Wirtschaft
Schweizer Wirtschaft schrumpfte so stark wie nie seit 1975
Aktualisiert am 26.08.2010 17 Kommentare
Bruttoinlandprodukt Schweiz 1991-2009
Bruttoinlandprodukt Schweiz 1991-2009
Veränderung in %
Quelle: BfS
Traf es besonders hart: Schweizer Industrie. (Bild: Keystone )
Das BIP
Das Bruttoinlandprodukt (BIP) ist die wichtigste Kennzahl zur Beurteilung der Wirtschaftskraft eines Landes. Es gibt Auskunft über den Wert aller Waren und Dienstleistungen, die von Unternehmen und Staat in einem bestimmten Zeitraum - meist in einem Jahr - produziert werden.
Die Veränderung des BIP (englisch: Gross Domestic Product, GDP) zeigt das Wachstum einer Volkswirtschaft an. Wird das BIP zu laufenden Preisen bewertet, spricht man vom nominalen BIP. Wird es um die Teuerung bereinigt (mit Hilfe des BIP-Deflators), spricht man vom realen BIP.
Obschon das reale BIP der wichtigste Gradmesser ist, kann es nur bedingt herangezogen werden, um Wohlstand und Lebensqualität eines Landes zu beurteilen. Denn ökologische und soziale Faktoren - beispielsweise Umweltschäden oder unbezahlte Arbeit - werden darin nicht berücksichtigt.
Weiter gefasst ist das Bruttonationaleinkommen (englisch: Gross National Income, GNI), früher als Bruttosozialprodukt bekannt. Es umfasst alle von inländischen Produktionsfaktoren (Arbeit und Kapital) erbrachten Waren und Dienstleistungen. Es berücksichtigt auch Kapital- und Arbeitseinkommen im Ausland, beispielsweise die Löhne von Schweizer Grenzgängern.
Die aus Schweizer Sicht sehr wichtigen grenzüberschreitenden Kapitalflüsse sind nur schwierig zu schätzen. Aus diesem Grund trat die Bedeutung des Bruttonationaleinkommens zur Beurteilung der Wirtschaftskraft in den Hintergrund. Die Ökonomen bevorzugen das statistisch einfacher zu erfassende BIP.
Artikel zum Thema
Das Bruttoinlandprodukt (BIP) sank real um 1,9 Prozent. Nur weil kräftig konsumiert wurde, ging das BIP nicht noch stärker zurück. Die Schweizer Wirtschaft ist deutlicher geschrumpft als gedacht: Bislang rechnete das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) mit einem Rückgang um real 1,5 Prozent. Zu laufenden Preisen, also nominal, sank das BIP im vergangenen Jahr um 1,6 Prozent, wie das Bundesamt für Statistik (BFS) am Donnerstag weiter mitteilte.
2008 war das BIP real noch um 1,9 Prozent gewachsen. In den letzten dreissig Jahren hat es nur viermal abgenommen, jedoch weniger stark. Einen noch grösseren Rückgang als im letzten Jahr hatte es letztmals 1975 gegeben (–6,7 Prozent).
Aussenhandel darbt
Besonders die Exportwirtschaft kam 2009 ins Trudeln: Die Schweizer Unternehmen verkauften 8,7 Prozent weniger im Ausland als im Jahr zuvor, die Importe verringerten sich um 5,4 Prozent.
Wie bedeutend das Ausland für die Schweizer Industrie ist, verdeutlicht die Maschinen-, Elektro- und Metallbranche: Sie verkauft rund 80 Prozent ihrer Güter ausserhalb der Landesgrenzen.
Neben der Industrie spürte auch der Handel (ohne Detailhandel) den Effekt der weltweiten Rezession. Die Banken wiederum litten unter der Finanzkrise, während sich das Wachstum der Versicherungen verlangsamte aufgrund höherer Schadensaufwendungen und tieferen Erträgen aus Anlagen.
Lockerer Geldbeutel
Besser lief es hingegen im Bausektor, der namentlich vom intensiven Wohnungsbau profitierte: Die Wertschöpfung der Branche verbesserte sich um 3,3 Prozent.
