Schweizer Tourismus erwartet 27-Jahres-Tief
Die Hotelübernachtungen werden gemäss Prognostikern um 7,2 Prozent zurückgehen, was dem stärksten Rückgang seit 27 Jahren entspricht. Für das gesamte Tourismusjahr wird gar der stärkste Rückgang der Nachkriegszeit erwartet.
Weniger ausländische Gäste
Die Konjunkturforschungsstelle BAK Basel Economics geht für die im vergangenen April zu Ende gegangene Wintersaison von einem Rückgang der Hotelübernachtungen von 6,0 Prozent aus, wie das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) am Dienstag mitteilte. Dies nachdem in den vier vorangegangenen Wintersaisons jeweils deutliche Wachstumsraten zu verzeichnen waren.
Zurückgegangen ist vor allem die Auslandsnachfrage, aber auch die Binnennachfrage konnte das hohe Niveau der Saison 2007/2008 nicht halten. Mit insgesamt rund 15,5 Millionen Übernachtungen wurde aber dennoch die zweitbeste Wintersaison aller Zeiten registriert.
Der Wechselkurs drückt
Einen noch deutlicheren Rückgang erwartet die BAK Basel aber für die Sommersaison. So sollen die Übernachtungen um deutliche 7,2 Prozent abnehmen. Die Gründe für den starken Rückgang sind laut Mitteilung vielschichtig. Hauptgrund sei aber die durch die Turbulenzen an den Finanzmärkten ausgelöste Wirtschaftskrise. Aber auch die ungünstigen Wechselkursverhältnisse zwischen dem Schweizer Franken und dem Euro sowie dem Pfund seien für den Rückgang verantwortlich. Für die Zahl der Hotelübernachtungen ausländischer Gäste ist mit einem heftigen Rückgang von 9,5 Prozent zu rechnen. Auch die Binnennachfrage dürfte um 3,9 Prozent zurückgehen. Dennoch dürften noch immer rund 18,8 Millionen Hotelübernachtungen gezählt werden, was deutlich über dem Niveau der Krisenjahre 2002 und 2003 liegt.
Die Zahl der Hotelübernachtungen in der Schweiz wird gemäss den Schätzungen im gesamten Tourismusjahr vom vergangenen November bis im kommenden Oktober um 6,7 Prozent zurückgehen. Dies bedeute den deutlichsten Rückgang der Nachkriegszeit. Dennoch dürften insgesamt rund 34,5 Millionen Hotelübernachtungen gezählt werden. Auch für das Tourismusjahr 2010 werden weiterhin negative Wachstumsraten bei der Zahl der Hotelübernachtungen erwartet. Zwar werden die Rückgänge deutlich geringer ausfallen als im laufenden Jahr, mit einem Minus von rund 2,6 Prozent seien sie aber noch immer deutlich spürbar. Im Winter 2010/2011 dürfte die Durststrecke im Schweizer Tourismus laut den Prognostikern ihr Ende finden. BAK Basel geht für das gesamte Tourismusjahr 2011 von einem moderaten Wachstum um 1,3 Prozent aus.
Bergbahnen im Hoch
Gemäss der Konjunkturforschungsstelle dürfen sich die Schweizer Bergbahnen auch im laufenden Tourismusjahr auf ein Wachstum freuen. Erwartet wird verglichen mit der Vorjahresperiode ein Anstieg um rund ein Prozent. Im kommenden Tourismusjahr 2010 würden allerdings auch die Schweizer Bergbahnen die Krise zu spüren bekommen. Erwartet wird ein Rückgang der realen Verkehrserträge um 8,5 Prozent. (cpm/ap)
Erstellt: 19.05.2009, 11:00 Uhr
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