Wirtschaft

Wie die Sparfreude der Schweizer der Wirtschaft schadet

In zehn Tagen will der Bundesrat sein drittes Konjunktur-Paket lancieren. Ökonomen warnen vor allzu grossen Hoffnungen.

Der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse legte gestern eine Mini-Studie vor, die aus wissenschaftlicher Sicht der Frage nachgeht: Taugen klassische Konjunkturprogramme überhaupt?

Ökonomen beurteilen die Frage je länger, desto skeptischer. Ein Grund liegt in der starken internationalen Verflechtung der Volkswirtschaften, ein anderer im Sparverhalten aufgeklärter Konsumenten.

Grossteil des Umsatzes fliesst ins Ausland

Negativer Import-Effekt: Die Schweiz importiert zu einem grossen Teil Güter für den Konsum und zur Investition. Werden Konjunkturprogramme aufgelegt, kurbelt dies zwar den Konsum an. Der Grossteil des Umsatzes fliesst aber zu den Herstellern im Ausland. «Eine Studie der ETH ergab, dass im Impulsprogramm 1997 rund 70 Prozent der Nachfrage-Stimulierung über höhere Importe versickerte», schreibt Economiesuisse. 1997 bis 1999 wuchs die Volkswirtschaft um bescheidene 0,14 Prozent mehr, als wenn vom Staat nichts beschlossen worden wäre. «Die Gesamtwirkung der Programme 1993 und 1997 auf das Wachstum war bescheiden», sagt Christoph Schaltegger, Wirtschaftsforscher der Economiesuisse.

Negativer Spar-Effekt: Schweizer gehören zu den sparfreudigsten Völkern, die die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) untersucht hat. Doch je sparfreudiger, desto weniger nützen Konjunkturprogramme, die den Konsum stützen sollten. So hat beispielsweise die Austeilung von Konsumgutscheinen in den USA und Japan gezeigt, dass die Leute das «gratis» erhaltene Geld zwar ausgeben. Dafür sparen sie aber woanders ein. Per saldo geben sie nicht mehr aus, als wenn keine Gutscheine ausgegeben worden wären. Die Forschung spricht von Mitnahme-Effekten.

Importieren und Sparen geht nicht

Wirklich schwierig wird es aus Sicht der Ökonomen, wenn Länder beides tun: stark importieren und stark sparen. Die Schweiz gehört dazu, ebenso wie Schweden, Irland, Österreich, Belgien und Irland (siehe Grafik, rechtes oberes Viertel). «Die Schweiz als kleine offene Wirtschaft mit hoher Sparquote eignet sich daher nicht für umfangreiche Stimulierungsprogramme», beurteilt Schaltegger.

Sinnvoll seien Konjunkturpakete in Ländern, die wenig importieren und wenig sparen (siehe Grafik linkes unteres Viertel). Denn dort fliessen Staatshilfen direkt in den Kreislauf des eigenen Landes, und Konsumenten geben das Geld sofort aus. «Nicht umsonst sind Stimulierungsprogramme in diesen Ländern überdurchschnittlich wirksam», sagt Schaltegger.

Impulsprogramm könnte Konsum ankurbeln

Der Ökonom des Gewerkschaftsbundes Daniel Lampart teilt die Einschätzung, dass die Wirkung von Konsumgutscheinen rasch verpufft. Er kritisiert aber die These, dass die Sparneigung von Schweizern ihnen im Wege stehe. «Unsere hohe Sparquote ist eine Folge des Zwangssparens für das Alter. Familien bleibt im Alltag wenig Geld, um es frei auszugeben.» Würde mit einem Impulsprogramm der Konsum angekurbelt, würden die Leute mehr ausgeben, ist Lampart überzeugt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.06.2009, 06:27 Uhr

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7 Kommentare

Dieter Wundrak

11.06.2009, 16:45 Uhr
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Natürlich muss konsumiert werden, um Geld zu verdienen. Und damit sind auch wieder Investitionen möglich, etc. Falsch ist jedoch, wenn dem Menschen eingehaucht wird, erst Geld auszugeben und nach mir die Sintflut. Gewiss ist ein Kredit zu bejahen, wenn dadurch Werte geschaffen werden können. Mit Werten meine ich sinnvolle Produkte zum Wohle einer ganzen Gesellschaft. Alles andere wie eben jetzt. Antworten


Lars Aregger

09.06.2009, 17:41 Uhr
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unglaublich, wieviel Quatsch man in diesen Foren jeweils lesen kann. Die wahren Uebeltäter sind und bleiben die Nationalbanken, und die Geldspritzen nutzen nur den Eliten. Es gibt keine sicherere und üblere Methode, einer Gesellschaft die Grundlagen zu entziehen, als die Zerstörung ihrer Währung. Aber von Frau Leuthard als Juristin kann man auch nicht mehr erwarten. Bürger, wacht endlich auf !! Antworten


Thomi Horath

09.06.2009, 12:35 Uhr
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Die besten Impulsprogramme kommen doch von den Banken selbst: Dort 10 Mrd. nach Polen, dort 10Mrd. nach Ungarn, dort 10 Mrd. in den IWF. Das Gold nach Fort Knox. Münzen einschmelzen und ab ins Ausland damit. Alles damit ja der CHF nicht hoch kommt und ja nicht zuviele Leute ihr Geld in die Schweiz bringen. Und der Export nicht ins Stocken kommt, wobei im Ausland Sparen auch kein Fremdwort mehr ist Antworten


Rene Wetter

09.06.2009, 12:27 Uhr
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Es kommt darauf an was für ein Programm man aufgleist, z.B. bei Sanierungen von Gebäuden und Kraftwerken dürfte einiges im Inland bleiben. Hier wartet man lieber bis wir 6% Arbeitslose haben und starten wie inden 90er eine Werbekampagne nach dem Motto "Der Aufschwung beginnt im Kopf". Der Staat lernt nichts dazu, immerhin hat die SNB was gelernt. Zur Kaufkraftstützung: Zerschlagung aller Kartelle! Antworten


Andreas Moser

09.06.2009, 10:38 Uhr
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Die lieben "Ökonomen" sind alles Konsumbesessene. Die haben noch nie selber mit Investitionen oder einer Fabrik zu tun gehabt. Über den Konsum auf Import wird man die Wirtschaften nicht retten können, nur durch Schuldenabbau und Ausbrennenlassen der Fehlinvestitionen. Antworten


Thomas Widmer

09.06.2009, 10:29 Uhr
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Angesichts der düsteren Prognosen (Pensionskassen, Krankenkassen, Arbeitslosenversicherung, AHV, Oelpreis, Lebenshaltungskosten e.t.c) und die über Jahre hinweg schwindenden Kaufkraft der Löhne des Mittelstandes muss man sich verwundern wenn die Leute das Geld lieber für noch schlechtere Zeiten auf die Seite legen. Antworten


willi aerne

09.06.2009, 08:18 Uhr
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Jene, die behaupten, die Programme bewirkten nichts, sind immer dieselben und seit langem bekannt. Sie sorgen selber dafür, indem sie den Start der Programme so lange verhindern, bis deren Effekte minimalisiert werden. Im Übrigen müsste man die Bedingungen halt so ausgestalten, dass überwiegend die Binnenwirtschaft davon profitiert. Antworten



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