US-Milliardär erschiesst sich nach Ermittlungen der Steuerbehörde

Um 100 Millionen Dollar soll Finn Caspersen den US-Fiskus betrogen haben. Bevor die Steuerbehörde Anklage gegen den Mäzen erheben konnte, tötete sich dieser in seinem Golf-Club. Das Schicksal des Superreichen und prominenten Wohltäters erschüttert Amerika.

Vorbildlicher Bürger oder Steuerbetrüger? US-Milliardär Finn Caspersen brachte sich letzte Woche um.

Vorbildlicher Bürger oder Steuerbetrüger? US-Milliardär Finn Caspersen brachte sich letzte Woche um.

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Finn Caspersen

Finn Caspersen war während 20 Jahren Chef der Konsumenten-Kreditbank Beneficial Corporation, bevor diese 1998 für 8,6 Milliarden Dollar an Household International verkauft wurde. Darauf gründete er die Firma Knickerbocker, die sein Vermögen von etwa 1 Milliarde Dollar verwaltete.

Dollars, exquisite Clubs und teure Pferde waren seine Welt; sein Name ist in Ehrenhallen von US-Elite-Universitäten eingraviert: Finn Caspersen, bekannter Mäzen und Milliardenerbe der amerikanischen Konsumenten-Kreditbank Beneficial Corporation, hat sich letzte Woche erschossen. Seine Leiche wurde mit einer Kugel im Kopf auf dem Shelter Harbor Golf-Club in Rhode Island gefunden. Niemand rechnete damit, dass der 67-Jährige, der an Krebs litt, Selbstmord begehen würde. Was hat den Philanthropen – er spendete Dutzende Millionen für Spitäler und Universitäten – derart verzweifeln lassen?

Es war wohl das Geheimnis, das er mit sich herumtrug: Die US-Steuerbehörde verdächtigte ihn des Steuerbetrugs. Als er sich selbst richtete, bereiteten Steuerdetektive gerade eine Klage gegen ihn vor: Er soll Teile seines Vermögens bei der LGT, der Bank des Fürstenhauses von Liechtenstein, parkiert haben – vorbei am Fiskus. Die Summe, die dem Staat so entging, beläuft sich angeblich auf 100 Millionen Dollar. Gegenüber der «New York Times» sagte eine eingeweihte Person, die nicht genannt werden will, Caspersen drohte sogar eine Gefängnisstrafe. Vielleicht wollte er mit dieser Schande nicht leben.

Fürchtete er sich vor dem 23. September?

Es scheint, als ob Caspersen die Offensive der amerikanischen Regierung gegen Steuerhinterzieher zum Verhängnis geworden ist. Auslandkonten reicher Amerikaner wurden aufgedeckt, die UBS muss zusätzlich zu den bereits 300 Konten mutmasslicher Betrüger weitere 4450 offenlegen. Bereits aufgeflogen ist der UBS-Kunde Igor Olenicoff, der rund 200 Millionen Dollar in der Schweiz versteckte; er wurde zu 52 Millionen Dollar Steuernachzahlungen und einer Busse verurteilt. Vielleicht fürchtete Caspersen auch den 23. September: Bis zu diesem Tag können sich Steuerhinterzieher ohne juristisches Nachspiel bei der US-Steuerbehörde melden.

Caspersen – ein Steuerbetrüger? An seiner Beerdigung in Morristown im Staat New Jersey wurde die Schocknachricht ignoriert. «Er machte so viel Gutes, darum ist sein Tod eine Tragödie», sagte Susan Wachter, eine Freundin des Mäzens. Seine Frau und andere Familienmitglieder zogen es vor zu schweigen. Offenbar hat der Milliardär seinen Tod seit Längerem geplant: Vor dem Selbstmord gab er sein Anwesen zum Verkauf frei und zog sich von seinen Spendetätigkeiten zurück. Von seinen Plänen erzählte er niemandem. «Er war heiter», sagte einer seiner Freunde, der ihn einige Tage vor dem Selbstmord zum letzten Mal gesehen hat. (cha)

Erstellt: 17.09.2009, 09:19 Uhr

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