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Visa-Stellen überfordert: Schweiz verliert Touristen aus Asien

Von Maurice Thiriet. Aktualisiert am 07.09.2011 92 Kommentare

Der Bund investiert in Impulsprogrammen Millionen ins Tourismus-Marketing. Die Nachfrage nach Schweiz-Reisen steigt so stark, dass die Botschaften die Visa-Anträge nicht mehr bewältigen können.

Geschätzte Feriengäste: Asiatische Touristen sind begeistert vom Zytglogge-Turm in Bern.

Geschätzte Feriengäste: Asiatische Touristen sind begeistert vom Zytglogge-Turm in Bern.
Bild: Keystone

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Die Rechnung ist einfach: Wegen des starken Frankens bleiben Touristen aus dem Euroraum weg. Also müssen andere her. Aus Märkten, die noch nicht so gut erschlossen sind und wo eine wachsende Mittelschicht sich vermehrt teurere Reisen leisten kann. Inder, Russen, Asiaten sollen die Lücken füllen. Auch die Betreiber der Jungfraubahnen versuchen seit geraumer Zeit, einen neuen Markt zu erschliessen, und buhlen im südostasiatischen Raum um die Gunst der Reiseveranstalter und damit deren Kunden. Jungfrau-Marketingleiter Stefan Pfister setzt unter anderem auch auf Indonesien, wo die finanzkräftige Mittelschicht jährlich um zehn Prozent wächst und die Nachfrage nach Reisen in die Schweiz ebenfalls zunimmt. Die Jungfraubahnen investieren Zeit und Geld in die Kontakte zu indonesischen Reiseunternehmen, bieten Packages an und werden gebucht. Nur: Die Visa-Stelle auf der Schweizer Botschaft in Jakarta kann die nötigen Visa nicht erteilen.

100 Visa, dann ist Schluss

«Pro Reiseveranstalter erteilt die Botschaft täglich nur fünf Visa. Für eine Gruppenreise von 20 Personen muss das Reisebüro also viermal jemanden auf die Botschaft schicken, um die Visa-Geschäfte abzuwickeln», sagt Pfister. Das stört Pfister nicht nur, weil er dann vor seinen indonesischen Veranstaltungspartnern dumm dasteht. Es gehen schlicht Übernachtungsvolumina verloren. «Die Reiseveranstalter teilen uns mit, dass bei einer speditiveren Erteilung der Visa problemlos 60 Prozent mehr Gäste in die Schweiz gesendet werden könnten»,sagt Pfister.

Momentan gingen jedoch bei Wartezeiten von bis zu elf Wochen für ein Visum alle diejenigen Reisenden verloren, die spontan kommen wollen. Es mussten laut Pfister schon mehrere Gruppenreisen annulliert werden, weil eine Visa-Stelle in Jakarta aus Personalgründen zwei Monate geschlossen blieb. «Das hat zur Folge, dass die indonesischen Anbieter weniger Schweiz-Reisen in ihre Programme und Kataloge aufnehmen, als das vom hiesigen Markt und den Kunden gewünscht würde», sagt Pfister.

Urs Eberhard, Vizedirektor von Schweiz Tourismus, kämpft mit ähnlichen Problemen wie die Jungfraubahnen. Schweiz Tourismus betreibt gezielt Tourismusmarketing, seit dessen Öffnung auch in China oder in Indien, den Golfstaaten und Russland. Auch dort haben die Visa-Stellen des Bundes die Früchte der Marketingbemühungen teilweise wieder zunichte gemacht, weil das Auswärtige Amt (EDA) wegen Personalmangels in den Botschaften zu wenig Visa ausstellen konnte. «Wir sind wegen des Problems beim Bund vorstellig geworden und sind auf sehr offene Ohren gestossen», sagt Eberhard.

Kein Wunder: Die Marketinggelder von Schweiz Tourismus, die wegen schleppender Visa-Verfahren teilweise zu versickern drohen, kommen vom Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) und damit wiederum vom Bund, der an der Lösung der Visa-Problematik grosses Interesse hat. Immerhin handelt es sich bei den Marketing-Aufwendungen um 50 Millionen Franken in den letzten zwei Jahren und spezielle Impulsprogramme aufgrund der Wirtschafts- und Eurokrise von 24 Millionen. «Die personellen Engpässe in der Visa-Erteilung bei ausgewählten Wachstumsmärkten sind erkannt», sagt Seco-Sprecherin Marie Avet.

Lösung «braucht Zeit»

Gespräche zwischen Schweiz Tourismus, dem EDA und dem Seco haben bereits stattgefunden. Mit für Schweiz Tourismus befriedigendem Ausgang. In China, Indien, Russland und den Golfstaaten habe man das Problem mit Reservationssystemen und Personalaufstockungen und teilweise auch Überstunden in den Griff gekriegt, sagt Eberhard. Doch in Asien ist das Marketing den Visa-Abteilungen noch immer einen Schritt voraus. «Den asiatischen Märkten wie Indonesien oder Thailand werden wir uns nun als Nächstes zuwenden», sagt Eberhard. Doch auch dort wird die Nachfrage wohl über längere Zeit höher bleiben, als die Kapazitäten auf den Botschaften. Es «braucht Zeit» sagt Seco-Sprecherin Avet, «um die notwendigen Kapazitäten aufzubauen».

Gemäss EDA-Sprecher Stefan von Below sollen die Gespräche mit Schweiz Tourismus künftig regelmässig stattfinden, sodass sich Botschaften auf steigende Zahlen bei den Visa-Anträgen frühzeitig einstellen können, wenn ein Markt bearbeitet oder eine neue Flugverbindung in die Schweiz aufgebaut wird. Als Reaktionen auf gestiegene Visa-Nachfrage beabsichtigt das EDA gemäss von Below künftig externe Dienstleister mit dem Terminmanagement zu beauftragen, um die Wartezeiten zu verkürzen. Ausserdem ist die interne Verschiebung von Konsulatspersonal in den Visa-Bereich vorgesehen und die Vertretung durch Botschaften von anderen Schengenstaaten in Metropolen, in denen die Schweiz nicht vertreten ist.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.09.2011, 06:16 Uhr

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92 Kommentare

Dieter C. Kuser

07.09.2011, 09:09 Uhr
Melden 49 Empfehlung

... ist doch immer dasselbe (nicht nur in der CH): Die Privatwirtschaft rennt, der Staat kostet und pennt! Antworten


Marcel Huber

07.09.2011, 10:35 Uhr
Melden 42 Empfehlung

Was soll das?? Da möchten Zahlungskräftige Touristen gerne die Schweiz besuchen und kriegen wegen Visaüberforderung kein Fristgerechtes Visa!!(??). Aber Handkehrum sollten die Botschaften auch noch 10'000 Asylanträge bearbeiten, wo dort locker vorort eingereicht werden können??!! WAS ZUM TEUFEL GEHT EIGENTLICH HIER IN DIESEM LAND AB?? Antworten



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