Nur ein Euro-Strohfeuer
Von Markus Diem Meier. Aktualisiert am 07.03.2011 27 Kommentare
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Anfangs Jahr kostete der Euro noch rund 1,25 Franken. Ende letzte Woche ist der Kurs wie schon im Februar zwischenzeitlich wieder über die Marke von 1.30 Franken geklettert. Das ist allerdings kein Hinweis darauf, dass sich im Euroraum nun alles zum Guten wendet. Der Grund für den jüngsten Anstieg ist eine Aussage des Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, vom letzten Donnerstag. Trichet kündigte nach der Sitzung des obersten geldpolitischen Rats der Notenbank an, dass ein Anstieg des Leitzinses bei der nächsten Sitzung im April «möglich» sei. Auf den Märkten wurde die Aussage aufgefasst, wie wenn die Zinserhöhung praktisch eine ausgemachte Sache sei. Der Euro schoss unmittelbar nach der Aussage Trichets in die Höhe, in Schweizer Franken innert einer Stunde von rund 1.2840 auf 1.2990.
Unerwartet steigende Zinsen treiben einen Wechselkurs nach oben: Euroanlagen werden dadurch in Relation zu Anlagen in anderen Währungen attraktiver, was die Nachfrage nach dem Euro schon in Erwartung des höheren Leitzinses antreibt und damit auch seinen Kurs. Ob ein solcher Leitzinsanstieg allerdings tatsächlich erfolgt, bleibt fraglich. Selbst wenn man Trichets Worte genauer betrachtet, hat er auf Journalistenfragen gleich mehrmals betont, dass ein solcher Schritt «nicht sicher» erfolge, sondern nur «möglich» sei und dass er von der Lagebeurteilung im April abhänge. Ein höherer Leitzins würde die Lage vieler Euroländer, die nach wie vor in der Krise feststecken, weiter verschlimmern. Wenn dadurch auch der Finanzsektor erneut unter Druck kommt, wird die Europäische Zentralbank wie bisher gezwungen sein, mit Hilfskrediten auszuhelfen, um keine weitere Systemkrise zu riskieren. Kein Wunder hat die EZB bereits angekündigt, die aussergewöhnlich grosszügige Geldversorgung der Banken auf jeden Fall fortführen zu wollen.
Der politische Zweck von Trichets Ankündigung
Als Grund für die Drohung nannte Trichet Inflationssorgen. Tatsächlich befindet sich die durchschnittliche Inflation im Euroraum über dem Zielwert der EZB von 2 Prozent. Doch das geht hauptsächlich auf höhere Rohstoffpreise zurück. Von Zweitrundeneffekten, das heisst einer höheren Inflationserwartung, entsprechend angepassten Löhnen und damit über die Rohstoffpreise hinausgehende Kostensteigerungen, ist noch nichts zu sehen. Sollten solche Effekte nicht noch auftreten, dürfte die Inflationsrate wieder zurückgehen. Sowohl die anhaltende Eurokrise wie die Inflationszahlen sprechen daher auch im nächsten Monat nicht für eine Leitzinserhöhung, auch wenn sie nicht ausgeschlossen ist. Doch selbst wenn sie erfolgt, wird sie nicht der Auftakt für eine Reihe weiterer Zinsschritte sein, auch das hat Trichet bereits klargemacht.
Einige Marktbeobachter glauben, mit der halbherzigen Zinsankündigung wolle Trichet das Inflationsproblem sozusagen mit Worten lösen. Wenn in der Folge seiner Aussagen der Eurokurs schon in der Erwartung von Zinssteigerung zulegt, verbilligt das die Importe, was den Inflationsdruck mindert, ohne dass die Bank am Ende die Zinsen erhöhen muss. Andere sehen darin vor allem einen politischen Warnschuss von Trichet vor den Bug der Regierungen der Euroländer, damit diese an ihrem Treffen von dieser Woche scharfe Massnahmen beschliessen, damit Hilfszahlungen der EZB an die Banken und der Aufkauf gefährdeter Staatsanleihen durch die Zentralbank nicht weiter nötig sind. Die EZB lebt schlecht mit diesem Spagat zwischen ihrer Aufgabe, eine stabilitätsorientierte Geldpolitik zu betreiben und gleichzeitig ständig in Nothilfemassnahmen einbezogen zu werden. Jetzt will sie ein Signal setzen, dass sie ihre erste Aufgabe wieder in den Mittelpunkt rücken will.
Wenig Hoffnungen für das Treffen der Euro-Regierungschefs
Doch Trichet könnte enttäuscht werden. Einerseits verschärft sich die Krise in den am meisten gefährdeten Ländern weiter. Der Zins für gehandelte zehnjährige Staatsschulden von Portugal ist auf mehr als 7,5 Prozent angestiegen, 7 Prozent wurden schon als oberste Schmerzgrenze bezeichnet. Eine weitere Rettungsaktion wird daher immer wahrscheinlicher. Die Ratingagentur Moody’s hat ausserdem heute die gehandelten Staatschulden von Griechenland um drei Stufen auf B1 herabgestuft, womit diese Anleihen jetzt als hochspekulativ gelten. Gleichzeitig hält die Agentur fest, dass weitere Herabstufungen erfolgen könnten. Kommt dazu, dass in Griechenland die regierende Pasok-Partei von Giorgios Papandreou und ihr mit der EU ausgehandeltes Sparpaket nach neusten Umfragen laufend Anhänger verliert, was die politische Tragfähigkeit nur schon der beschlossenen Massnahmen zunehmend in Frage stellt.
Auch an anderen Orten sprechen politische Entwicklungen immer mehr gegen einen breiten Konsens zwischen allen Ländern der Währungsunion. Die neu gewählte Regierung in Irland will mit der Europäischen Union das äusserst strenge Rettungspaket neu aushandeln, was vor allem bei der deutschen Regierung auf Widerstand stösst. Die deutsche Regierungschefin ihrerseits steht vor den Wahlen im Herbst unter sehr grossem innenpolitischen Druck, den gefährdeten Euroländern nicht mehr weiter entgegenzukommen.
Die meisten Beobachter rechnen mit einem schwächeren Euro
Angesichts der grossen und wieder gestiegenen Unsicherheiten in der Eurozone gehen die meisten von Bloomberg erfassten Währungsstrategen und Ökonomen von einer erneuten Euroschwäche aus, sie erwarten auf Ende Jahr im Mittel (Median) einen Kurs von 1.34 Euro pro Dollar. Dies, obwohl auch der Dollar viel Vertrauen verloren hat. Momentan notiert der Euro bei über 1.40 Dollar.
(Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 07.03.2011, 15:12 Uhr
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