Kunstgeld aus der Steppe soll den Dollar ersetzen
Von Claudio Habicht. Aktualisiert am 30.03.2009
Die Eurasische Wirtschaftsgemeinschaft
Die Eurasische Wirtschaftsgemeinschaft (EAWG) besteht aus Kasachstan, Russland, Weissrussland, Kirgisien und Tadschikistan.
Der Dollar ist angeschlagen: Letzte Woche hat China eine neue Weltwährung vorgeschlagen, die vom Internationalen Währungsfonds beaufsichtigt werden soll. Nun macht sich auch der Steppenstaat Kasachstan für eine neue Währung stark: Präsident Nursultan Nasarbajew schlug an einem Wirtschaftsforum in der kasachischen Hauptstadt Astana vor, eine regionale Geldeinheit mit dem Namen Euras zu schaffen. Ziel: In den Ländern der Eurasischen Wirtschaftsgemeinschaft (EAWG) – Kasachstan, Russland, Weissrussland, Kirgisien und Tadschikistan – soll der Euras den Dollar im Zahlungsverkehr ersetzen. Der Euras wäre aber kein Bargeld, sondern eine blosse Rechnungseinheit wie der Euro-Vorläufer Ecu.
Riesige Dollarreserven
Der Zeitpunkt der zentralasiatischen Offensive ist gut gewählt: Kasachstan und Russland – die wirtschaftlichen Lokomotiven in der Region – haben riesige Dollarreserven angehäuft. Durch den Wertzerfall der US-Währung schmelzen diese jedoch dahin. «Die EAWG-Staaten haben heute allen Grund, den Druck der genetisch defekten Weltwährung auf die Wirtschaften unserer Länder zu verringern», sagt Nasarbajew der russischen Nachrichtenagentur Ria Nowosti. Eine Arbeitsgruppe soll die Idee weiter ausfeilen.
Die Währung könne laut dem kasachischen Notenbankchef Grigori Martschenko schon in wenigen Jahren aus der Taufe gehoben werden. Es sei möglich, dass der Euras in acht bis zehn Jahren Wirklichkeit werde, sagt er. Eine wichtige Hürde hat der Euras bereits genommen: Russland, das in der Eurasischen Wirtschaftsgemeinschaft den Ton angibt, unterstützt die neue Regionalwährung. «Man muss die wachsenden Bedeutung anderer Währungen berücksichtigen», sagt Aussenminister Sergei Lawrow. Auch im russischen Parlament hat der Euras Anhänger. Für Jewgeni Fjodorow, Vorsitzender der wirtschaftspolitischen Kommission, ist klar: Das Monopol des Dollars in der Region müsse gebrochen werden.
Russland will zur monetären Regionalmacht aufsteigen
Auch Experten geben dem Euras eine realistische Chance. Die Analytikerin Olga Beljenkaja vom Moskauer Analyse-Institut Sovlink schreibt, die neue Währung könne für Russland eine Verlockung sein. Der Grund dafür ist einfach: Bereits heute versucht Russland, den Rubel als regionale Währung zu positionieren. Mit dem Euras könnte das Land die Nachbarstaaten in Zentralasien monetär stärker an sich binden – und wäre seinem Ziel so näher gekommen.
Ob Euras oder Rubel: Russland hat seine Einflusssphäre abgesteckt, sollte in den nächsten Jahren der Dollar als Leitwährung verschwinden. Der Analytiker Aleksandr Poliwanow sagt auf der Newsplattform lenta.ru: «In Asien konkurrieren sich China und Japan, im Westen gibt es die starke Euro-Zone. Für Russland bleiben die ehemaligen Sowjetrepubliken.» (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 30.03.2009, 14:30 Uhr
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