Auch der Detailhandel verzeichnete ein gutes Jahr, weil die Haushalte in der Schweiz kräftig konsumierten. Konsumentinnen und Konsumenten zeigten sich nicht knausrig, weil viele im 2009 eine deutliche Lohnerhöhung erhalten hatten. Ebenfalls eine Rolle spielte die anhaltende Zuwanderung.
Anders als der Aussenhandel ging die Nachfrage in der Schweiz insgesamt nur leicht zurück (–0,3 Prozent). Dies ist vor allem dem robusten Privatkonsum zu verdanken, und auch die Bauinvestitionen hatten eine positive Wirkung.
Banken im Ausland erfolgreicher
Im Gegensatz zum BIP nahm das Bruttonationaleinkommen (BNE, früher als Bruttosozialprodukt bekannt) im 2009 kräftig um 10,2 Prozent zu. Es berücksichtigt auch Kapital- und Arbeitseinkommen im Ausland. Der starke Anstieg des BNE erklärt sich auch mit einem Basiseffekt: 2008 war es um 3,8 Prozent geschrumpft.
Ins Ausland flossen 2009 fast 50 Prozent weniger Vermögenserträge als im Jahr zuvor. Der Zustrom der Vermögenserträge aus dem Ausland erhöhte sich hingegen um 7,9 Prozent. Dies ist unter anderem auf die Schweizer Banken zurückzuführen, deren Auslandsniederlassungen profitabler wirtschafteten. (sam/sda/)
Erstellt: 26.08.2010, 12:42 Uhr
WRITE A COMMENT
17 Kommentare
@Zugger: Das Wirtschaftswachstum (BIP) in DE ist im 2.Quartal um 2,2 Prozentpunkte gewachsen (Das ist die grösste Zunahme seit 1987); im Vergleich dazu in GB um 1.1, FR 0.6, IT 0.4, SP 0.2 und in der Eurozone der 16 um 1.0. - Angesichts dieser Fakten, stellt sich mir hier die Frage, wer da einen Schnupfen hat! Antworten
Und trotzdem diese rekordhohe Zuwanderung. D.h. diese Leute beanspruchten keine Arbeitsplätze.Wo gingen sie denn hin? In den Sozialstaat?In die AL-Truppe oder in die Ferien? Das müsste man wissen,Auf jeden Fall sank damit einmal mehr das Prokopfeinkommen.Die Schweizer wurden ärmer. Antworten
Dieses Ergebnis überrascht nicht, weil die Schweiz so stark von der Exportwirtschaft in EU abhängig ist. Durch die zweifelhafte Geldpolitik und falsche Kommunikation der SNB(Hildenbrand), hat sich der Druck auf die CHF verstärkt, was eigentlich unnötig war. Die tiefere EURO wird die deutsche Exportwirtschaft kurzfristig positiv auswirken. Langfristig zählt die Produktqualität, nicht der Preis. Antworten
Wachstum allein bedeutet nicht mehr Lebensqualität. Ich denke nicht, dass die Gesellschaft vor 60 Jahren unglücklicher waren als heute. Mehr wirtschaftliche Leistung heisst mehr Stress, mehr Arbeitnehmer aus dem Ausland, mehr soziale Probleme, mehr Kriminalität, mehr verbetonierung, mehr überfremdung..... Schade wude die Schwarzenbach Initiative abgelehnt. Antworten
Zum Glück verhalten sich die Konsumenten so kauflustig, da dies die Lage verschärfen würde und zu noch mehr Entlassungen sprich Arbeitslosen führen würde. Sparen in der Krisenzeit ist hoch konzentriertes Gift, zwar gut für diejenigen, die sparen müssen aber nicht gut für die Volkswirtschaft und das BIP! Antworten
hätten die Schweizer kein Geld auf der hohen Kannte hätten wir die Rezession viel mehr gespürt, die Schweizer haben keine Angst wegen einer Krise, das liegt am anerzogenen Sparsinn der uns seit Generationen vermittelt wird, so wie etwa "spare in der Zeit dann hast du in der NOT." Ein unbekanntes Sprichwort in den USA und teilen der EU. Antworten
