Trichet warnt die Banken
Von Olivia Kühni. Aktualisiert am 06.10.2011 4 Kommentare
(Bernerzeitung.ch/Newsnet)
-
15:52 Uhr
Zusammenfassung
Die Europäische Zentralbank (EZB) greift angesichts der drohenden Bankenkrise den Finanzinstituten unter die Arme. Sie stellt den Banken Geld mit besonders langer Laufzeit von einem Jahr zur Verfügung und will wieder sogenannte gedeckte Anleihen wie Pfandbriefe kaufen.
Das kündigte der scheidende EZB-Präsident Jean-Claude Trichet am Donnerstag nach einer turnusmässigen Ratssitzung an, die dieses Mal in Berlin stattfand. Das Volumen der Ankäufe bezifferte Trichet auf 40 Milliarden Euro. Damit reaktiviert die EZB Instrumente aus der Zeit der Finanzkrise. Mit den Massnahmen sollen Liquiditätsengpässe im Finanzsektor vermieden werden.
Banken sollen sich in Bescheidenheit üben
Angesichts der Milliarden-Engagements der Geschäftsbanken in Staatspapieren europäischer Krisenländer ist das Misstrauen der Banken untereinander gewachsen. Das zeigen die grossen Summen, die die Finanzinstitute derzeit bei der EZB hinterlegen, anstatt das Geld für höhere Zinsen an eine andere Bank zu leihen.
Trichet forderte die Banken auf, ihre Bilanzen und ihre Eigenkapitalbasis zu stärken – indem sie bei den Gehältern zurückhaltend seien und keine Gewinne ausschütteten. Falls nötig, sollten die Institute auf Regierungsmassnahmen zurückgreifen. «Die Situation auf dem Bankensektor erfordert besondere Aufmerksamkeit», sagte Trichet. (sda) -
15:47 Uhr
Die Medienkonferenz ist beendet.
Abgang Trichet – das war sein letzter Medienauftritt als EZB-Präsident. -
15:40 Uhr
Die Diskussion dreht sich ständig im Kreis:
Die Journalisten fragen, ob das ausreiche, was die EZB tue. Und Trichet – wie ein Fels in der Brandung – antwortet Mal für Mal: «Wir müssen Preisstabilität gewährleisten. Das haben wir getan. Wir können nicht die Verantwortung anderer Stellen übernehmen.»
Trichet wiederholt ständig den Auftrag zur Preisstabilität, die Journalisten die Worte Griechenland, EFSF, Staatsanleihen. Und Trichet antwortet: «Für die Wiederherstellung der Finanzstabilität sind die Regierungen zuständig.» -
15:36 Uhr
Frage aus Irland: Man habe den Eindruck, dass die Griechen ihr Geld ohne Ergebnisse bekomme. Birgt das nicht die Gefahr der Ansteckung? Und: War die EZB nicht zu streng mit Irland?
Trichet sagt schon wieder: Alle Entscheidungen müssten umgesetzt werden. Bezüglich Irland sei es so, dass die EZB und auch andere Institutionen «sehr entgegenkommend» gewesen seien. Irland habe jedoch auch sehr gute Arbeit geleistet. -
15:26 Uhr
Trichet erklärt seine Zurückhaltung in der Euro-Krise
Erneut gibt Trichet die Botschaft: Zentralbank und Politik, das sind zwei Dinge. Euro und Euro-Staaten, das sind zwei Dinge. «Verwechseln Sie nicht die Stabilität des Euro-Raums mit der Stabilität der Währung», sagt er.
Der Euro sei eine stabile Währung, eine «werthaltige» Währung. Das Problem liege auf der politischen Ebene, bei der «Governance». Er habe bereits vor acht Jahren davor gewarnt, den Stabilitätspakt zu brechen.
Es sei nicht so, dass die EZB die Lage nie gesehen habe. Sie habe immer glasklar gewarnt und immer den Ernst der Lage gesehen. Aber ihre Aufgabe sei die Wahrung der Preisstabilität. «Wir sind verpflichtet, unsere Sicht an die anderen Verantwortlichen zu vermitteln. Wir können und wollen nicht an die Stelle anderer Institutionen treten.»
