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Was ist Europas Banken-Stresstest wert?

Von Robert Mayer. Aktualisiert am 10.07.2010 2 Kommentare

Kritiker monieren mangelnde Transparenz und eine zu laxe Testanlage. Auch sonst bestehen erhebliche Zweifel.

Gilt beim Stresstest als Wackelkandidat: die deutsche Postbank (hier eine Frankfurter Filiale).

Gilt beim Stresstest als Wackelkandidat: die deutsche Postbank (hier eine Frankfurter Filiale).
Bild: Keystone

Da nun seit Mitte Woche jene 91 Banken mit EU-Domizil bekannt sind, die einem Stresstest unterzogen werden, hat das Ratespiel begonnen: Welche Institute fallen dabei durch? Die Credit Suisse hat schon eine ziemlich genaue Vorstellung davon. Laut ihren Experten werden unter anderem die deutsche Postbank – die zur Deutschen Bank gehört –, die italienische Monte dei Paschi sowie vier griechische Geldhäuser «hängen bleiben». Will heissen: Die Genannten müssen sich frisches Eigenkapital besorgen, dessen Umfang die Credit Suisse auf bis zu 1,4 Milliarden Euro je Institut schätzt.

Ferner veranschlagt die Grossbank den gesamten Kapitalbedarf aller getesteten Finanzhäuser auf 96 Milliarden Euro. Den Löwenanteil von 91 Milliarden werden laut Credit Suisse die öffentlich-rechtlichen Landesbanken in Deutschland sowie die staatlichen regionalen Sparkassen in Spanien unter sich aufteilen. Diese beiden Bankengruppen sowie die griechischen Institute gelten auch bei anderen Marktbeobachtern als am stärksten insolvenzgefährdet, weil ihr Abschreibungsbedarf auf Anlagen – seien es Immobilien oder Staatsanleihen – besonders gross ist. Bis zu 20 Banken dürften nach diesen Schätzungen den Test nicht bestehen.

Vorbild USA

Wie es um die Treffsicherheit der Vorhersagen steht, wird sich am 23. Juli erweisen: An diesem Tag werden die Ergebnisse des Stresstests veröffentlicht. Dann, so hoffen EU-Politiker, -Notenbanker und -Finanzwächter inständig, besteht endlich Klarheit über den Gesundheitszustand des europäischen Bankensystems und seiner wichtigsten Institute. Auf dieser Basis voller Transparenz sollten die Investoren und die Banken selber wieder Vertrauen fassen, sprich: Bankaktien kaufen respektive Kredite am Interbankenmarkt neu vergeben. Dadurch würden sich die Verspannungen an den Finanzmärkten lösen, aber auch die Finanzierungsprobleme, mit denen vor allem südeuropäische Geldhäuser konfrontiert sind.

In den USA ist dieses Kalkül jedenfalls aufgegangen. Der im Frühjahr 2009 bei 19 US-Instituten durchgeführte und offengelegte Stresstest hatte nach Ansicht vieler Experten entscheidenden Anteil am zurückgewonnenen Investorenvertrauen, dank dem die Finanzmärkte ihre monatelange Talfahrt stoppten und Luft für einen neuen Aufschwung holten.

Erhebliche Zweifel

Ob der Stresstest in Europa ähnlich erfolgreich sein wird, darüber bestehen erhebliche Zweifel. So monieren Kritiker, dass noch keine Klarheit darüber bestehe, ob und wie den durchgefallenen Banken von staatlicher Seite geholfen werde. Dabei müssten diese möglichst rasch rekapitalisiert werden, weil ansonsten die Gefahr besteht, dass die Bankkunden in Panik geraten und ihre Spargelder abziehen.

Besonders umstritten sind allerdings die dem Stresstest zugrunde liegenden Szenarien – soweit sie der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden sind. Genau dies ist der eine Kritikpunkt: Beobachter erachten die ganze Anlage des Bankentests als zu wenig transparent für Aussenstehende, doch «Transparenz wird der wahre Massstab für den Erfolg sein», wie Analysten der US-Bank Morgan Stanley kürzlich betonten.

Staatsbankrott ausgeklammert

Noch weniger hat die Experten überzeugt, was an Details zu den Szenarien nach aussen gedrungen ist. Demzufolge müssen die Banken im schlimmstmöglichen Fall einen Abschlag von 17 Prozent auf griechischen, von 8 Prozent auf portugiesischen und von 3 Prozent auf spanischen Staatsanleihen in ihren Handelsbüchern verkraften – plus zusätzliche Abschläge in den Kreditbüchern (wo die Banken jene Anlagen verbuchen, die sie bis zum Ende der Laufzeit halten).

Da der Kapitalmarkt zehnjährige griechische Staatstitel derzeit mit Abschlägen in der Grössenordnung von 25 Prozent bewertet, widerspiegelt der Test nach Aussage von Analysten allenfalls die Marktentwicklung. Von einem echten Stresstest könne jedoch keine Rede sein, hiess es. Insbesondere vermissen Marktakteure das Schreckensszenario eines europäischen Staatsbankrotts, das sie mit Blick auf die Banken nach wie vor am meisten fürchten.

Sollte sich an den Märkten der Eindruck verfestigen, dass der europäische Stresstest zu lax angelegt worden ist, um möglichst vielen Banken ein Gütesiegel zu verleihen, könnte am Ende dessen ganze Aussagekraft bezweifelt werden. Statt Vertrauen zu wecken, würde der Argwohn unter den Akteuren gegenüber dem Finanzsektor nur noch grösser. Ein solcher Ausgang wäre in der Tat der wahre «Worst Case». (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.07.2010, 06:55 Uhr

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2 Kommentare

Martin Bosshart

10.07.2010, 11:27 Uhr
Melden

Banken-Stresstest ist nichts anderes als Augenwischerei für das normale Volk!! (Nicht Banker) Antworten


Dieter Stoll

10.07.2010, 12:44 Uhr
Melden

Wann endlich werden neue Wirtschaftsmodelle entwickelt? Solche, die z.B. die Lebensgrundlagen weniger belasten, die rücksichtslose Abzockerei massiv zurückbinden und vor allem die Armutschere nicht immer noch weiter aufgehen lassen. - Der Sowjet-Kommunismus ist untergegangen; auch der heutige Kapitalismus könnte untergehen. Übrig bliebe das weltweit tätige "organisierte Verbrecher". Antworten



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