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Wie indische Hochzeitspaare den Goldpreis anheizen

Aktualisiert am 09.09.2009

Der Goldpreis ist derzeit so hoch wie lange nicht. Die Ursachen dafür sind sehr menschlich: Angst, Berechnung und Liebe sorgen für eine grosse Nachfrage nach dem Edelmetall.

In der Hochzeitssaison explodiert der Goldverkauf in Indien: Ein Model führt im Oktober 2008 im nordindischen Chandigarh Schmuck vor.

In der Hochzeitssaison explodiert der Goldverkauf in Indien: Ein Model führt im Oktober 2008 im nordindischen Chandigarh Schmuck vor.
Bild: Reuters

Am Dienstagnachmittag kostete eine Feinunze, also knapp über 31 Gramm Gold, erstmals seit einem halben Jahr wieder mehr als 1000 Dollar. Für Eliane Tanner, Rohstoff-Expertin bei der Credit Suisse, liegen die Gründe für den steigenden Preis im schwächeren Dollar, den fallenden Zinsen sowie einer steigenden Inflationserwartung. Stephen Huges von der Privatbank Clariden Leu nennt noch einen weiteren Grund: In Indien beginnt bald die Hochzeitssaison, und da ist Goldschmuck so gefragt wie selten.

Sind die Zinsen tief, entgeht einem weniger

Ein sinkender Dollar stützt den Goldpreis, da Gold in Dollar gehandelt wird und deshalb in anderen Währungen günstiger wird. Dies steigert die Goldkäufe aus Nicht-Dollar-Ländern. Viele Investoren kaufen aber auch Gold, um sich gegen einen schwächeren Dollar abzusichern.

Zudem unterstützen tiefe reale Zinsen den Goldpreis. «Die Zinsen sind die Opportunitätskosten des Goldhaltens», sagt Tanner. Will heissen: Sind die Zinsen tief, entgeht einem wenig, was das Halten von Gold attraktiver macht.

Die Angst vor der Inflation

Auch Inflationserwartungen spielen eine Rolle. So gehen einige Marktteilnehmer momentan von einer steigenden Inflation aus. «Folglich wollen sich einige Investoren mit einem realen Wert wie Gold gegen Inflation absichern», sagt Tanner weiter.

«Wenn viele Anleger von ähnlichen Erwartungen ausgehen, hat dies natürlich einen Einfluss», fasst Stephen Hughes, Rohstoff-Experte bei der Privatbank Clariden Leu, das Geschehen an den Rohstoffmärkten zusammen. Warum genau an einem Tag der eine oder andere Rohstoff besser oder schlechter gesucht sei, könne man indes kaum abschliessend ergründen.

Goldschmuck für indische Bräute

Für Hughes liegt der Grund der jüngsten Goldpreis-Steigerungen ebenfalls im schwachen Dollar. Zudem notiere der Preis für das wertvolle Edelmetall im zweiten Halbjahr meist auf höherem Niveau als in der ersten Jahreshälfte. Als Argument führen Marktbeobachter oft die Nachfrage nach Goldschmuck aus Indien ins Feld. Diese sei nach der Monsunzeit besonders hoch, weil die Vorbereitungen für die Hochzeitssaion auf Hochtouren laufen.

Kaum ein anderes Fest ist in Indien so prunkvoll wie jenes ums Ja- Wort. Die Preis-Schmerzgrenze der Käufer liegt entsprechend im oberen Bereich. «Die Nachfrage erholt sich trotz hoher Preise», sagt Susanne Toren von der Zürcher Kantonalbank ZKB.

Auch die Nationalbanken kaufen Gold

Auch sie macht nebst dem Bedarf nach physischem Gold lebhafte Nachfrage aus bei Finanzinvestoren. Eine interessante Rolle spielen gemäss ihrer Analyse künftig beim Gold auch die Notenbanken. «Sie wandeln sich von Netto-Goldverkäufern zu Goldkäufern.»

So würden die westlichen Zentralbanken kaum mehr Gold anbieten. Die Schweizerische Nationalbank SNB hatte im August gar mitgeteilt, an ihrem Bestand vorläufig nichts zu ändern. Hingegen seien Notenbanken aus den Schwellenländern an Gold interessiert. Grund: Sie haben ihre Vermögen anders als westliche Notenbanken vor allem in Dollar angelegt, und Gold bietet gemäss Toren «einen natürlichen Schutz im Fall einer Dollar-Abwertung».

Gold als sicherer Hafen

Sowieso gilt Gold als Fluchtwährung. «Generell ist Gold dann gefragt, wenn andere Märkte einbrechen», erläutert Stephen Hughes. In der Tat: Am 17. März 2008 zahlten Käufer den Rekordpreis von 1030,80 Dollar für eine Feinunze (31,10 Gramm).

Auslöser damals für die starken Nachfrage waren der Notverkauf der US-Investmentbank Bear Stearns an JP Morgan und eine überraschende Senkung des Diskontsatzes der US-Notenbank. Gold galt zu diesem Zeitpunkt und grundsätzlich in Krisen als sicherer Hafen.

Die aktuellen Preissteigerungen - am Dienstag kostete eine Feinunze zeitweise mehr als 1007 Dollar - sind also zusätzlich von Sonderfaktoren getrieben.

Gold gibt weiter zu reden

Gemäss Stephen Hughes von Clariden Leu haben sich andere Rohstoffe seit letztem Frühling aber deutlich positiver entwickelt. Gold sei bezüglich der Performance an sich nichts besonderes - die Aufmerksamkeit ist dem glänzenden Edelmetall aber stets gewiss.

So wird Gold auch in den nächsten Monaten zu reden geben. Am Mittwoch gab der Preis bis am Mittag zwar wieder auf 994,70 Dollar nach. Doch Analysten rechnen mit weiteren Preis-Steigerungen: Die Credit Suisse sieht ihn bis 1100 Dollar klettern, die ZKB rechnet in den nächsten 12 Monaten mit Potenzial bis 1200 Dollar. (oku/sda)

Erstellt: 09.09.2009, 17:17 Uhr

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