(Es ist diese Sicht, für die Trichet regelmässig kritisiert wird: Die Zentralbank ist aus seiner Sicht nicht verantwortlich für die Verschuldung der Staaten oder für den Abbau dieser Schulden.) -
15:20 Uhr
Frage: Wie viel Kapital brauchen die europäischen Banken?
Die EZB habe keinen konkreten Betrag berechnet, den die Banken bräuchten, sagt Trichet. Wichtig sei, dass jede Finanzinstitution die Glaubwürdigkeit ihrer Umgebung habe. Jeder Fall müsse einzeln betrachtet werden. Und «es muss getan werden, was notwendig ist». Es gebe jetzt Hilfsstützen, falls der private Kreditmarkt nicht gut funktioniere.
«Wir haben heute nachdrücklich an die Banken, an alle Verantwortlichen appelliert, und das ist glasklar.» -
15:17 Uhr
Der deutsch-französische Konflikt blitzt auf:
Ein Journalist stellt unüblicherweise auf Französisch die Frage, wann der Präsident der deutschen Bundesbank Jens Weidmann nicht mehr ruhig schlafen könne, wenn er die Aktualität nicht als schlimme Krise empfinde? Weidmann hatte Trichet für den Aufkauf von Staatsanleihen kritisiert. Dies sei ein Instrument, das nur im äussersten Notfall ergriffen werden dürfe.
Trichet fängt den Konflikt auf und antwortet gleich selber. Die EZB-Spitze habe mehrmals betont, dass die aktuelle Schuldenkrise die schlimmste seit dem Zweiten Weltkrieg sei. Darum habe man die Massnahmen ergriffen und halte sie auch für richtig. -
15:15 Uhr
Trichet platziert eine subtile Rüge an die Regierungen:
«Wir gehen von der Hypothese auf, dass die Staats- und Regierungschefs tatsächlich umsetzen, was sie am 21. Juli unterschrieben haben. Sonst könnten wir gar nicht arbeiten.» Damals haben die Regierungschefs die neuen Bedingungen des EFSF unterschrieben.
Ausserdem laufe das Programm, dass die EZB Staatsanleihen aufkaufe, weiter. Aber er dürfe «noch einmal hinzufügen», dass es wichtig sei, dass die Regierungen alles tun, um zu beweisen, dass sie sich wirklich für die Stabilität einsetzen. «Die EZB kann nicht die Verantwortung von anderen übernehmen.» -
15:10 Uhr
Jetzt wird es spannend: Soll sich die EZB verpflichten, Staatsanleihen verschuldeter Staaten aufzukaufen?
-
15:05 Uhr
Frage: Ob die EZB nicht vorhabe, ihre Protokolle öffentlich zu machen?
Trichets langer Rede kurzer Sinn: Nein.
Es gibt tatsächlich wichtigere Fragen im Moment. -
15:01 Uhr
Trichet erklärt den Zinsentscheid
Ausserdem, sagt er nach einer weiteren Zwischenfrage, gebe es zwei Möglichkeiten des Eingriffs. Standardmassnahmen, also Zinsen, sowie Nicht-Standardmassnahmen, wie Refinanzierungsprogramme für die Banken.
Die Zinsen habe man belassen, weil man glaubwürdig sein wolle, um die Preisstabilität zu gewährleisten, auch für die nächsten zehn Jahre. «Wir waren ganz besonders daran interessiert, die Nicht-Standardmassnahmen zu beschliessen.»
Trichet präsentiert sich mit dieser Aussage erneut als der strenge Hüter der Preisstabilität, als der er bekannt ist. -
15:01 Uhr
Die Fragerunde beginnt.
Erste Frage – erwartbar –: Ob die Senkung des Leitzinses nicht mehr zum Repertoire gehöre? Und ob alle im Rat einverstanden gewesen seien, diese aufzuschieben?
«Wir hatten einen Konsens für diese Entscheidung», sagt Trichet. -
14:59 Uhr
Dank an die Medien
Er erinnere sich noch an seine erste Medienkonferenz vor acht Jahren, sagt Trichet. Er möchte noch sagen, dass es ihm eine grosse Freude war, diesen Dialog mit den Medien zu führen. Man habe die Situation in all dieser Zeit gemeinsam analysiert.
