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US-Notenbankchef pokert um alles oder nichts

Von Philipp Löpfe. Aktualisiert am 17.12.2008 26 Kommentare

Ben Bernanke setzt mit seiner Geldpolitik auf eine Karte. Das riskante Spiel könnte durchaus fatale Folgen haben.

Alles auf rot: Ben Bernanke pokert hoch.

Bloomberg

Die traditionelle Rolle einer Nationalbank ist es, eine Art diskrete Rückversicherung der Geschäftsbanken zu sein, die in Notzeiten einspringt. Sie soll mit einer verlässlichen Geldpolitik für Stabilität auf den Märkten sorgen. Aber wir leben derzeit nicht in normalen Zeiten. Und die wichtigste Notenbank der Welt, das United States Federal Reserve System (kurz Fed) spielt auch nicht mehr ihre traditionelle Rolle: Sie akzeptiert riskante Wertpapiere als Sicherheit für Kredite, sie hat die Leitzinsen praktisch auf null gesenkt. Zudem hat das Fed gar unmissverständlich erklärt, notfalls auch die Notenpresse anzuwerfen und Papiergeld zu drucken, um die eingefrorenen Kreditmärkte wieder aufzutauen. Geld à discrétion zu drucken, das kennt man sonst nur noch von Ländern wie Zimbabwe oder Weissrussland.

Das aggressive Vorgehen des Fed-Präsidenten Ben Bernanke spaltet denn auch die Meinungen. Für die einen tut er das einzig Richtige, um eine Depression wie in den 30er-Jahren zu verhindern. Für die anderen wird er immer mehr zum verantwortungslosen Pokerspieler, der zu viel wagt und damit eine Hyperinflation riskiert.

Nur zu zögerlich reagiert

Die Bernanke-Befürworter veweisen nicht nur auf die Fehler der Dreissigerjahre, sondern auch auf das Japans. Zu Beginn der Neunzigerjahre platzte dort eine riesige Börsen- und Immobilienblase. Die Banken sassen auf Bergen von schlechten Schulden und stellten ihre Kreditvergabe mehr oder weniger ein. Die japanische Notenbank und die Regierung reagierten nur zögerlich auf diese Situation. «Zu wenig und zu spät», wie auch eine Analyse des Fed vor ein paar Jahren ergeben hat.

Das Resultat war ein stetiges Abgleiten der japanischen Wirtschaft. Die Neunzigerjahre gelten in Nippon als «verlorenes Jahrzehnt», weil die Wirtschaft bloss anämisch gewachsen ist. Deflation war ebenfalls ein Zeichen der japanischen Schwäche. Die Preise fielen, obwohl die Nationalbank die Zinsen bis auf null Prozent senkte. Bis heute hat die japanische Wirtschaft nicht mehr so richtig auf den Wachstumspfad zurückgefunden.

Deflation, das ist die Gefahr

Schnell die Zinsen zu senken und praktisch unlimitiert Geld zur Verfügung zu stellen, das ist die Lehre, die Bernanke & Co aus der japanischen Krise gezogen haben und jetzt aggressiv umsetzen. Nicht die Inflation, sondern eine Deflation ist die Gefahr. Das Fed wird bald von der Fiskalpolitik des Staates unterstützt werden. Der angehende Präsident Barack Obama hat ein grosses Konjunkturankurbelungsprogramm angekündigt: «Die traditionelle Munition, um eine Rezession zu bekämpfen, tiefere Zinsen, geht uns aus», hat er am vergangenen Dienstag erklärt. «Es ist wichtig, dass jetzt auch andere Regierungsstellen eingreifen.»

Für Bernankes Kritiker ist das aktuelle Handeln des Fed die Wiederholung eines Alptraums. Mit dem Abbrennen von immer neuen Feuerwerken, sprich spektakulären Leitzinssenkungen, werden die Menschen getäuscht. Die Geldschwemme ist nicht die Lösung des Problems, sondern selbst das Problem. «Die Resultate diese Politik sind miserabel», jammert etwa das «Wallstreet Journal». «Zuerst hat das Fed die Kreditmanie und die Blase auf dem Häusermarkt geschaffen, indem es die Zinsen zu lang zu tief gehalten hat. (…) Jetzt bricht es erneut zu einem geldpolitischen Abenteuer auf und verlangt von der Welt, dass sie diesmal glaubt, es würde funktionieren.»

«Toxischen Abfall aufkaufen»

Nicht zu wenig Geld, sondern zu wenig Vertrauen sei das Problem, argumentieren die Kritiker. Statt die Märkte mit billigem Geld zu überschwemmen, wäre es besser, das Fed würde gezielt Hilfe leisten und «toxischen Abfall» aufkaufen (wie das die Schweizer Nationalbank im Fall der UBS macht) – und nicht die Zinsen, sondern die Steuern senken. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 17.12.2008, 14:16 Uhr

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26 Kommentare

Giovanni Baptista

17.12.2008, 17:27 Uhr
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Ob Fed oder SNB - Geld zum Nulltarif nützt der Wirtschaft schlicht wenig bis gar nicht, wenn die Banken bei ihren wertschöpfenden Kunden (reale Wirtschaft) strengere Bonitätsmassstäbe anlegen als bei den Finanzprodukten im eigenen Vertrieb oder aus eigener Garküche. Wenn KMU Geld brauchen, dann taugen Banken gleichviel wie ein Regenschirmverkäufer in der Sahara. Antworten


Thomas Allmendinger

17.12.2008, 16:49 Uhr
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Mir als interessiertem Laien ist immer noch nicht klar, wie eine Notenbank funktioniert. Wer bekommt dort Kredite, und zu welchen Bedingungen? Soll doch bitte ein Fachmann dies einmal erklären! Was die gegenwärtige bzw. die zu erwartende Krise betrifft, so würde ich meinen, dass die Ursache beim Überfluss liegt, der jetzt zum Überdruss wird. Den Leuten wird allmählich klar, dass ein Auto genügt... Antworten



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