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Monsieur Mirabaud klärt Deutschland auf

Aktualisiert am 11.06.2009

Vor Journalisten in Frankfurt hat sich der Präsident der Schweizerischen Bankiervereinigung für die hiesigen Finanzinstitute ins Zeug gelegt – in steinbrückscher Rhetorik.

Die USA hätten im Gegensatz zu Deutschland die bestehenden Chancen genutzt: Pierre Mirabaud.

Die USA hätten im Gegensatz zu Deutschland die bestehenden Chancen genutzt: Pierre Mirabaud.
Bild: Keystone

Fälle von Steuerhinterziehung machten nur einen ganz kleinen Prozentsatz in der gesamten Vermögensverwaltung in der Schweiz aus, sagte der Präsident der Schweizerischen Bankiervereinigung (SBVg), Pierre Mirabaud, vor Journalisten in Frankfurt. Zugleich forderte er mehr Sachlichkeit in der Debatte um sogenannte Steueroasen. Die Schweiz sei kooperativ und wolle nach den geltenden internationalen Standards der OECD mit ausländischen Steuerbehörden zusammenarbeiten.

Deutschlands Finanzminister Peer Steinbrück hatte in den vergangenen Monaten unter anderem die Schweiz gerügt, weil sie OECD-Standards zum Informationsaustausch in Steuerfragen nicht umsetze. Steinbrück sprach mit Blick auf die Schweiz von Indianern und drohte mit der Kavallerie.

Verhandeln, nicht kriegen

Mirabaud sagte nun, dass die «Indianer» von den Deutschen erwarteten, «dass der etwas gar forsche Kavallerieoberst das Kriegsbeil begräbt und endlich am Verhandlungstisch Platz nimmt». Deutschland nutze - anders als die USA - die vorhandenen rechtlichen Möglichkeiten zu Auskünften in Steuerfragen kaum.

«Ich versichere Ihnen, dass die Schweizer Banken den OECD- Standard ohne Wenn und Aber und auch ohne Zeitverzögerung umsetzen möchten», betonte Mirabaud.

Mit Hinweis auf enge Wirtschaftsbeziehungen zwischen der Schweiz und Deutschland warnte Mirabaud, dass Störungen, auch ganz kleine oder atmosphärische, sich gerade in diesen wirtschaftlich anspruchsvollen Zeiten, rasch negativ auswirken könnten.

Kein Kundenrückzug

Ein Rückzug der Kunden aus der Schweiz ist nach den Worten Mirabauds trotz des aufgeweichten Bankgeheimnisses nicht zu erkennen: «Wir haben keine Anzeichen für vermehrte Geldtransfers oder Schliessungen von Konten.» Weil auch andere Staaten auf die OECD-Liste der Steueroasen gesetzt worden seien, hätten Anleger keine Alternative.

«Wir habe keine Sorgen, dass der Finanzplatz Schweiz an Bedeutung verliert.» Dass die Banken dennoch ihre Geschäftsmodelle ändern müssten, hänge mit der Finanzkrise zusammen. (cpm/sda)

Erstellt: 11.06.2009, 13:59 Uhr

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