Wirtschaft
Wie Gangster die Eurozone retten helfen
Aktualisiert am 30.07.2010 11 Kommentare
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Beliebt: 500-Euronoten.
Der Euro sei bei Gangstern, Drogenhändlern und Geldwäschern eine äusserst beliebte Währung, schreibt das «Wall Street Journal» auf seiner Webseite. Davon profitiere die Währung in zweifacher Hinsicht.
Dadurch, dass Gauner ihr Bargeld sehr oft ausserhalb des regulären Finanzsystems horten, werden solche Noten dem liquiden Geldsystem entzogen. Das verknappe die verfügbare Geldmenge und wirke dadurch grundsätzlich der Inflation entgegen.
Euros zu schmuggeln, ist effizienter
Genau das scheine sich zurzeit beim Euro abzuspielen. Wie das «Wall Street Journal» berichtet, wiege 1 Million Dollar in 100-Dollar-Noten rund 11 kg, gleich viel Geld in 500-Euro-Scheinen jedoch nur rund 2,2 kg.
Gemäss Soren Pedersen, einem Europol-Sprecher, findet die Polizei sehr häufig grosse Euro-Noten in Verstecken. Etwa wenn versucht werde, undeklariertes Geld in Reifen oder anderen Geheimfächern in Fahrzeugen am Zoll vorbeizuschleusen. Solches Geld stamme in der Regel aus dem Drogenhandel.
Noten drucken als zunehmend wichtige Einnahmequelle
Doch die Europäische Zentralbank (EZB) profitiert gemäss «Wall Street Journal» von einem vielleicht weitaus wichtigeren Faktor: Sie verdiene kräftig an der Notenausgabe. Dieser Profit wird Seigniorage (Münzgewinn) genannt und bezeichnet, etwas vereinfacht erklärt, den Unterschied zwischen Produktionskosten einer Währungseinheit und ihrem Nominalwert. Für grosse Noten sei der Unterschied dementsprechend grösser.
In diesem Jahr fallen gemäss Willem Buiter, dem Chef-Ökonomen der Citibank, die Einnahmen durch Seigniorage für die EZB zunehmend ins Gewicht. Die EZB habe inzwischen Milliarden an Anlagen von zweifelhafter Qualität, etwa Staatsanleihen von schwächelnden Mitgliedern der Eurozone. Da komme der Profit, den die Ausgabe von Geld generiere, gerade recht.
Die EZB darf weiterhin mit Milliardengewinnen rechnen
In vergangenen Jahren habe die EZB in der Regel jährlich rund 50 Millliarden Euro Gewinn durch Seigniorage erzielt. 2008, im Jahr der Lehman-Brothers-Krise, seien es jedoch bereits 80 Milliarden Euro gewesen. Buiter glaubt, dass auch bei einer zurückhaltenden Schätzung der jährlichen Zunahme der Geldmenge um 4 Prozent und dem angepeiltem Inflationsziel der EZB von zwei Prozent – plus einem Spielraum für wirtschaftliches Wachstum – die EZB in den nächsten Jahren mit 2000 bis 7000 Milliarden Euro an Seigniorage-Einnahmen rechnen könne.
Wer dem europäischen Währungssystem das Bargeld entzieht, scheint angesichts dieses astronomischen, möglichen Gewinns unwichtig. Wie eine Sprecherin der EZB gegenüber dem «Wall Street Journal» sagt, sei nicht vorgesehen, die Noten mit einem grossen Nennwert aus dem Verkehr zu ziehen. Auch die geplante neue Euro-Noten-Serie werde die grossen 500er-Noten haben. Sie durch kleinere Noten zu ersetzen, würde nur die Produktions- und Bearbeitungskosten unnötig in die Höhe treiben.
(mt)
Erstellt: 30.07.2010, 10:01 Uhr
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11 Kommentare
@ Ein 1000 CHF-Schein entspricht im Moment ca 730 Euro nicht 400, der Kurs liegt bei ungefähr 1.36. Was das gewicht bzw. die Grösse der Note betrifft, kann ich nicht weiter helfen, vielleicht ist die 500 Euro Note kleiner und leichter als der 1000er Schein. Warscheinlich ist der Euro aber einfach praktischer als der Franken, da er weiter verbreitet ist. Antworten
Ein 500€-Schein entspricht in etwa dem alten 1000DM-Schein, sogar etwas weniger, aber mittlerweile schreibt man Euro und alles schreit auf, da frage man sich warum ? Wieso erwähnt man nicht den 1000 Franken-Schein, der ja auch fast 400€ entspricht. Antworten
Ich glaube kein Wort von diesem Bericht. Die Stückelung der Euronoten hat nicht den geringsten Einfluss auf das Verbrechensaufkommen und umgekehrt. Das Gleiche gilt für die Frankennoten. Der Artikel erschien ursprünglich im Wallstreet Journal und wurde dort abgekupfert. Dabei hätte es dort weit interessantere Berichte zum Uebersetzen gegeben, zB über die Krise der kommerziellen US-Immobilien. Antworten
Banknoten sind zinsfreie Darlehen an die Notenbank (Notenumlauf sind Passiven in der Bilanz). Die Notenbank verdient bzw. erspart sich die Zinskosten. Dieser Verdienst ist die Seignorage (sh. z.B. Wikipedia). Z.B. SNB: Bei ca 50 Mia CHF Noten und einem angenommenen Zins von 3% beträgt die Seignorage für die SNB pro Jahr 1.5 Mia. CHF. Bei der EZB bzw. den Notenbanken der Eurozone entsprechend mehr. Antworten
auch die schweiz verdient gut an noten. schliesslich wird immer auch geld verloren oder irrtümlich vernichtet. zudem ist das bargeld vorallem in entwicklungsländern als eiserne reserve beliebt. dies ist im endeffekt nichts anderes als ein gratiskredit derjenigen, die das geld horten an die schweiz. denn zins bekommt man ja aufs bargeld keines. da geht es auch um millionen. Antworten
Der US Dollar ist ein Witz. Natürlich muss er so viel wiegen. Sonst hat er keinen Wert. Ausserdem ist er ungefähr so fälschungssicher wie ein Stempel. Die USA sind diesbezüglich ziemlich rückständig. Ein Vergleich mit 1000 SFr. Scheinen wäre interessanter. Antworten
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Erik Wille
Man könnte an dieser Stelle denn die Frage stellen, wohin die Gängster denn die vielen Euros in aller Regel bringen. In die Banken Deutschlands oder in die Geldwaschanlagen der Schweiz. Antworten