Wirtschaft

Shoppen zum aktuellen Dollarkurs und ohne versteckte Gebühren

Eine neue Generation von Onlineshops öffnet ihre virtuellen Türen den Schweizer Kunden. Die Shops bieten Inklusivpreise an.

Die Qual der Wahl: Mode aus Amerika ist jetzt online in der Schweiz erhältlich.

Die Qual der Wahl: Mode aus Amerika ist jetzt online in der Schweiz erhältlich.
Bild: Keystone

Das Angebot ist neu und verspricht «schmerzfreies Onlineshopping»: Der amerikanische Kleiderkonzern Gap betreibt seit neustem einen Onlineshop für die Schweiz. Das betrifft nicht nur die Marke, die dem Konzern seinen Namen gibt, sondern auch Banana Republic, Old Navy und die Schuhmarke Piperlime. Das Besondere daran: Bei Gap shoppen Schweizer in Franken, zum aktuellen Dollarkurs und ohne versteckte Gebühren.

Wer schon einmal im Ausland via Internet eingekauft hat, weiss, worum es geht. Bei den meisten Bestellungen fallen zusätzliche, oft unerwartete Kosten an, wenn die Waren den Schweizer Zoll überqueren. Zum einen verlangt der Staat Mehrwertsteuer und allenfalls einen Gewichtszoll. Zum anderen verrechnet die Zulieferfirma zwischen 20 und 50 Franken für die Verzollung des Pakets. Diese Kosten tauchen im Onlineshop nirgends auf; der Kunde wird allenfalls im Kleingedruckten davor gewarnt, dass Zölle und Steuern im Preis nicht inbegriffen seien.

Drittfirma übernimmt Risiken

Bei Gap ist das anders. Der Onlineshop garantiert, dass zusätzlich zum Rechnungstotal keine anderen Gebühren erhoben werden (siehe Tabelle). Im Rechnungstotal werden neben dem Preis für die Jeans (63.60 Franken) die Versandkosten (65.90 Franken) sowie Mehrwertsteuer und Zölle (7.30 Franken) ausgewiesen. Mit Total 136.70 Franken für ein paar Hosen ist das zwar nicht mehr billig, aber immerhin transparent. Grundsätzlich gilt für alle Bestellungen: je grösser die Bestellung, desto tiefer die anteilsmässigen Versandkosten.

Gap ist nicht die einzige amerikanische Firma, die Onlinekunden im Ausland mit Inklusivpreisen entgegenkommt. Auch das Kaufhaus Saks Fifth Avenue, die Jeansmarke True Religion, die Onlinedrogerie Drugstore.com oder das Kleiderlabel Anthropologie verkaufen ihre Waren neuerdings in der Schweiz und mit diesen Konditionen. Hinter sämtlichen Shops steckt die gleiche Firma: der E-Commerce-Dienstleister Fifty-One aus New York. Er übernimmt sämtliche Risiken, die ganze Bezahlung und den Versand der Güter für die Händler. Diese müssen das Paket bloss an das Versandzentrum in New Jersey schicken. Den Rest erledigt die Firma – inklusive der Retouren. Dank des grossen Volumens kann Fifty-One mit den Spediteuren spezielle Verträge aushandeln, mit denen keine nachträglichen Gebühren mehr anfallen.

Spendierfreudige Schweizer Online-Kunden

Insgesamt 27 Firmen – einige davon mit mehreren Marken – betreiben derzeit via Fifty-One einen Shop für die Schweiz. Demnächst kommen zwei grosse Fische dazu: Zwei amerikanische Warenhäuser mit Kultstatus – Bloomingdale’s und Macy’s – haben bereits unterschrieben. Ob sie auch die Schweiz beliefern werden, ist allerdings noch unklar. Die Schweiz ist trotz des relativ kleinen Marktes aber nicht zu unterschätzen: «Die Schweiz gehört zu den 20 wichtigsten Ländern für uns», sagt Firmensprecher John F. Lynch. «Die Zahl der Käufer steigt im Schnitt um 10 Prozent pro Monat – eine beeindruckende Zahl.» Und wer in einem der Fifty-One-Shops einkauft, greift kräftig zu: «Im Schnitt geben die Schweizer Konsumenten über 300 Dollar pro Bestellung aus», so Lynch.

Unter dem Strich fährt der Kunde beim Versand mit Fifty-One zwar nicht günstiger, aber so günstig wie möglich, wie Stichproben des TA zeigen. Bei der Hose von Gap etwa sind die Versandkosten 20 bis 30 Franken höher als bei einem vergleichbaren amerikanischen Onlineshop ohne «Schmerzfrei»-Garantie. Inklusive der vom Lieferdienst nachträglich erhobenen Gebühr kostet der Versand damit gleich viel, wie wenn die Post das Paket in der Schweiz gebracht hätte. Sie verrechnet 20 Franken – mit Abstand die tiefsten Gebühren. Private Spediteure verlangen 40 Franken und mehr. Den Schweizer Spediteur kann sich der Kunde allerdings nicht aussuchen. Meist weiss er im Voraus nicht einmal, wer es sein wird.

