Wirtschaft

Schweizer Wirtschaft schaltet in zweiten Gang

Die Konjunkturexperten des Bundes verdoppeln ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr auf 1,4 Prozent. Der bis vor kurzem befürchtete Anstieg der Arbeitslosenquote auf 5 Prozent dürfte ausbleiben.

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Letzte Woche erhöhte die Nationalbank die Wachstumsprognose für die Schweizer Wirtschaft, am Dienstag haben die Konjunkturexperten des Bundes nachgezogen – und dies im Gleichschritt mit dem Noteninstitut: Für dieses Jahr erwarten die Bundesexperten neu ein Wachstum des realen Bruttoinlandprodukts (BIP) von 1,4 Prozent, nachdem sie bisher von einem nur halb so hohen Plus ausgegangen waren. 2011 soll sich der wirtschaftliche Pulsschlag in der Schweiz noch verstärken: Die Experten stellen ein Wachstum von 2 Prozent in Aussicht.

Statistischer Effekt beschönigt

Die für 2010 prognostizierte Wachstumsverdoppelung ist jedoch weniger bedeutsam, als sie optisch erscheinen mag. Laut Aymo Brunetti, Chefökonom im Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco), geht sie grösstenteils auf den sogenannten statistischen Überhang zurück. Er verweist dabei auf den – überraschend starken – BIP-Zuwachs im vierten Quartal 2009 von 0,7 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Selbst wenn die Schweiz in den vier Quartalen dieses Jahres nur mehr ein Nullwachstum verzeichnen würde, resultierte für 2010 rechnerisch dennoch ein Zuwachs gegenüber 2009, den Brunetti auf «fast 0,8 Prozent» beziffert. Etwa die Hälfte des neu vorhergesagten Wirtschaftswachstums von 1,4 Prozent dürfte damit bereits gesichert sein. Der Grund: Dank des Wachstums im vierten (und auch im dritten) Quartal 2009 liegt das diesjährige Bruttoinlandprodukt bereits auf einem höheren Niveau.

Zudem verweist Brunetti darauf, dass sich die wirtschaftliche Grosswetterlage seit der letzten Prognose der Bundesexperten im Dezember verbessert habe. Hätten damals fast nur Abwärtsrisiken bestanden, so seien die Risiken für die jetzige Vorhersage in beide Richtungen «ausgeglichener verteilt als auch schon». Trotzdem streicht der Seco-Chefökonom die anhaltend hohen Prognoseunsicherheiten heraus – die Folge davon, dass «wir keinerlei Erfahrungen mit globalen Finanzkrisen haben».

Franken als Spielverderber?

Eine positive Überraschung bahnt sich auf dem Arbeitsmarkt an – also just dort, wo die Aussichten bislang am meisten Sorgen bereiteten. Die Bundesexperten rechnen für das laufende Jahr neuerdings mit einer saisonbereinigten mittleren Arbeitslosenrate von 4,3 Prozent. Die Dezember-Prognose war noch von 4,9 Prozent ausgegangen. Die «Stabilisierungsanzeichen» bei den Arbeitslosenzahlen, so Brunetti, hätten sich seit November Monat für Monat bestätigt, sodass man die Arbeitsmarktprognose jetzt entsprechend angepasst habe. Von einem Rückgang der Arbeitslosenzahlen gehen die Bundesexperten – angesichts der fortbestehenden Überkapazitäten – aber erst ab 2011 aus.

Als mögliches negatives Risiko rückt zunehmend der Aussenwert des Frankens in den Blickpunkt. Da die Schweiz die Rezession schneller als ihre europäischen Nachbarländer zu überwinden scheint, «spricht vieles für eine weitere Franken-Aufwertung gegenüber dem Euro», sagt Brunetti. Besonders kritisch werde es für die heimische Wirtschaft, wenn diese Entwicklung nicht moderat, sondern schubartig erfolge.

Aus Sicht von Hans-Peter Hausheer, Leitender Ökonom der UBS, verfügt die Nationalbank nur über begrenzte Mittel gegen eine derart breite Marktströmung. Dem potenziellen Nutzen dieser Massnahmen stünden die gesamtwirtschaftlichen Kosten in Form von Inflation gegenüber. So sei die bisherige Widerstandslinie der Schweizer Notenbank bei 1.50 Franken je Euro durchbrochen worden, der Wechselkurs bewege sich auf 1.45 Franken zu. Ein zweites Risiko für die heimische Konjunktur ortet Hausheer im Immobilienmarkt, wo sich im Zuge der tiefen Zinsen eine Blase herausbilden könnte. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 17.03.2010, 04:00 Uhr

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2 Kommentare

Sibylle Weiss

17.03.2010, 21:17 Uhr
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Vermutlich sind die 5% Arbeitslosen deshalb ausgeblieben,weil die Ausgesteuerten aus der Statistik herausgenommen wurden,sodass die 5% Marke gar nicht erreicht werden kann, ganz einfach.Zählt man die Ausgesteuerten dazu,fragt sich ob die Zahl dann immer noch unter 5% liegt.Zudem ist mir schleierhaft, wie man eine Prognose bereits für 2011 stellen kann.2010 Jan/Feb.gingen 1013 Firmen in Konkurs. Antworten


Ernst Bächtiger

17.03.2010, 11:42 Uhr
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Es ist noch zu früh, um gleich wieder euphorisch zu werden. Der starke Franken behindert weiterin den Tourismus und die Exportindustrie. Viele exportorientierte Firmen werden das Minus des letzten Jahres nicht ausgleichen können und in den nächsten Monaten ist das Geld der Konjunkturprogramme aufgebraucht. Abwarten bis Herbst, dann wissen mir mehr. Antworten




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