Wirtschaft

Wann Staatsschulden den Wirtschaftsmotor abwürgen

Die führenden Volkswirtschaften der Welt werden die hohe Staatsverschuldung künftig mit einem kleineren Wirtschaftswachstum bezahlen. Eine Studie zeigt, welche Staaten gefährdet sind.

Drückend: Schuldenuhr aus Kanada zeigt den aktuellen Stand der Staatsschulden.

Drückend: Schuldenuhr aus Kanada zeigt den aktuellen Stand der Staatsschulden.

Kenneth Rogoff.

Kenneth Rogoff.

Carmen Reinhart.

Carmen Reinhart.

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Inflation und Wachstum

Die Untersuchung zeigt auch, dass es in den entwickelten Ländern insgesamt keinen Zusammenhang zwischen der Verschuldung und der Inflationsentwicklung gibt. In den Entwicklungsländern dagegen zieht die Teuerung parallel zur Verschuldung deutlich an. Bei den Industriestaaten machen die USA eine Ausnahme: Auch dort besteht eine solche Korrelation.

Die Verschuldung vieler Staaten ist nicht nur hoch, sie steigt auch an. Sie sind dunkle Wolken, die derzeit am Konjunkturhimmel hängen. Eine Frage drängt sich da besonders auf: Führen die angehäuften Schulden zu einem langsameren Wachstum? Die zwei renommierten amerikanischen Ökonomen Carmen Reinhart und Kenneth Rogoff sind dieser Frage nachgegangen. Dazu haben sie über 3700 jährliche Entwicklungen von 44 Ländern über die Zeitdauer von 200 Jahren untersucht. Ihre eben veröffentlichte Untersuchung liefert klare Antworten.

Solange die Staatsverschuldung noch unter einem Verhältnis von 90 Prozent zum Bruttoinlandprodukt BIP liegt, besteht für das Wirtschaftswachstum keine Gefahr. Liegt die Verschuldung allerdings höher, fällt das Wachstum im Durchschnitt um mehrere Prozent tiefer aus. Die selbe Beobachtung lässt sich sowohl für entwickelte wie aufstrebende Volkswirtschaften machen.

Auslandschulden wiegen schwer

Ein deutlicher Unterschied zwischen diesen beiden Arten von Volkswirtschaften zeigt sich allerdings bei Schulden gegenüber dem Ausland (staatlich und von Privaten). In diesem Fall nimmt das Wachstum schon bei einer Verschuldung von 60 Prozent im Verhältnis zum BIP um etwa 2 Prozent ab. Bei einer Rate von über 90 Prozent halbiert es sich sogar.

Warum das Wirtschaftswachstum erst ab einer gewissen Höhe der Verschuldung beeinträchtigt wird, haben Reinhart und Rogoff nicht explizit untersucht. Doch sie stellen plausible Vermutungen dazu an. Ab einer sehr hohen Verschuldung beginnen die Geldgeber auf den Kapitalmärkten daran zu zweifeln, dass Staaten ihre Schulden problemlos begleichen können. Bei Drittweltländern mit Schulden in fremder Währung ist dieser Punkt schneller erreicht als bei entwickelten Volkswirtschaften. Die Investoren verlangen dann eine deutlich höhere Risikoprämie, was die Zinsen in die Höhe treibt. Das wiederum würgt die Investitionen ab und verteuert die Schuldenlast weiter. Ein Teufelskreislauf beginnt. Selbst wenn die Regierungen dann alles tun, um die Staatsausgaben zu drosseln, bremst dies die Wirtschaft weiter.

Wenig Risiken für die Schweiz

Die Resultate haben für eine Reihe von wichtigen Ländern eine grosse Sprengkraft, da ihre Schuldenquote deutlich höher als 90 Prozent ausfallen wird, was zu einer anhaltenden Wachstumsschwäche führen kann. So wird selbst für die nach wie vor führende Wirtschaftsmacht USA eine Verschuldung von über 100 Prozent im Verhältnis zum BIP erwartet. Laut den Daten des Internationalen Währungsfonds nähern sich auch die Euro-Region, Japan und Grossbritannien bis 2014 dieser Quote. Die Schweiz erreicht gemäss den aktuellen Verschuldungsprognosen keine Quote, die ihr Wachstum beeinträchtigen sollte. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 06.01.2010, 20:54 Uhr

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