Was mit dem Eigenmietwert verschwindet
Von Rita Flubacher. Aktualisiert am 05.11.2009 66 Kommentare
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Die Besteuerung des Eigenmietwertes ist seit je umstritten. Hauseigentümer stossen sich am «fiktiven» Einkommen, das ihnen der Fiskus in Rechnung stellt. Die Mieterverbände klagen, dass die Eigentümer mit dem Abzug von Unterhaltskosten und Hypothekarzinsen steuerlich privilegiert seien, während Mieter ihren Mietzins nicht abziehen könnten. Steuerexperten monieren, dass von diesem System vor allem die hohen Einkommen profitieren.
Nun will der Bundesrat diese Besteuerung für alle Eigentümer abschaffen - und damit auch die bisherigen Abzugsmöglichkeiten. Zugelassen wären nur noch zwei Abzüge: Wer zum ersten Mal selbstbewohntes Wohneigentum erwirbt, kann während zehn Jahren einen Teil der Hypothekarzinsen verrechnen. Zweitens dürfen Kosten für «qualitativ hochwertige Energiespar- und Umweltschutzmassnahmen» in Abzug gebracht werden. Bern hat die Neuerung gestern in die Vernehmlassung geschickt.
Bund kann sich schadlos halten
Und wer profitiert davon? Laut Eidgenössischer Steuerverwaltung würden Hauseigentümer mit einem steuerbaren Einkommen von 80'000 bis 90'000 Franken steuerlich entlastet. Keine Sorgen muss sich auch die Bundeskasse machen: Es käme gar zu Mehreinnahmen von 85 Millionen Franken.
Zu einer Mehrbelastung käme es umgekehrt bei Wohneigentümern mit mehr als 200'000 Franken Einkommen. Gar keine Begeisterung dürfte der bundesrätliche Vorschlag schliesslich bei Kantonen mit hohem Zweitwohnungsbestand auslösen. Laut Vernehmlassung drohen ihnen «beträchtliche Mindereinnahmen». Deshalb will der Bundesrat eine kantonale Sondersteuer auf selbstgenutzten Zweitliegenschaften zulassen. Ob diese Sondersteuer überhaupt verfassungsmässig ist, muss indessen erst noch geklärt werden.
Schulden werden abgebaut
Weitreichender sind die Folgen eines Systemwechsels für die Finanzbranche. Wenn die Hypozinsen nicht mehr zur Steuerminimierung herangezogen werden können, werden die Haushalte ihre Hypothekarschulden reduzieren. «Bei der zweiten und der dritten Säule werden beispielsweise die Möglichkeiten eines Vorbezugs intensiver nachgefragt werden, wenn es vorteilhafter wird, ein schuldenfreies Eigenheim zu besitzen», hält der Bundesratsbericht fest. Laut Schätzungen machen die offenen Hypotheken in der Schweiz derzeit 740 Milliarden Franken aus.
Mit den Folgen eines Wegfalls des Eigenmietwertes hat sich auch das Immobilienberatungsunternehmen Wüst & Partner beschäftigt. In ihrem jüngsten «Immo-Monitoring» rechnen die Experten mit einem beschleunigten Strukturwandel in der helvetischen Bankenlandschaft: Der Konkurrenzkampf unter den Hypothekarbanken wird sich verschärfen. Unter kleineren, aufs Hypothekargeschäft konzentrierten Banken dürfte es zu Fusionen kommen. 2008 machten die ausstehenden Hypothekarforderungen bei 45 Banken oder Bankengruppen mindestens 75 Prozent der Bilanzsumme aus, bei weiteren 16 sind es gar 80 Prozent.
Weniger Banken
Der Konzentrationsprozess dürfte zu einer Ausdünnung der Bankendichte vor allem in ländlichen und peripheren Gebieten führen. Dazu gehören beispielsweise die Kantone Jura, Uri und Graubünden. «Damit einher ginge auch ein Abbau von Arbeitsplätzen», schreibt Wüst & Partner. Ende 2008 waren gut 20 Prozent der in der Schweiz im Bankensektor Tätigen bei Kantonal-, Regional- und Raiffeisenbanken beschäftigt. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 05.11.2009, 12:47 Uhr
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66 Kommentare
Die Abschaffung des 'EMW' wäre längst überfällig und auch sinnvoll. Der Wunsch der Mieter ihre Mietkosten in Abzug bringen zu können ist doch völlig absurd. Ein solcher Abzug wäre dann allenfalls berechtigt, wenn diesen ebenfalls ein fiktiver 'EMW' auf die Steuerrechnung geknallt würde. Das administrativ aufwändige Nullsummenspiel lässt - so oder so - grüssen. Antworten
Wo liegt denn da der Unterschied -oder was ist mir lieber?? Entweder bezahle ich Steuern an unsere Gemeinwesen oder Hypothekenzinsen an private Banken. Ich für meinen Teil bezahle lieber Steuern - da haben wir wenigstens alle etwas davon, als dass ich mein sauer verdientes Geld an Banken zahle - um deren Boni-Töpfe zu füllen!! Antworten
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