Was dieses Jahr am WEF besprochen wird
Von Markus Diem Meier. Aktualisiert am 24.01.2011 17 Kommentare
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Das vielleicht wichtigste Grundgefühl, das die Grundstimmung der 2'500 Besucher des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos – unter ihnen 1'400 Wirtschaftsführer – am besten beschreibt, ist Unsicherheit. Zu diesem Schluss gelangt man, wenn man die vorab produzierten Umfragen, Interviews und Analysen liest, die zum kommenden Treffen veröffentlicht wurden. Hier findet sich zwischen Zukunftseuphorie und grösster Sorge vor dem Kommenden alles und für alles finden sich Argumente.
In Davos werde ein neuer «Superzyklus» Thema sein, verkündet zum Beispiel ein Artikel der Agentur «Bloomberg», der sich auf Gespräche mit leitenden Bankökonomen abstützt, die für die nächsten Jahre eine glänzende Zukunft voraussehen. Damit meinen sie einen langfristig anhaltenden Wachstumstrend, wie ihn einst die industrielle Revolution dargestellt hat. Dieser Superzyklus werde alle Volkswirtschaften der Welt erfassen. Der Wirtschaftsnobelpreisträger Edward Prescott wird mit den Worten zitiert: «Die ganze Welt wird am Ende dieses Jahrhunderts reich sein.» Diese Optimisten sehen die enormen Wachstumserwartungen in den aufstrebenden Volkswirtschaften, vor allem in China, als Treiber einer solchen Entwicklung. Das weltweite Bruttoinlandprodukt werde sich (korrigiert um Inflation und Wechselkurse) von 62 Billionen Dollar im Jahr 2010 auf 143 Billionen im Jahr 2030 mehr als verdoppeln, glaubt Gerard Lyons, Chefökonom der Standard Chartered Bank.
«Es ist schwierig, sich nicht depressiv zu fühlen»
Dass diese Ansicht von anderen führenden Ökonomen alles andere als geteilt wird, zeigt sich schon im gleichen Bloomberg-Artikel: Joseph Stiglitz, ein weiterer Wirtschaftsnobelpreisträger, verweist darauf, dass vor allem in Asien tätige Institute – wo auch die Standard Chartered Bank das meiste Geld verdient – von der Dynamik dort eine etwas verklärte Sicht für die Weltwirtschaft erhalten würden. «Wenn man in den USA oder in Europa arbeitet und man sich dort die Wirtschaftsdaten betrachtet, ist es schwierig, sich nicht depressiv zu fühlen», sagt der Starökonom. Andere Ökonomen führen konkret die ungelöste Schuldenkrise in Europa an, die Angst vor einer Schuldenexplosion auch in Ländern wie den USA und die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit in der nach wie vor führenden Wirtschaftsmacht. Selbst in China, auf das die Optimisten setzen, würden mit einer hohen Inflation und einer Blase auf den Immobilienmärkten unkalkulierbare Gefahren drohen.
Ian Bremmer, Gründer und Präsident von Eurasia, einer Beratungsfirma für politische Risiken, sieht in der Entwicklung zu einer neuen Verteilung der weltweiten Macht allein schon grosse Risiken: Wenn kein Land mehr über genügend Einfluss verfüge, um die internationale Agenda zu bestimmen, werden sich alle auf ihre egoistischen Prioritäten konzentrieren, was vermehrt zu Konflikten führen werde. Nariman Behravesh, Chefökonom der Analysefirma IHS Global Insight beobachtet bereits eine Erosion gemeinsamer Werte und Prinzipien. Eine durch das WEF im Vorfeld der Davos-Veranstaltung selber durchgeführte Umfrage zeigt, dass die Eliten in den Gefahren einer schwieriger führbaren Welt eine der zwei grössten Risiken erkennen.
Angst vor der wachsenden Feindseligkeit gegenüber den Eliten
Das zweite grosse Risiko sehen sie in einer zunehmend als ungleich empfundenen Entwicklung der Wirtschaft. Dass die Ungleichheiten vor allem innerhalb der Länder auch künftig weiter zunehmen werden, darauf deute einiges hin, steht im WEF-Bericht. Die Sorge der Eliten ist dabei weniger die Ungleichheit selbst, als vielmehr eine mögliche gesellschaftliche Destabilisierung in ihrer Folge. Vor allem aber schürt sie das Misstrauen in die Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft – ein Misstrauen, das bereits durch die Finanzkrise befeuert wurde: Das Gefühl, dass hier Banker mit Millionenboni durch den Einsatz von Steuergeldern gerettet wurden und diese ihr Spiel seither munter weiter betreiben können, führt zu weit verbreiteten Frustrationen.
Gillian Tett, Journalistin der «Financial Times» und Buchautorin sieht im Treffen in Davos angesichts all der Unsicherheiten vor allem einen Zweck: «Einsame CEO entfliehen der feindlichen Welt, um sich zu einer Selbsthilfegruppe zu treffen», so betitelt sie ihren Artikel zum Thema. Das gelte ganz besonders für das diesjährige Treffen. Die Wirtschaftsführer seien zwar – gemäss den Berichten, die in Davos publiziert werden – für ihre eigenen Unternehmen ziemlich optimistisch, da sie von steigenden Profiten ausgehen. Das gehe aber Hand in Hand mit einer nagenden Ungewissheit über das Gesamtbild der wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen. Die Teilnehmer seien sich zudem bewusst, dass die Feindseligkeit gegenüber den Eliten weiter zunehme. Einen Rückschlag vor allem im Westen könnten sie daher nicht ausschliessen. «In einer unsicheren Welt macht es immer mehr Sinn, sich in sozialen Netzwerken gegenseitig abzusichern», meint daher Tett. Darin besteht der eigentliche Zweck von Davos. Für die Welt um das Bergdorf herum ist das Treffen vor allem ein Stimmungsbaromter für das fragile Befinden ihrer Eliten. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 24.01.2011, 12:59 Uhr
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17 Kommentare
Eine Super Show wird uns da wieder geboten. Noch mehr Reichtum etc. Für wenn? Jedenfalls nicht für das Volk. Warum wird eigentlich nie von den Bilderbergtreffen berichtet? Warum wird da geschwiegen, obwohl an diesen Treffen über die Zukunft der Welt gesprochen ja sogar entschieden wird. Warum werden wir mit so viel Informationen die Wertlos sind vom WEF versorgt? Antworten
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