Seit einigen Jahren gebe es unruhige Gewässer, Stürme und Orkane. Da sei transparente Kommunikation wichtiger denn je. Die Kanäle, für die die Medien verantwortlich seien, seien für die Bürger Europas wesentlich.
Vor acht Jahren sei die Medienkonferenz direkt nach der Sitzung des EZB-Rats eine mutige Erneuerung gewesen, inzwischen ein Standard. Dafür möchte er sich bedanken. -
14:56 Uhr
«Bescheidenheit ist notwendig»
Sowohl bezüglich Gewinnmargen als auch bezüglich Gehältern müsse Zurückhaltung geübt werden, sagt Trichet. -
14:55 Uhr
Ein Mahnfinger für die Regierungen
fordert «alle Regierungen auf, umfassende und weitgehende Strukturreformen durchzuführen». Vor allem Arbeitsmarktreformen seien der Schlüssel. -
14:52 Uhr
Trichet warnt die Banken
Der EZB-Rat appelliere «dringend» an die Banken, sagt Trichet: Sie müssten ihre Bilanzen stabilisieren, Gewinne zurückhalten und bei der Gehaltspolitik zurückhaltend sein.
Mit anderen Worten: Die Banken müssen zu ihrer Liquidität Sorge tragen. Diese Aussagen von Trichet bekräftigen die Befürchtungen, dass Europas Banken sich gegenseitig austrocknen könnten. -
14:47 Uhr
Trichet präsentiert die Wirtschaftsaussichten
Auch die EZB sieht Wolken über Europa aufziehen: Die Aussichten zeigten nach unten, vor allem wegen der Spannungen in einigen Finanzmärkten des Euro-Raums sowie der Gefahr, dass diese auf die Realwirtschaft übergreifen könnten. Ausserdem wirkten die hohen Energiepreise dämpfend. -
14:43 Uhr
EZB stützt die Banken
Der Rat habe zwei Refinanzierungsaktionen für die Banken beschlossen, sagt Trichet.- Er offeriert den Banken neue Kredite mit Laufzeit von 12 Monaten im Oktober sowie von 13 Monaten im Dezember.
- Ausserdem biete die EZB den Banken an, ab November 2011 mit Sicherheiten gestützte Papiere von ihnen aufzukaufen.
Es sind genau die Aktionen, die Analysten erwartet hatten. -
14:41 Uhr
Trichet spricht.
Er kommentiert kurz den Zinsentscheid: Die Inflation sei auf 3 Prozent gestiegen, gleichzeitig gebe es grosse «Wachstumsrisiken» in der nächsten Zeit. -
14:36 Uhr
Weidmann beginnt mit seiner Rede.
Der Präsident der deutschen Bundesbank Jens Weidmann, hält zunächst eine Eröffnungsrede.
Er bedankt sich bei Trichet für seinen Einsatz während der letzten acht Jahre. Er habe «ruhig» gehandelt, sich deutlich und doch mit französischer Eleganz ausgedrückt.
Weidmann gewährt Trichet Anerkennung für seine Leistungen. «Die letzten Jahre waren sehr schwierig», sagt Weidmann weiter. Trichet habe diese gut gemeistert. «Man könnte mit Recht darauf hinweisen, dass wir für 332 Millionen Menschen Preisstabilität gewährleistet haben, das ist zu einem grossen Teil auf Ihre Bemühungen zurückzuführen.»
Trichet bedankt sich für die «berührenden Worte».
-
14:35 Uhr
Trichet betritt den Raum. Er lächelt. «C'est magnifique», sagt er, fantastisch. Trichet scheint den letzten Auftritt als EZB-Präsident zu geniessen.
-
14:30 Uhr
Es geht los. Die Fotografen und Kameraleute warten hinter dem Eingang des Saals, um Trichet bei seiner Ankunft aufzunehmen. Die Medienkonferenz findet ausnahmsweise in Berlin statt, wohin die EZB-Spitze ihren Auftritt verlegt hat. Die Zentralbank ist regelmässig zu Gast bei unterschiedlichen nationalen Zentralbanken.
-
14:20 Uhr
Die Erwartungen
Der Hilferuf der Bank Dexia (siehe unten) und die Angst vor einer erneuten Bankenkrise prägen die heutige Sitzung der EZB.
