Wirtschaft
Selbst der Herr des Geldes hat an der Börse geblutet
Von Markus Diem Meier. Aktualisiert am 30.07.2009
Trotz Verlusten: Fed Chef Ben Bernanke hat besser als der Gesamtmarkt abgeschnitten. (Bild: Keystone)
Auf keinem Mann haben seit Beginn der aktuellen Weltwirtschaftskrise mehr Hoffnungen geruht als auf Ben Bernanke. Keiner hat mehr Macht über das US-Finanzsystem als der von der Regierung unabhängige Chef der US-Notenbank Federal Reserve (Fed). Auch auf den Verlauf der Börsen hat er mehr Einfluss als jeder andere. Seit Krisenbeginn hat Bernanke die Zinsen praktisch auf Null gesenkt und die Banken mit Millardenspritzen am Leben erhalten
Doch ihn selbst hat das nicht davor bewahrt, selber Opfer des Börsensturzes zu werden. Laut dem Federal Reserve haben die Anlagen des Chefs im vergangenen Jahr einen Viertel an Wert verloren. Die Verlautbarung des Fed beziffert Bernankes Vermögen laut US-Medien per Ende 2008 auf einen Wert von bis zu 1,9 Millionen Dollar. Die Zahlen für Ende 2007 zeigen einen Vermögenswert von bis zu 2,5 Millionen Dollar. Immerhin kam Bernanke damit besser weg als der gesamte US-Aktienmarkt. Gemessen am S&P500-Index verlor dieser 2008 fast einen Drittel an Wert.
Wenig Risiken im Portfolio
Bernanke geht beim Anlegen offenbar keine grossen Risiken ein. Sie bestehen zur Hauptsache aus Pensionsplänen, Fonds und Sparkonten. Aktien oder Obligationen einzelner Unternehmen hält er keine. In Titel von einzelnen Banken oder in Fonds, die sich aus solchen zusammensetzen, darf der Fed-Chef wegen seiner Macht über die Branche nicht investieren.
Immerhin kommt Bernanke in den Genuss einer Lohnerhöhung als Fed-Chef: Von 191'300 Dollar im letzten Jahr steigt sein Einkommen im laufenden auf 196'700 Dollar. Im Vergleich zu den mächtigen Bankbossen mit ihren Millionengehältern erscheint er damit allerdings beinahe als armer Mann. Doch deren berufliches Überleben hing noch im letzten Jahr wie nie zuvor von den Entscheiden des weit schlechter bezahlten Bernanke ab.
Bis zu einer Million aus Lehrbüchern
Zu diesem offiziellen Einkommen gesellen sich allerdings noch Einnahmen von bis zu einer Million aus den Verkäufen seiner Lehrbücher – Bernanke war vor seiner Tätigkeit beim Fed als führender Ökonomieprofessor bekannt. Seine Tätigkeit haben ihm hier immerhin zu deutlich steigendem Einkommen verholfen, die Bucherlöse beliefen sich ein Jahr zuvor auf höchstens 100'000 Dollar.
Im nächsten Jahr läuft die Amtszeit des noch von der Bush-Admistration eingesetzten Notenbankchefs ab. Bis dann wird deutlich, wie viel Erfolg Bernanke dabei hatte, die US-Wirtschaft – und in deren Schlepptau die Weltwirtschaft – durch die Krise zu navigieren. Sollte er nicht wiedergewählt werden, wird er zumindest finanziell nicht darunter leiden müssen. Mit seiner Erfahrung wird er für die Finanzbranche Gold wert sein. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 30.07.2009, 17:03 Uhr







