Schlapper Euro, starker Franken: Nationalbank rennt gegen Wand
Von Philipp Löpfe. Aktualisiert am 24.03.2010
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Roland Decovert ist Chef von Nestlé Schweiz. Er kauft täglich Rohstoffe und verkauft seine Produkte rund um den Globus. Währungen sind ein zentraler Bestandteil seines Geschäfts. Deshalb ist für ihn der starke Franken derzeit bedrohlich. «Das ist tatsächlich die grösste schwarze Wolke, die ich derzeit am Schweizer Himmel sehe», sagte er kürzlich im «Tages-Anzeiger». «Bleibt der Euro langfristig unter 1,45 Franken, sind wir konzernintern nicht mehr konkurrenzfähig, Nescafé etwa wird auch andernorts produziert.»
Derzeit liegt der Kurs deutlich unter dieser Marke. Der Euro hat einen Schwächanfall nach dem andern, umgekehrt wird der Franken stärker und stärker. Das Ritual ist stets das gleiche: Bei jedem Schub verspricht die Schweizer Nationalbank (SNB), dafür zu sorgen, dass der Franken nicht noch stärker wird. Vergeblich: Die ursprüngliche Verteidigungslinie von 1 :1,50 ist längst gefallen. Jetzt liegt der Franken unter 1,45. Wird er bald unter 1,40 tauchen? Und warum nützen die Interventionen der SNB (SNBN 1089 2.06%) nichts? Ja, was macht die SNB überhaupt?
Warum die SNB keine Chance hat
Der Reihe nach: Theoretisch wäre es für die SNB ein Kinderspiel, den Franken zu schwächen. Sie müsste ganz einfach Geld drucken. Je mehr Franken im Umlauf sind, desto schwächer ist die Währung. Es ist wirklich so simpel. Gefährlich und kompliziert sind jedoch die Auswirkungen. Das gedruckte Papiergeld gerät ausser Kontrolle, es entsteht eine Inflation, und genau dies zu verhindern, ist der SNB oberste Pflicht. Und deshalb druckt sie auch kein Papiergeld à discrétion.
Um den Franken zu schwächen, versucht die SNB aber trotzdem, mehr Schweizer Geld in Umlauf zu bringen, aber nicht mit der Druckerpresse, sondern mit Interventionen an den Devisenmärkten: Sie kauft Euro und verkauft Franken, d.h.: Sie nimmt Euros aus dem Verkehr und ersetzt sie mit Schweizer Franken. Dieser Mechanismus hat jedoch eine beschränkte Wirkung. Die SNB hat letztlich keine Chance, allein mit diesen Interventionen den Franken nachhaltig zu schwächen.
Gute Staatsfinanzen ziehen Frankenkäufer an
Warum aber ist der Franken überhaupt so stark? Er ist wieder zu einer «Sicherer Hafen»-Währung geworden, will heissen: Rund um den Globus kaufen Investoren Schweizer Franken, weil sie eben genau damit rechnen, dass er stark wird und stark bleibt. Sie haben dazu gute Gründe: Anders als andere Staaten sind die Schweizer Finanzen durch die Krise nicht geschädigt worden. Im Gegenteil: Letztes Jahr sind Finanzminister Merz sogar mehr als zwei Milliarden Franken als Überschuss in der Kasse geblieben.
Die gesunden Staatsfinanzen stärken den Franken – und schaden der Wirtschaft. Das hat die hartnäckige Stagnation der 90er-Jahre gezeigt, an der ein zu starker Franken schuld war. Es braucht daher sehr viel Masochismus oder sehr wenig Sachverstand, sich über einen starken Franken zu freuen.
(Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 24.03.2010, 12:37 Uhr
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