Wir haben die Schmerzgrenze 1,50 EURO/CHF längst überschritten. Die Intervention der SNB (Euro-Käufe) war nochmals zu Gunsten der Banken um die Verluste im Termingeschäft (CHF gegen EURO) zu verringern. Keinesfalls direkt für die Exportwirtschaft ! Antworten
@Zugger:Der "Ifo-Geschäftsklimaindex" stieg im 3.Quartal in DE auf 106.7 (!) Punkte; d.h. die DE- Wirtschaft boomt und wächst schneller als die der US-Wirtschaft - und Sie reden vom "Schnupfen im grossen Kanton"! Ihre Beurteilung und Ihre Sprache trifft voll daneben - und sagt zugleich sehr viel über Sie selber aus! Antworten
Ein grosser Widerspruch und genaue Abklärungen sollten in der Frage erfolgen,warum hatten wir 2009 ein um 1,9% sinkendes BIP und trotzdem eine offizielle Zuwanderung von über 84'000 Personen? Ist ja ein Wunder, dass die offizielle Arbeitslosigkeit unter den Einheimischen Arbeitskräften nicht gestiegen ist.Aber diese Statistiken sind ja alle tückenhaft!Meine Forderung:die PFZ muss gekündigt werden Antworten
Wenn D einen Schnupfen hat, ist der Rest von Europa krank!. Im Bereich des Maschinenbaus setzten wir auch momentan nur sehr schwer unsere Waren im großen Kanton ab. Aufgrund des hohen Frankens sind wir häufig zu teuer, oder die Preisnachlässe sind so gewaltig, daß wir keinen Gewinn mehr imwichtigsten CH Absatzmarkt machen. Dieser Trend wird sich für diese Branche fortsetzen! Antworten
der tagi sollte sich an dieser panikmache nicht beteiligen --- es hiess mal, --- " der aufschwung beginnt im kopf " -- mit dieser unnötigen panikmache bewirken sie das gegenteil. -- ist das ihre absicht, --- ? welcher spekulant bezahlt dafür. --- zudem, sie veröffentliche zahlen von 2009 --- diese sagen nichts aus über den heutigen stand der wirtschaft. Antworten
Und warum bezahlen wir trotz bäremstarkem Franken noch immer horrende Preise, 33% über EU-Niveau? Das ist schlichtweg Betrug, mafiöses Gebaren. Wird der Franken schwächer, dann werden sofort die Preise erhöht, aber umgekehrt werden wir weiter gemolken von gierigen Egoisten. Und warum tummeln sich immer noch doppelt so viele Ausländer hier wie in Nachbarstaaten? Verraten und verkauft werden wir! Antworten
Weil im Inland kräftig konsumiert wurde schrumpfte die Wirtschaft nicht so stark - kein Wunder, wenn in den letzten 3 Jahren via Personenfreizügigkeit kanpp 300'000 Menschen mehr in die Schweiz einwanderten und natürlich konsumierten. Interessant aber die Zahlen, die trotz PFZ ab 2007 nicht besser wurden, ganz im Gegenteil - und dies trotz 300'000 Konsumenten mehr! Antworten
Da sieht man wieder wie einflussreich der CH-Konsument ist. Leider aber hat die CH europaweit den schlechtesten Konsumentenschutz. Auch in der Sache Euro-Schwäche werden die Preise nicht angepasst. Vielleicht dankt die auch so heilige Wirtschaft es dem Konsument mal mit Preisreduktion in wichtigen Bereichen und einem guten Konsumentenschutz! Antworten
Wirtschaft
Emil Frey AG Autocenter Bern
Geniessen sie die Strasse mit dem neuen Subaru XV. Nur im Emil Frey Autocenter Bern.








Bernhard Nater
@R.Gasser: Das sehen Sie am besten beim "Big Mac Index": Der Preis eines "Big Mac" ( In 120 Ländern der Erde hergestellt) wird in der Landeswährung umgerechnet auf den aktuellen USA-Preis. So gesehen kostet der "Big Mac" in den USA 3.73; im Durchschnitt in der Eurozone 4.33 und in der Schweiz 6.19. Nur in Norwegen ist er noch teurer, dort kostet er 7.20 (Immer US-Dollar). Antworten