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Wir müssen unser Leben ändern

Von Philipp Löpfe. Aktualisiert am 18.02.2011 56 Kommentare

Der Anstieg der Lebensmittelpreise wird andauern. Schuld daran ist nicht die Überbevölkerung.

Wird von immer mehr Menschen angestrebt: Ernährung mit Fleisch.

Wird von immer mehr Menschen angestrebt: Ernährung mit Fleisch.
Bild: Keystone

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Angesichts des ungebrochenen Bevölkerungswachstums kommt die Diskussion um die Überbevölkerung wieder in Schwung. Linksliberale debattieren «Freiheit», den neusten Roman des amerikanischen Schriftstellers Jonathan Franzen, bei dem Überbevölkerung im Zentrum steht. Rechtskonservative halten sich an Thilo Sarrazin und seine Horrorszenarien von muslimischen Horden, die das Abendland überrennen.

Mit der jüngsten Entwicklung der Nahrungsmittelpreise wird Öl ins Feuer dieser Debatte gegossen. Die Food and Argriculture Organisation (FAO), eine Tochter der UNO, meldet, dass die Preise für Lebensmittel auf Rekordhöhe geklettert sind, höher noch als bei der Nahrungsmittelkrise 2007/2008. Kommt es in einzelnen Entwicklungsländern wieder zu Krawallen wie vor zweieinhalb Jahren? «Kaum», glaubt Professor Joachim von Braun, Leiter des Zentrums für Entwicklungsforschung und einer der weltweit führenden Agrarökonomen. «Diesmal sind die Staaten besser vorbereitet.»

Spektakuläre Erfolge

Steigende Lebensmittelpreise nur mit der wachsenden Weltbevölkerung in Verbindung zu bringen, ist viel zu schlicht gedacht. Viel entscheidender ist die Tatsache, dass die Landwirtschaft in den letzten Jahrzehnten sträflich vernachlässigt worden ist. Es wurde viel zu wenig in Forschung und Entwicklung investiert. Die Folgen machen sich jetzt bemerkbar. «Die aktuelle Inflation der Getreidepreise ist die Konsequenz von gesunkenen Ernteerträgen und einer steigenden Nachfrage in Asien», sagt beispielsweise Pier Luigi Sigismondi, Einkaufschef des Lebensmittelkonzerns Unilever.

Brasilien ist das Paradebeispiel dafür, wie gezielte Agrarforschung spektakuläre Erfolge erzielen kann. Zwischen 1996 und 2006 hat sich der Wert der Getreideproduktion von 23 Milliarden auf 108 Milliarden Real erhöht, der Export von Rindfleisch ist um 365 Prozent gestiegen. «Brasilien ist auch der grösste Exporteur von Hühnerfleisch, Zuckerrohr und Ethanol», meldet der «Economist». Vater dieses brasilianischen Landwirtschaftswunders ist Embrapa, die staatliche Forschungsstelle für Landwirtschaft. Sie hat die brasilianische Landwirtschaft revolutioniert. Dabei geht es nicht einzig um umstrittene Gentechnologie. In Brasilien wird beispielsweise inzwischen mehr als die Hälfte des Ackerlandes nicht mehr gepflügt. Dieses sogenannte «no till farming» schont die Böden und erhöht gleichzeitig die Erträge.

Fleisch und Milch essen

Ein rasch wachsender Mittelstand ist der zweite Hauptgrund für steigende Lebensmittelpreise. Zynisch ausgedrückt: Nicht die absolute Anzahl der Menschen, sondern ihr Lebensstandard ist entscheidend. «Wir bewegen uns von einer Welt, in der eine Milliarde Menschen einen ‹amerikanischen› Lebensstil pflegen, zu einer Welt, in der zwei bis drei Milliarden Menschen einen solchen Lebensstil haben werden», stellt Thomas Friedman in seinem Buch «Hot, Flat and Crowded» fest.

Hauptsächlich in Asien entsteht ein neuer Mittelstand, der nicht nur Flachbildschirme, iPhones und Autos begehrt, sondern auch Fleisch und Milchprodukte essen will. Die Produktion dieser Lebensmittel verbraucht ungleich viel mehr Kalorien und vor allem ungleich viel mehr Wasser als die traditionelle, pflanzliche Ernähung. «So gesehen wird sich die Weltbevölkerung bis Mitte dieses Jahrhunderts nicht auf neun, sondern auf zwölf Milliarden Menschen erhöhen», sagt Professor von Braun.

Investitionen massiv erhöhen

Wie viele Menschen der Planet Erde zu ernähren vermag, kann niemand sagen. Die steigenden Lebensmittelpreise sind kein vorübergehendes Phänomen. «Langfristig kennen diese Preise nur eine Richtung: aufwärts», sagt Michael Steib von der Investmentbank Morgan Stanley. Das bedeutet: Die Investitionen in die Landwirtschaft müssen massiv erhöht – und die westlichen Ernährungsgewohnheiten infrage gestellt werden. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 18.02.2011, 15:35 Uhr

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56 Kommentare

Gregor Müller

18.02.2011, 14:16 Uhr
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Falsch! Schuld an dieser Misere ist die MASSLOSIGKEIT! Vorallem in der momentanen Finanzsituation. Es müsste verboten sein, mit frisch "gedrucktem" Geld mit LEBENSMITTELN auf Kosten der Ärmsten zu spekulieren. Wie Jean Ziegler es sagt: " Ein Verbrechen gegen die Menschheit!" Das kommt davon, wenn Milliarden mit Geld, ohne arbeiten "Geld" verdienen? möchten. Hoffentlich platz die ultimative Blase! Antworten


Corina Friedli

18.02.2011, 16:13 Uhr
Melden 1 Empfehlung

In den 60er Jahren war Rauchen auch noch cool, das ist heute vorbei - irgendwann wird es auch "modern" und "trendy" sein, weniger bis gar kein Fleisch zu essen.
Aufklärung zu den mit fleischhaltiger Ernährung verbundenen Problemen (Belastung der Umwelt, unzumutbare Tierhaltung, Gesundheitsschäden) muss her.
Antworten



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