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Weltwirtschaft: Nach der Aufhellung droht der Sturm

Von Markus Diem Meier. Aktualisiert am 05.08.2009 36 Kommentare

Die Wirtschaftslage bessert sich, heisst es vielerorts. Doch laut Ökonomen könnte der viel gepriesene Aufschwung nicht viel mehr als ein Strohfeuer sein.

Der Optimismus könnte verfrüht sein: Ökonomen zweifeln an der Nachhaltigkeit eines Aufschwungs.

Der Optimismus könnte verfrüht sein: Ökonomen zweifeln an der Nachhaltigkeit eines Aufschwungs. (Bild: Keystone)

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Die Wirtschaftsaussichten scheinen sich im Vergleich zu den vergangenen Monaten wieder aufzuhellen. Zumindest deuten eine Reihe von wichtigen Indikatoren darauf hin. So zeigen die aus Umfragen bei Grosseinkäufern erstellten Indizes (Einkaufsmanagerindizes oder PMI) weltweit eine Verbesserung der Lage an, wenn auch noch keinen Aufschwung. Die Aktienmärkte, wo Erwartungen zur Zukunft gehandelt werden, haben bereits seit dem März weltweit wieder deutlich zugelegt.

Die Krise in der Schweiz hat ihre Ursache in den eingebrochenen Exporten, weshalb der hiesige Konjunkturverlauf untrennbar mit der Entwicklung in der Weltwirtschaft verbunden ist. Kein Wunder, nimmt auch hierzulande der Pessimismus ab. Das Barometer der Konjunkturforschungsstelle Kof zeigt erstmals seit 2007 wieder nach oben, wenn sich dessen Stand auch weiterhin auf dem tiefsten Niveau seit Beginn des Jahrzehnts befindet.

Aufschwung beruht nicht auf dem Endkonsum

Ökonomen haben wenig Mühe, den Grund für die besseren Aussichten zu benennen. Nach dem Beinahekollaps des Finanzsystems im letzten Herbst haben Unternehmen aus Sorge um einen Absatzeinbruch praktisch nur noch die bestehenden Lager ausverkauft. Das liess die Produktion total einbrechen. Der weltweit nach wie vor geringe Privatkonsum erfordert trotu allem ein Nachfüllen der Lager, was zu einer wieder anziehenden Produktion führt. Doch dieser Effekt hält nicht lange an.

Als Ersatz für die fehlenden Konsumenten sind weltweit die Regierungen mit gigantischen Ausgabenprogrammen in die Bresche gesprungen. Doch die Staaten können sich nicht endlos verschulden, weshalb auch dieser Antreiber der Konjunktur seine Wirkung auf die Dauer verlieren wird. Unter Ökonomen wird daher debattiert, ob der angekündigte Aufschwung sich bloss als Strohfeuer erweist: «Es besteht das Risiko eines Rückfalls; einer -Rezession in der zweiten Hälfte des nächsten Jahres», sagt der für seine düsteren, aber bisher korrekten Prognosen bekannt gewordene US-Ökonom Nouriel Roubini. Bei einer Double-Dip-Rezession gleicht der Konjunkturverlauf einem «W», mit zwei Rezessionen, die nur durch ein Zwischenhoch unterbrochen werden. Ähnlich, wenn auch vorsichtiger, drückt sich auch Jan Amrit Poser, Chefökonom der Bank Sarasin, in einer Kurzstudie zum Thema aus: «Es besteht unseres Erachtens ein gewisses Risiko, dass die Bremsfaktoren in den nächsten ein bis zwei Jahren einen konjunkturellen Rückfall herbeiführen können.»

Eine Reihe Bremsfaktoren verbleiben

Der grösste Bremsfaktor könnten die Konsumenten sein. Der erwartete Anstieg der Arbeitslosigkeit hat das Potenzial, der Konsumlaune in vielen Ländern noch arg zuzusetzen. Für die Schweiz wird im nächsten Jahr laut Kof ein Anstieg der Arbeitslosigkeit auf bis zu 6 Prozent prophezeit. Für Deutschland erwartet die OECD 2010 eine Rate von 11,6 Prozent. In den USA sieht Roubini eine Arbeislosenquote von 11 Prozent im nächsten Jahr kommen.

Ein weiteres Risiko ist die Umkehr der weltweiten Konsumströme. Insbesondere fallen die USA aus, die mit ihrem Konsumrausch bis 2007 die ganze Weltwirtschaft auf Trab gehalten haben. Jetzt müssen die Amerikaner sparen und Schulden zurückzahlen. Besonders wichtig für die Schweiz ist in diesem Zusammenhang Deutschland, dessen exportorientierte Wirtschaft besonders von der Lokomotive USA abhängig war. Deutsche wie Schweizer profitieren vorderhand noch von den eigenen und indirekt von den Fiskalpaketen der USA. Laufen diese Programme aus, kann der jeweilige inländische Konsum angesichts der weiterhin drastisch steigenden Arbeitslosigkeitsraten kaum Ersatz bieten.

Ein weiteres Risiko besteht im Timing der Politik: Senken die Regierungen ihre Ausgaben wegen der steigenden Verschuldung zu früh, fällt der Rückschlag in der Konjunktur heftig aus. Tun sie es zu spät, kann die Sorge um eine explodierende Staatsschuld zu höheren Zinsen führen, was die privaten Investitionen leiden liesse. In einer besonderen Zwickmühle befindet sich die Geldpolitik: Ziehen die Zentralbanken das jetzt in grosser Menge geschaffene Geld zu früh wieder zurück, verursachen auch sie eine heftige Bremsbewegung der Wirtschaft. Bleiben sie allerdings zu lange untätig, steigt die Inflation. Auch das liesse die Zinsen ansteigen. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 05.08.2009, 17:12 Uhr

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36 Kommentare

Alexandra Hamilton

05.08.2009, 15:37 Uhr
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Klar, meine Herren. Einfach nur fest dran glauben, dann wird alles wieder wie es vorher war. Dem völligen Realitätsverlust nicht unähnlich, zeichnet sich der permanente Optimismus dadurch aus, dass er die Realität nicht (mehr) zur Kenntniss nimmt. Leider gehen Probleme die man ignoriert aber nicht weg. Antworten


Ulrich Scheidegger

05.08.2009, 15:22 Uhr
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Vergessen wir nicht -Oekonomie ist keine strenge Naturwissenschaft. Sie beruht vielmehr auf Milchbüchleinrechnungen, uverständliche pseudo Formeln -oder Kaffeesatz lesen. Daher kann die Oekonomie mathematisch gegen Null gekürzt werden und vielen Bereichen vernachlässigt werden. Wie wir aber auch wissen, ist Null bekanntlich ja auch eine Zahl. Antworten



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