Wie die Sparfreude der Schweizer der Wirtschaft schadet

Von Andreas Valda. Aktualisiert am 09.06.2009 7 Kommentare

In zehn Tagen will der Bundesrat sein drittes Konjunktur-Paket lancieren. Ökonomen warnen vor allzu grossen Hoffnungen.

Der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse legte gestern eine Mini-Studie vor, die aus wissenschaftlicher Sicht der Frage nachgeht: Taugen klassische Konjunkturprogramme überhaupt?

Ökonomen beurteilen die Frage je länger, desto skeptischer. Ein Grund liegt in der starken internationalen Verflechtung der Volkswirtschaften, ein anderer im Sparverhalten aufgeklärter Konsumenten.

Grossteil des Umsatzes fliesst ins Ausland

Negativer Import-Effekt: Die Schweiz importiert zu einem grossen Teil Güter für den Konsum und zur Investition. Werden Konjunkturprogramme aufgelegt, kurbelt dies zwar den Konsum an. Der Grossteil des Umsatzes fliesst aber zu den Herstellern im Ausland. «Eine Studie der ETH ergab, dass im Impulsprogramm 1997 rund 70 Prozent der Nachfrage-Stimulierung über höhere Importe versickerte», schreibt Economiesuisse. 1997 bis 1999 wuchs die Volkswirtschaft um bescheidene 0,14 Prozent mehr, als wenn vom Staat nichts beschlossen worden wäre. «Die Gesamtwirkung der Programme 1993 und 1997 auf das Wachstum war bescheiden», sagt Christoph Schaltegger, Wirtschaftsforscher der Economiesuisse.

Negativer Spar-Effekt: Schweizer gehören zu den sparfreudigsten Völkern, die die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) untersucht hat. Doch je sparfreudiger, desto weniger nützen Konjunkturprogramme, die den Konsum stützen sollten. So hat beispielsweise die Austeilung von Konsumgutscheinen in den USA und Japan gezeigt, dass die Leute das «gratis» erhaltene Geld zwar ausgeben. Dafür sparen sie aber woanders ein. Per saldo geben sie nicht mehr aus, als wenn keine Gutscheine ausgegeben worden wären. Die Forschung spricht von Mitnahme-Effekten.

Importieren und Sparen geht nicht

Wirklich schwierig wird es aus Sicht der Ökonomen, wenn Länder beides tun: stark importieren und stark sparen. Die Schweiz gehört dazu, ebenso wie Schweden, Irland, Österreich, Belgien und Irland (siehe Grafik, rechtes oberes Viertel). «Die Schweiz als kleine offene Wirtschaft mit hoher Sparquote eignet sich daher nicht für umfangreiche Stimulierungsprogramme», beurteilt Schaltegger.

Sinnvoll seien Konjunkturpakete in Ländern, die wenig importieren und wenig sparen (siehe Grafik linkes unteres Viertel). Denn dort fliessen Staatshilfen direkt in den Kreislauf des eigenen Landes, und Konsumenten geben das Geld sofort aus. «Nicht umsonst sind Stimulierungsprogramme in diesen Ländern überdurchschnittlich wirksam», sagt Schaltegger.

Impulsprogramm könnte Konsum ankurbeln

Der Ökonom des Gewerkschaftsbundes Daniel Lampart teilt die Einschätzung, dass die Wirkung von Konsumgutscheinen rasch verpufft. Er kritisiert aber die These, dass die Sparneigung von Schweizern ihnen im Wege stehe. «Unsere hohe Sparquote ist eine Folge des Zwangssparens für das Alter. Familien bleibt im Alltag wenig Geld, um es frei auszugeben.» Würde mit einem Impulsprogramm der Konsum angekurbelt, würden die Leute mehr ausgeben, ist Lampart überzeugt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.06.2009, 06:27 Uhr

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7 Kommentare

willi aerne

09.06.2009, 08:18 Uhr
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Jene, die behaupten, die Programme bewirkten nichts, sind immer dieselben und seit langem bekannt. Sie sorgen selber dafür, indem sie den Start der Programme so lange verhindern, bis deren Effekte minimalisiert werden. Im Übrigen müsste man die Bedingungen halt so ausgestalten, dass überwiegend die Binnenwirtschaft davon profitiert. Antworten


Andreas Moser

09.06.2009, 10:38 Uhr
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Die lieben "Ökonomen" sind alles Konsumbesessene. Die haben noch nie selber mit Investitionen oder einer Fabrik zu tun gehabt. Über den Konsum auf Import wird man die Wirtschaften nicht retten können, nur durch Schuldenabbau und Ausbrennenlassen der Fehlinvestitionen. Antworten



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