Von Anfang an der falsche Mann
Von Markus Diem Meier. Aktualisiert am 18.08.2010 38 Kommentare
Markus Diem Meier, Chefreporter Wirtschaft bei Bernerzeitung.ch/Newsnet
Dossiers
Artikel zum Thema
Stichworte
Die Finma (früher Bankenkommission) hat als Regulierungsbehörde zu verhindern, dass Finanzinstitute zu grosse Risiken eingehen und dafür zu sorgen, dass sie die Regeln einhalten. In diesem Sinn hat der nun zurücktretende Eugen Haltiner als oberster Chef der Finma und zuvor der Bankenkommission versagt. Denn es war die Pflicht seines Gremiums, die Grossbank UBS gut genug zu überwachen, damit sie nicht in das doppelte Schlamassel geriet, das einerseits die Volkswirtschaft der Schweiz bedroht und andererseits den Ruf des Landes massiv geschädigt hat. In dieses Schlamassel haben einerseits die Milliardenspekulation der Grossbank mit verbrieften Immobilienschrottpapieren in den USA geführt und andererseits die dort systematisch betriebene Beihilfe zum Steuerbetrug.
Genau für diese Bank hat Haltiner die unglaublich lange Zeit von 30 Jahren gearbeitet – am Schluss in ihren obersten Führungsgremien. In dieser Bank hat ihn eine Kultur geprägt, die heute zum Glück infrage gestellt wird. Die Nachfolger in der UBS tun jedenfalls alles, um sie abzuschütteln. In dieser Kultur liegt auch der wahre Grund für die Krise, in die die Bank gestürzt ist und mit der sie dem Land insgesamt geschadet hat. Diese Kultur wurde durch ein bis zum Grössenwahn gesteigertes Machtbewusstsein geprägt. Für die Anliegen der Öffentlichkeit blieb kaum Achtung übrig. Das war besonders deutlich beim Untergang der Swissair zu spüren. Auch Regulierung galt als lästig. Regulierungsbehörden hatten vor allem dafür zu sorgen, dass die Bank in ihren Geschäften nicht behindert wird. Wegen dieser Kultur war Eugen Haltiner von Anfang an der Mann, den man am allerwenigsten zum Chef der Aufsicht hätte machen dürfen.
Zweifel am Sinn von Regulierung
Schon bei seinem Amtsantritt am 1. Februar 2006 – damals noch als Chef der Finma-Vorgängerbehörde Bankenkommission – zweifelte der neue oberste Chef der wichtigsten Regulierungsbehörde öffentlich am Sinn von Regulierung überhaupt. Sie sollten stärker auf ihre Notwendigkeit mit Blick auf die Wettbewerbsfähigkeit der Banken überprüft werden, erklärte er. Diese banktypische Gewichtung jener Zeit wurde der UBS und dem Land in der Krise zum Verhängnis: Denn ihre gigantischen Gewinne zuvor und ihre herausragende Stellung im internationalen Wettbewerb hatte die Bank vor allem der Tatsache zu verdanken, dass die Aufsicht zu wenig genau hingeschaut hat, sodass sie unbemerkt Regeln brechen konnte. Als Konsequenz daraus ist die Bank beinahe untergegangen.
Noch nach dem Ausbruch der Finanzkrise, am 23. Dezember 2007, erklärte Eugen Haltiner in einem Interview: «Die von der UBS rechtzeitig ergriffenen Massnahmen und die offenbar konservativen Wertberichtigungen haben die Situation nach heutiger Kenntnis wieder in ein Gleichgewicht gebracht.» Möglicherweise war er wirklich nicht besser informiert. Doch dann hat er seinen Job nicht gemacht. Vielleicht konnte und wollte er das wahre Ausmass der Krise einfach nicht sehen, weil es nicht in sein Weltbild gepasst hat.
Die alte Garde des Bankgeheimnisses tritt ab
Eugen Haltiner verlässt seinen Posten fast zeitgleich mit Hans-Rudolf Merz. Das ist kaum Zufall. Beide haben sich bei der UBS, beziehungsweise der Bankgesellschaft, einem der Vorgängerinsitute, schon Mitte der 70er-Jahre kennengelernt. Gemeinsam haben sie die UBS durch die Herausgabe von Kundendaten im Februar 2009 vor einem Prozess in den USA bewahrt und damit das Ende des Bankgeheimnisses eingeleitet. Ausgerechnet sie, die mit einem Bankensystem gross geworden sind, die dieses Geheimnis als wichtigen Pfeiler ihres Geschäfts betrachtet hat. Beide mussten erkennen, dass die Banken, wie sie sie gekannt haben, nicht mehr existieren oder zumindest nicht mehr existieren dürfen. Der Wind hat gedreht. Staatliche Aufsicht gilt nicht mehr als störend, sondern als notwendig. In eine solche Welt passt Eugen Haltiner nicht hinein, schon gar nicht als oberster Regulierer.
(Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 18.08.2010, 16:58 Uhr
Kommentar schreiben
38 Kommentare
Ach gut dass man es jetzt bei der BAZ auch erkannt hat. Dass die UBS (Haltiner) sich selbst nicht kontrollieren sollte hat die Linke von Anfang an wie eine Mantra wiederholt. Die WOZ schrieb von Anfang an dass dies kein guter Entscheid ist. Doch die Bankenlobby hatte sich durchgesetzt... Antworten
Wirtschaft
- 20:38Novartis-Präsident Vasella kritisiert die Einwanderungspolitik
- 16:29Swisscom-Chef: «Den Meisten sind Roaming-Gebühren egal»
- 13:17So günstig zum Eigenheim wie nie
- 26.05.2012Bund prüft Abschottung des Schweizer Kapitalmarkts
- 26.05.2012Das sind die demokratischsten Firmen der Schweiz
- 26.05.2012UBS verliert bis zu 30 Millionen Dollar bei Facebook-Börsengang
Online-Wettbewerb
Jetzt mitmachen!: Gewinnen Sie einen Abend als Statist bei den Tellspielen Interlaken!
Live @ Sunset
11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!



