Wirtschaft

  • Region
  • Schweiz
  • Ausland
  • Wirtschaft
  • Börse
  • Sport
  • Kultur
  • Panorama
  • Leben
  • Auto
  • Digital
  • Blogs
  • Forum

Willkommen im Hype-Kapitalismus

Ein Kommentar von Martin Kilian, Washington. Aktualisiert am 20.05.2012 123 Kommentare

Der Facebook-Börsengang war vor allem heisse Luft. Die Episode ist das Symptom eines Systems, das vom Hurra-Geschrei seiner Bewunderer und Profiteure lebt. Die grosse Glocke übertönt die Dauerkrise.

1/17 Ein Ereignis auch für Touristen: Zuckerberg auf dem Nasdaq-Bildschirm am Broadway. (18. Mai 2012)
Bild: Reuters

   

Artikel zum Thema

Teilen und kommentieren

Stichworte

SwissquoteExklusiver Trading-Partner

[Alt-Text]

Korrektur-Hinweis

Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.

Werbung

Die Medien überschlugen sich: Lohnschreiber tippten sich die Finger wund, TV-Reporter berichteten aufgeregt und live von der Börse und durch das Internet stapfte allenthalben der Firmengründer als Leitfigur: Hereinspaziert zum Hype-Kapitalismus, wie er sich beim insgesamt doch eher laschen Börsengang von Facebook (FB 26.25 0.46%) manifestierte und als weiteres Anzeichen für die systemische Krise des geltenden Wirtschaftsmodells zu deuten ist.

Denn der Hype-Kapitalismus lebt vom übertünchenden Hurra-Geschrei seiner Bewunderer und Profiteure und paart sich mit den spekulativen Auswüchsen eines Finanz- und Bankenwesens, das in den Worten des ehemaligen US-Notenbankchefs Paul Volcker seit der Einführung des Bankomaten nichts mehr erschaffen hat, was der Allgemeinheit wirklich gedient hätte. Das geschäftige Gewusel des Hype-Kapitalismus wird zudem untermalt von kultischen Elementen, wie sie etwa bei der Vorstellung eines neuen iPads oder iPhone zu beobachten sind: Die Bühne wird zum Geschäftsmodell, der Entrepreneur zum Magier.

Kapitalismus als prickelnde Unterhaltung

Die wachsende und für das Funktionieren von Demokratien tödliche soziale Ungleichheit übersieht der Hype-Kapitalismus geflissentlich. Ihm geht es zuvorderst um prickelnde Unterhaltung sowie die Verklärung der «Job Creators» als Schaffer von Arbeitsplätzen und mithin Helden, deren Steuerlast möglichst niedrig sein muss und denen Angestellte und Bürger gefälligst auf den Knien zu danken haben.

Verglichen damit war der amerikanische Kapitalismus der fünfziger Jahre allemal erfolgreicher, allerdings mit Spitzensteuersätzen von rund 90 Prozent und einer gewerkschaftlich organisierten Arbeiterschaft, die am Segen wachsender Produktiviät teilhaben durfte und eben jene Mittelklasse konstituierte, die zunehmend ausfranst.

Die Schreihälse sind am Zug

Aber jetzt sind eben die Schreihälse am Zug, deren Modell vor allem einer grossen Glocke bedarf, an die möglichst lautstark alles gehängt wird, was sich vergolden oder versilbern lässt. Dass die Facebook-Aktie am Freitag an der New Yorker Börse wie ein alter Plastikeimer in der Brandung dümpelte, wird dem Hype-Kapitalismus ebensowenig Abbruch tun wie ein mögliches Absacken des Zuckerberg-Papiers, wenn zuerst die Leerverkäufer antreten und danach die Facebook-Insider ihre Aktien auf den Markt werfen.

Immerhin unterhielt die New Yorker Show am Freitag prächtig und lenkte obendrein von der allgemeinen Dauerkrise ab, obschon wir uns ausgiebiger mit Mark Zuckerbergs Hochzeit hätten befassen sollen und weniger mit seinem Börsengang. Die Verehlichung des Facebook-Gründers war schliesslich real und greifbar und wirklich.

Erstellt: 20.05.2012, 19:47 Uhr

123

Kommentar schreiben

Verbleibende Anzahl Zeichen:

No connection to facebook possible. Please try again. There was a problem while transmitting your comment. Please try again.

123 Kommentare

Paul Weder

20.05.2012, 20:03 Uhr
Melden 354 Empfehlung 0

Das einzige, was Mehrwert schafft, hat Marx gesagt, sind Arbeit, Boden und Maschinen. Banken sind nur dazu da, diese Werte umzuverteilen an die Reichen. Wer Kredite benötigt, macht prinzipiell etwas falsch, oder würde besser gar nicht anfangen zu wirtschaften. Natürlich wird das alles ganz anders dargestellt, damit die Umverteilung weiterläuft, denn davon leben auch die Banken. Antworten


Roger Klein

20.05.2012, 19:57 Uhr
Melden 301 Empfehlung 0

Super Artikel. Trifft es genau. So ist es: der Bankomat war das letzte nützliche, dass von der Bankenbranche erfunden wurde. Alles andere ist heisse Luft, Dampf und dient dazu, das Geld von unten nach oben zu verteilen. Antworten



Wirtschaft

Populär auf Facebook Privatsphäre

Umfrage

Kaufen Sie Bio-Produkte?




Verzeichnis- & Serviceportal

Marktplatz

Umfrage

Eine volle Rente soll nur noch erhalten, wer zu 80 Prozent invalid ist. Sind Sie mit dem Entscheid des Ständerats einverstanden?




BLS Schifffahrt Berner Oberland

Auf Deck scheint die Sonne am längsten.
Was gibt es Schöneres als die wohlverdienten Feierabendstunden auf dem Thunersee zu verbringen?

DAS GELD und ich

Börsen auf Höchstständen: Wie weiter?

Gratis für Abonnenten und Abonnentinnen

1:0 für Ihre Unabhängigkeit! Wo immer Sie sind: Blättern Sie virtuell durch Ihre BZ Berner Zeitung. Lesen Sie unser ePaper.

Fernstudiums-CAS an der FFHS

Holen Sie sich das juristische Fachwissen für einen Job in Compliance & Corporate Governance

Jetzt wechseln und sparen

Finden Sie in nur fünf einfachen Schritten die optimale Fahrzeugversicherung.