Teure Hochzeitskleider

Nicht alle Läden, die mit Fifty-One nach Europa kommen, eröffnen aber auch einen Shop in der Schweiz. Dazu zählen etwa das Luxus-Warenhaus Nordstrom oder David’s Bridal, ein Onlinehändler für Brautmode. Dabei wären gerade Hochzeitskleider für die Schweiz attraktiv: Im Gegensatz zur Schweiz, wo ein Kleid sofort über tausend Franken kostet, wird man in den USA bereits ab einigen Hundert Franken fündig.

Das Angebot von Fifty-One ist nur ein Grund, wieso Onlineshops derzeit wie Pilze aus dem Boden schiessen. Marken, die sich dem Internet lange Zeit verwehrt haben, springen jetzt noch auf den Zug auf. Ein Auslöser dafür ist die Rezession, die in vielen Läden zu Umsatzrückgängen geführt hat. Der Onlinehandel hingegen wächst. Die Schweizer Modefirmen Schild und Vögele verkaufen neuerdings online, und die britischen Ketten Topshop und Asos liefern seit einigen Monaten auch in die Schweiz. H & M hat gerade in mehreren europäischen Ländern ein virtuelles Geschäft eröffnet, Zara tut das im September – beide allerdings (noch) nicht in der Schweiz.

Luxusgüter über Internet besser zu verkaufen

Auch immer mehr Luxusmarken schütteln ihre Aversion gegen das Internet ab und verkaufen online. Marc Jacobs etwa geht ebenfalls ab September online in Verkauf. Die Frühlingskollektion von Burberry Prorsum, die am 21. September präsentiert wird, soll es gleichentags im Internet zu kaufen geben. Allerdings mit Lieferfrist. «Die Wahrnehmung des Internets als Discount-Kanal hat diese Marken lange Zeit abgestossen», sagt Sucharita Mulpuru von der Marktforschungsfirma Forrester. «Sie waren überzeugt, dass man den Wert der Marke im Internet nicht rüberbringen kann.» Das hat sich geändert.

Der Richtungswechsel der Luxuslabels ist angesichts der jüngsten Zahlen kein Wunder: Der weltweite Umsatz mit Luxusgütern sank 2009 um 8 Prozent. Onlineverkäufe der gleichen Produkte sollen laut einer Studie der Beratungsfirma Bain & Company hingegen 20 Prozent wachsen – wenn auch auf tiefem Niveau. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.09.2010, 06:39 Uhr

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6 Kommentare

André Perret

07.09.2010, 05:06 Uhr
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Schon gut, kauft nur übers Internet. Aber ärgert Euch nicht mit mehr LKWs auf der Strasse; denn all diese Lieferungen kommen per Camion (UPS, FedEx, DHL etc) : Gestern in New Jersey, Flug nach Europa, morgen bei Ihnen im Haus, just-in-time! Und was, wenn die Grösse nicht passt oder die Farbe nicht stimmt? P/S/M/L/XL sind nicht immer gleich. Ihre Rückversandskosten werden deutlich höher sein. Antworten


Gion Saram

06.09.2010, 19:19 Uhr
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@Ch. Schenk, Die Mwst. ist wie es der Name schon sagt eine MEHRWERTsteuer. Ihre GAP Kleider sind ihnen nach der Reise über den Atlantik mehr wert, weil sich die Klamotten ja nicht mehr unerreichbar weit weg in den USA befinden sondern bei ihnen im Schrank und genau diesen Mehrwert schöpft diese Steuer ab. Das gilt ebenso für Bananen aus Ecuador oder Wein aus Südafrika. Antworten


Christian Schenk

06.09.2010, 18:13 Uhr
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Eine Frechheit bei der Bestimmung des Warenwertes finde ich dass die Portokosten zum Warenwert gezählt werden! Man zahlt also Mehrwertsteuer auch für die Versandkosten, für die der Empfänger wenig kann weil er nicht zwischen Spediteuren wählen kann. Das sollte mal einer dieser Zoll-Heinis erklären, warum der Versand denn eine Ware ist, der grösste Teil dieser "Ware" fällt zudem im Ausland an! Antworten


Fritz Reiter

06.09.2010, 13:17 Uhr
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Die pauschalen Zollabwicklungsgebühren die viele private Speditionen dem Empfänger nachträglich (mit einer Rechnung per Post die oft Wochen später kommt) in Rechnung stellt, sind meiner Meinung nach ungesetzlich, da es dafür keine vertragliche Grundlage zwischen dem Empfänger und dem Spediteur gibt. Antworten


Peter Hoffmann

06.09.2010, 11:55 Uhr
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Wer bei Gap Kleidung kauft sollte doch mal kurz bei google +Gap +kinderarbeit eingeben. Antworten


Heiner Lanz

06.09.2010, 08:14 Uhr
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Gut so. Jetzt muss nur noch der Bund endllich die Freigrenze (heute lächerliche 300 CHF / Person) mindestens verdoppeln und die Abwicklungsgebühren senken. Antworten



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