Es wird erwartet, dass Trichet eine Unterstützung für die Banken ankündigt. Die EZB dürfte laufende Kredite für die Banken verlängern und ihnen ausserdem anbieten, dass die Zentralbank mit Hypotheken oder anderen Sicherheiten gedeckte Papiere von ihnen aufkauft. So soll verhindert werden, dass bei den Instituten Panik ausbricht.
Möglich ist, dass sich Trichet ausserdem in weiterem Sinne zur Euro-Schuldenkrise äussert. So etwa zum Aufkauf von Staatsanleihen, für den er in den vergangenen Monaten von deutscher Seite heftig kritisiert worden ist. Oder auch zu der wiederholten Forderung, die EZB müsse sich stärker engagieren – etwa, in dem sie für den Euro-Stabilitätsfonds haftet. Dies wird vor allem von französischer Seite gefordert.
Trichet hat stets betont, die Lösung der Schuldenkrise sei Sache der Politiker, nicht der Zentralbank.
Eine vertiefte Analyse zur aktuellen Lage finden Sie hier. -
14:20 Uhr
Trichets letzter Auftritt
Ende des Monats gibt der EZB-Präsident an Mario Draghi ab. Trichets letzte Jahre waren geprägt von heftigen Debatten mit Politikern.
-
14:15 Uhr
Der Zinsentscheid
Bereits um 13.45 Uhr hat die EZB die Meldung veröffentlicht, dass sie den Leitzins auf 1,5 Prozent belässt. Das war von den Analysten mehrheitlich erwartet worden. Allerdings rechnen sie damit, dass Trichet eine mögliche Senkung im November oder Dezember ankündigt – diese würde dann allerdings bereits unter seinem Nachfolger Draghi erfolgen. -
14:10 Uhr
Die Ausgangslage
Die Märkte warten gespannt auf den Auftritt von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet, der um 14.30 Uhr beginnen soll.
Der Grund für die Anspannung: Am Montag gab die französisch-belgische Bank Dexia bekannt, dass sie Staatshilfe benötigt. Dexia hat griechische und italienische Staatsanleihen in grossem Umfang in ihrer Bilanz und erhält deswegen nur noch zu horrenden Preisen Geld im Kapitalmarkt.
Genau das ist seit Monaten die grosse Sorge der Ökonomen – dass die Banken einander kein Geld mehr verleihen, weil sie sich gegenseitig nicht mehr trauen. Auf diese Weise würde die Schuldenkrise der Euro-Staaten auf die Banken und letztlich auf die Realwirtschaft übergreifen, weil auch Unternehmen kaum mehr an Kredite kämen. Das ist 2008 nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers passiert.
Erstellt: 06.10.2011, 14:12 Uhr
Kommentar schreiben
Verbleibende Anzahl Zeichen:
4 Kommentare
Falls Bonuszahlungen kommen, welche durch die erneute Hilfe ausbezahlt werden, dann wird's spannend für für die Banker ! Ich glaube, dann rastet das Volk wirklich aus und die Gnade ist endgültig vorbei bei den Bankern. Man könnte auch sagen, dass das Volk dann die Burnout-Strategie anwenden wird.
Fazit: Erst wenn die Ebbe kommt, sieht man, wer nackt schwimmt.
Antworten
Wirtschaft
- 20:38Novartis-Präsident Vasella kritisiert die Einwanderungspolitik
- 16:29Swisscom-Chef: «Den Meisten sind Roaming-Gebühren egal»
- 13:17So günstig zum Eigenheim wie nie
- 26.05.2012Bund prüft Abschottung des Schweizer Kapitalmarkts
- 26.05.2012Das sind die demokratischsten Firmen der Schweiz
- 26.05.2012UBS verliert bis zu 30 Millionen Dollar bei Facebook-Börsengang
Live @ Sunset
11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!
Remund führend in Werbetechnik
Kein Wunsch zu aufwendig, kein Format zu gross - Remund Werbetechnik löst jede Aufgabe mit modernster Technik.
Online-Wettbewerb
Jetzt mitmachen!: Gewinnen Sie einen Abend als Statist bei den Tellspielen Interlaken!

Bitte warten

