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Mehrere Ermittlungen gegen Standard & Poor's

Von Bernhard Fischer. Aktualisiert am 11.11.2011 29 Kommentare

Die US-Ratingagentur Standard & Poor's hat «irrtümlich» die Bonität Frankreichs herabgestuft und entschuldigt sich. Für die europäischen Aufsichtsbehörden ist die Sache damit noch lange nicht gegessen.

1/4 Michel Barnier will, dass Ratingagenturen in Europa für Falschmeldungen künftig schadenersatzpflichtig sein können: Der EU-Kommissar hält eine kritische Rede über Ratingagenturen.

   

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In Frankreich gehen die Wogen hoch. Als «ziemlich schockierend» hat der französische Finanzminister François Baroin gestern die irrtümliche Herabstufung der Kreditwürdigkeit Frankreichs durch die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) bezeichnet. Jean-François Copé, Generalsekretär der Regierungspartei UMP, bezeichnete die Arbeit der Ratingagenturen am Freitagmorgen als «traurig» und «desolat». Die Ratingagentur Standard & Poor's habe – angeblich aus Versehen – eine Mitteilung per Mail versandt und Abonnenten ihrer Internetseite über den Bonitätsverlust informiert. Grund für den Irrtum sei ein technischer Defekt gewesen, wie es heisst.

Zinsen explodiert

Dabei hätte es dieser Tage ein Schritt nach vorne in der Euro-Schuldenkrise sein sollen. Frankreich, nicht gerade als Sparmeister in der Europäischen Union bekannt, hatte den strengsten Sparhaushalt seit 1945 angekündigt, um die Bestnote Triple A weiterhin führen zu können. Doch um 15.57 Uhr ging die Botschaft raus, Frankreich sei nun weniger kreditwürdig. Fast zwei Stunden lang kursierte die Mitteilung unwidersprochen im Netz. Die Zinsen für französische Staatsanleihen schnellten nach der Mitteilung von 2,8 Prozent um 10.20 Uhr auf 3,47 Prozent um 17.20 Uhr hoch – eine Steigerung um 24 Prozent.

Der Meldung über die Herabstufung folgte dann doch das Pardon von S&P: Die Ratingagentur teilte mit, dass es sich um einen Irrtum handle und die Sache nun untersucht werde. Gebracht hat das nicht viel: Zinsen für zehnjährige Staatsanleihen Frankreichs notieren immer noch auf hohem Niveau von rund 3,36 Prozent.

Ermittlungen laufen

Der Vorfall ist Wasser auf die Mühlen jener Kritiker, welche die Ratingagenturen für die Schuldenkrise mitverantwortlich machen. Ihnen wird oftmals vorgeworfen, die Eurokrise mit den Herabstufungen der Bonitätsnoten für die Staaten zusätzlich anzuheizen. Die Europäische Union ist seitdem bemüht, über die European Banking Authority (EBA) und über die European Securities and Market Authority (Esma) ein Gegengewicht zu den mehrheitlich in den USA basierten Ratingagenturen zu etablieren. Die französische Börsenaufsicht AMF ermittelt bereits gegen S&P, die Esma untersucht den Fall und überlegt ebenfalls rechtliche Schritte. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 11.11.2011, 12:18 Uhr

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29 Kommentare

Thomas Tschan

11.11.2011, 12:43 Uhr
Melden 25 Empfehlung

Es kann doch nicht sein, dass dieses perverse System der amerikanisch-patriotischen, intransparenten und alles andere als unabhängigen Ratingagenturen so viel Macht über die Märkte besitzt. Unglaublich, wie scheinheilig diese Moloche agieren - immer schön mit dem Finger auf andere zeigen, das eigene Land aber schützen. Und das wirklich Absurde daran, alle Welt schenkt ihnen Glauben! Antworten


Bernhard Vontobel

11.11.2011, 12:29 Uhr
Melden 13 Empfehlung

Sagen wir mal S+P ist für 0.5% Steigerung verantwortlich. Wie wäre es, wenn Frankreich mal so 30 Tage mit der 0.5% Differenz der Agentur in Rechnung stellen würde? Antworten



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