Tiefere Zinsen nützen den Mietern nichts – noch nichts
Von Bruno Schletti. Aktualisiert am 18.08.2011 26 Kommentare
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Die Interventionen der Nationalbank zur Schwächung des Frankens drücken auch die Zinsen. Doch jene für Mietwohnungen bewegen sich kaum – jedenfalls nicht nach unten. Der für die Mietzinsen relevante Referenzzinssatz verharrt seit dem 2. Dezember 2010 bei 2,75 Prozent. Und wenig deutet darauf hin, dass sich daran in Kürze etwas ändern könnte.
Ansgar Gmür, Direktor des Hauseigentümerverbandes Schweiz, ist anderer Meinung: «Ich denke, dass es zu einer Senkung des Referenzzinssatzes kommt.» Am 1. September wird das Bundesamt für Wohnungswesen das Geheimnis lüften. Vierteljährlich gibt das Amt den jeweils neu gültigen Referenzzinssatz bekannt. Dieser stützt sich auf den volumengewichteten Durchschnittssatz aller inländischen Hypothekarforderungen, der viermal im Jahr erhoben wird.
Gmür weist darauf hin, dass man schon bei der letzten Runde nur knapp an einer Senkung des Referenzzinses vorbeigeschrammt sei. Seither sei es zu vielen neuen Vertragsabschlüssen mit tieferen Zinskonditionen gekommen.
Run auf lange Laufzeiten
In der Tat lag der am Stichtag 31. März erhobene Durchschnittszinssatz bei 2,54 Prozent. Rein mathematisch hätte der Referenzzins schon damals auf 2,5 gerundet und damit gesenkt werden müssen. Das System sieht aber eine andere Methode vor. Der Referenzzinssatz wird jeweils nur dann verändert, wenn sich der Durchschnittszinssatz um mindestens 25 Prozentpunkte verschoben hat. Das wird erst dann wieder der Fall sein, wenn der Durchschnittszinssatz bei 2,43 Prozent oder darunter zu liegen kommt – dies deshalb, weil beim erstmaligen Festlegen des Referenzzinses im Jahr 2008 ein Durchschnittszins von 3,43 Prozent ermittelt und auf 3,5 Prozent aufgerundet worden ist.
Lorenz Heim, Geschäftsleiter des VZ-Hypothekenzentrums, widerspricht Gmür nicht grundsätzlich. Dennoch bezweifelt er, dass im September eine Senkung des Referenzzinssatzes zu erwarten ist. Trotz neuer Vertragsabschlüsse würden viele Hypothekarnehmer ähnlich hohe Zinsen wie zuvor zahlen – dies deshalb, weil sie die Laufzeiten verlängert hätten. Viele Kreditnehmer nutzen nämlich die Gunst der Stunde mit den historisch tiefen Zinsen und schliessen Festhypotheken mit Laufzeiten über fünf oder mehr Jahre ab.
Da der Markt gemäss Heim mit höheren Zinsen in zwei, drei Jahren rechnet, sind die Konditionen für lange Laufzeiten etwas schlechter als jene für kurze. Der Run auf Festhypotheken mit langen Laufzeiten bewirkt damit, dass der Durchschnitt der Hypothekarzinsen weniger stark sinkt als andere Zinskurven. Und damit dürften die Voraussetzungen nach wie vor nicht erfüllt sein, dass der Referenzzinssatz und damit die Mieten sinken.
Senkung allenfalls im März
Auch im Bundesamt für Wohnungswesen gibt man sich skeptisch bezüglich einer kurz bevorstehenden Senkung des Referenzzinssatzes. «Wenig wahrscheinlich», sagt Cipriano Alvarez, Leiter des Bereichs Recht. Er weist darauf hin, dass die jüngste Bewegung der Zinsen – nach den Interventionen der Nationalbank – noch gar nicht in die aktuelle Festlegung des Referenzzinssatzes eingeflossen ist. Zwar wird der neu geltende Referenzzins am 1. September kommuniziert. Der Stichtag für die Erhebung der zugrunde liegenden Daten war aber der 30. Juni. Wenn überhaupt, rechnet Alvarez erst zu einem späteren Zeitpunkt mit einer Senkung des Referenzzinses. Am wahrscheinlichsten sei der 1. März 2012.
Die Finanzspritzen der Nationalbank zur Schwächung des Frankens erhöhen zwar den Druck auf die Zinsen, auch auf jene für Hypotheken. Nach Lorenz Heim sind solche Zinstaucher aber selten von Dauer. Investoren würden sich zweimal überlegen, ob sie ihr Geld bei Tiefstzinsen über zehn Jahre binden wollten. Deshalb folge auf solche Zinseinbrüche meist eine Korrektur. Im September 2010 sei diese in einer vergleichbaren Situation nach wenigen Tagen erfolgt.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 18.08.2011, 06:09 Uhr
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