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Pensionskassen möchten mehr «Betongold» kaufen

Von Jürg Zulliger. Aktualisiert am 20.09.2011

Aus Angst vor mickrigen Zinsen und Verlusten suchen immer mehr Anleger Alternativen zu Obligationen und Aktien. Deshalb stehen die Zeiten für «Betongold», sprich Schweizer Immobilien, heute so gut wie nie.

Immobilienobjekte sind begehrt. Pensionskassen und Versicherungen möchten mehr davon.

Immobilienobjekte sind begehrt. Pensionskassen und Versicherungen möchten mehr davon.
Bild: Colourbox

Jan Eckert (Bild: zvg)

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Solche Zahlen sind Musik in den Ohren vieler Anleger: Gemäss der gestern in Zürich publizierten Studie «Immobilien Investment Survey 2011» bringen Schweizer Immobilien derzeit eine Rendite von rund 5,6 bis 5,8 Prozent ein. Die Untersuchung stützt sich auf die Angaben von 65 Schweizer Pensionskassen und 14 Versicherungsgesellschaften. Die beteiligten Firmen verfügen insgesamt über ein Immobilienvermögen von rund 63 Milliarden Franken.

Verzweifelt gesucht

Um dem Grundsatz der Diversifikation gerecht zu werden, wird natürlich kein institutioneller Anleger im Ernst das ganze Vermögen in Immobilien investieren wollen. Tatsache ist aber, dass vielen Anlegern der Sinn nach mehr Liegenschaften steht. Gemäss der Studie, die vom Beratungsunternehmen Jones Lang LaSalle in Auftrag gegeben und von der Uni Basel durchgeführt wurde, liegt die Immobilienquote des ganzen Vermögens bei 13 bis 19 Prozent. 55 Prozent der Pensionskassen und 46 Prozent der Versicherungen würden aber gerne mehr Immobilien kaufen. Jan Eckert, Chef von Jones Lang LaSalle, sagt dazu: «Vor drei Jahren war der Trend in Richtung Immobilien sogar noch viel stärker.» Wenn das Immobilienfieber jetzt wieder etwas zurückgegangen ist, liegt dies einzig und allein daran, dass die Anleger schlicht nicht genug Immobilien finden.

Aufgrund der enormen Nachfrage ist es heute gang und gäbe, dass bei Verkäufen von Immobilien ein Auktionsverfahren durchgeführt wird. Laut Jan Eckert kann es dabei durchaus vorkommen, dass der bezahlte Preis 15 oder 16 Prozent über dem eigentlichen Schätzwert liegt. So gibt es auf der Schweizer Landkarte inzwischen nicht nur für Villen und Topwohnungen sogenannte Hotspots mit Preisexzessen, sondern auch bei Mehrfamilienhäusern, Büro- und Gewerbeobjekten. Am höchsten in der Gunst stehen dabei Mehrfamilienhäuser mit Mietwohnungen, weil sie sichere Erträge und eine fast in allen Teilen der Schweiz gute Vermarktbarkeit versprechen.

Vor allem bei den heissen Bieterrunden für kleinere und mittlere Objekte sind oft auch reiche Privatpersonen mit von der Partie. Wenn man bedenkt, dass sich ein solches Investment oft zu 60 Prozent – mit derzeit billigen – Hypotheken finanzieren lässt, genügen teils einige Hunderttausend Franken Eigenkapital, um auf Einkaufstour zu gehen. «Es wäre aber ein Irrtum», so warnt Eckert, «die Risiken ganz auszublenden.» Wer Immobilien kauft, muss sich mit Gebäudeunterhalt, mit Mietrecht, mit Bauaufträgen an Handwerker und dem Auf und Ab des lokalen Mietmarktes auseinandersetzen.

Titel im Allzeithoch

Als Alternative kommen für Kleinanleger die an der Börse gehandelten Schweizer Immobilienfonds und Immobilienaktiengesellschaften infrage. Von Anfang Jahr bis heute betrachtet, sehen die Zahlen hier sogar noch besser aus: Inklusive Dividenden liegen die Aktien durchschnittlich mit 11,1 Prozent im Plus, die Immobilienfonds mit 7,9 Prozent. Allerdings ist dabei zu berücksichtigen, dass diese Wertschriften an der Börse noch nie so hoch bewertet waren wie heute. Das gilt besonders für die Fonds, die 26 Prozent über dem inneren Wert, das heisst dem eigentlichen Verkehrswert der Fondsliegenschaften, notieren.

Doch es gibt immer wieder Kaufgelegenheiten mit etwas vernünftigeren Preisen als gerade jetzt. Wer längerfristig orientiert ist, regelmässige Erträge und vor allem einen Schutz vor Inflation sucht, ist mit Immobilien gut beraten: Sowohl gewerbliche als auch Wohnimmobilien bieten über indexierte oder an die Zinsen gebundene Mieten einen relativ guten «Hedge» gegen eine allenfalls anziehende Teuerung. Wenn Griechenland, Irland und Dollar einbrechen, werden noch mehr Leute dem Glanz von «Betongold» erliegen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 20.09.2011, 13:05 Uhr

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