunft vorstellen, desto mehr Gewinne werden an den Börsen geschrieben. Mit der Realität (Arbeitsmarkt) hat das nichts zu tun. Antworten
Die Industrie ist brutal eingebrochen da die Banken die Zinssenkungen nicht weitergeben wird es im Winter für die Firmen eng. Die Arbeitslosigkeit wird hoch sein PFZ hin oder her. Das mit den Saisonniers ist keine gute Idee, damit haben wir viele unqualifizierte Leute reingelassen. Wir müssen auch zur Kenntnis nehmen, dass Arbeitslosigkeit nicht exportiert werden kann. Das ist seit 30 Jahren so. Antworten
@Nadine Binsberger, sie bringen es auf den Punkt. Niemand, solange es einem selber gut geht, ist beret für den anderen "Wäsche von Hand zu waschen", wie Sie schön schreiben. Aber es gibt zu Glück eine Minderzahl, die für andere sehr wohl die Wäsche von Hand und erst noch am Fluss wachen würden, damit sie auch beschäftigt werden können. Antworten
@Muster 11:33: Das führt zur Freizeit-Gesellschaft. Immer mehr Produktivität heisst, dass wir für immer mehr Wohlstand immer weniger Arbeit benötigen. Genauso wie die Waschmaschine im Haushalt die Arbeit verringert haben, senkt die höhere Produktivität die Arbeit in der Wirtschaft. Das ist positiv, nicht negativ! Oder wollen Sie wieder von Hand Wäsche waschen, nur damit Sie beschäftigt sind? Antworten
Unsere Wirtschaftministerin ist leider nicht in der Lage, etwas für die Exportindustrie zu tun. Die Konjunturhilfen bringen der Exportindustrie überhaupt nichts. Vielleicht sollte sich das SECO endlich mit Volldampf dahinter machen und mal Kreativität beweisen, bevor alle ehemaligen Perlen der Industrie in ausländischen Händen sind. Oder ist das zuviel verlangt? Antworten
Die Situation auf dem Arbeitsmarkt ist extrem. Min. 100 Bewerbungen auf Kaderstellen sind zZ an der Tagesordnung. Auch wenn evt. 50-70% der BewerberInnen ungenügend resp. nicht optimal qualifiziert sind, ist es eine enorme Herausforderung zum 1. Gespräch eingeladen zu werden. Das Soll-Ist Profil muss nahezu 100% übereinstimmen. Frage mich ernsthaft, wo das noch hin führen wird! Antworten
Ich glaube nicht, dass die Politiker nur im Traum daran denken,das voreilige Ja zur PFZ zu überprüfen.Im Gegenteil;unlängst war noch die Rede von einer visumsfreien Einreise für Kroaten in die Schweiz (ab 2010).Wenn unsere Politiker die PFZ auf den Prüfstand setzten, würde manche "rote Zahl" zum Vorschein kommen;deshalb sagt man sich "schlafende Hunde weckt man nicht" =flankierende Massnahme. Antworten
Die Personenfreizügigkeit (PEF) wird nun brutal zuschlagen. Bereits heute ist ein überproportionaler Bezüger-Anteil in der ALV aus dem EU-Raum. Lustig: Die Ökonomie predigt die PEF, zeigt im gleichen Augenblick, dass sie eine Pseude-Wisschenschaft ist - und wir "opfern" alles diesen "Le(e)hrsätzen". Wie auch immer: Das wird noch knallhart bezahlt. Von allen von uns. Aber eben, die liebe Gier.... Antworten
Ein grosses Problem liegt daran, dass die Liquidität, nicht nur in der Schweiz, von den Banken zurückgehalten wird und unsere KMU's jetzt zu leiden beginnen. Man stelle sich mal vor, wenn man die UBS Milliarden, oder nur l 20 % in den Produktionssektor gesteckt hätte, wäre dieses Problem viel kleiner und auch der Dienstleistungssektor könnte profitieren. Es zählen eben nur die Banken beim Bund. Antworten
Die Beschaeftigung geht zurueck. Jetzt steht die Personenfreizuegigkeit auf dem Pruefstein. In der Hochkonjunktur gelobt, koennte sie in der Rezession zur Hypothek werden. Schade haben wir nicht mehr das Saisonnierstatut, das in so einer Situation viel groesseren Handlungsspielraum geben wuerde..... Antworten







Barbara Grunder
Die Geister die man rief, werden wir nun nicht mehr los, ja so kanns gehen. Diejenigen die gewarnt haben wurden beschimpft. Die Zahlen werden annähernd stimmen, ausser es geschieht 1 Wunder. Fragt sich nur woher das kommen sollte, da so viel "verschlafen" wurde, was jetzt nicht mehr eingeholt werden kann.Das grosse "wecken" ist angesagt. Antworten