Entlassungswelle rollt auf die Schweiz zu
Von Olivia Kühni. Aktualisiert am 01.11.2011 181 Kommentare
Abbau bei Pharma und Banken
Der Stellenabbau in der Bankenbranche und in der Pharmaindustrie hat noch andere Ursachen als der aktuell sich abzeichnende Konjunktureinbruch.
Die Credit Suisse, die heute den Abbau von 1500 Stellen bekannt gegeben hat, richtet sich auf ein neues Geschäftsmodell mit verkleinertem Investmentbanking ein. Diese Restrukturierung ist verantwortlich für einen grossen Teil des Abbaus. Ein weiterer Grund ist jedoch jene Unsicherheit an den Märkten und die Skepsis der Kunden, die auch der Industrie zu schaffen macht.
Auch der letzte Woche verkündete Stellenabbau bei Novartis geht nur teilweise auf die aktuelle Krisenstimmung zurück. Zwar drücken industrialisierte Staaten die Medikamentenpreise, wozu die Schuldenkrise verstärkten Anlass bietet. Doch die Pharmafirmen geraten auch in die Bredouille, weil Patente für Kassenschlager auslaufen.
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Von allen Seiten sickern sie jetzt durch, die Nachrichten vom Stellenabbau. Seit Wochen verkünden die Industriefirmen, dass sie Stellen streichen: Der Lausanner Verschlüsselungsspezialist Kudelski baut 270 von 3000 Stellen ab, davon ein Drittel in der Schweiz. Der Pfäffiker Kabelhersteller Huber und Suhner, der Wetziker Ventilbauer Eugen Seitz und der Liftbauer Schindler streichen Stellen. Und auch im Detailhandel bröckelt es. Manor baut landesweit ab, Migros und Coop vor allem in Grenzgebieten.
Der kalte Wind der Wirtschaftskrise erreicht den Schweizer Arbeitsmarkt. «Wir müssen damit rechnen, dass die Anzahl der Beschäftigten in den nächsten Monaten sinken wird», sagt Jan-Egbert Sturm von der Konjunkturforschungsstelle KOF der ETH Zürich. Die Arbeitslosenquote dürfte mit den von den Ämtern gemeldeten 2,8 Prozent im September ihren Tiefpunkt erreicht haben, sagt Sturm. Damals waren 111'344 Menschen als arbeitslos registriert.
Der vom KOF regelmässig publizierte Beschäftigungsindikator zeigt denn auch erstmals seit Frühjahr 2010 deutlich nach unten. Mit einem Wert von -4 bewegt er sich in Richtung des Krisenwerts von Ende 2008. Damit nimmt das KOF vorweg, was die offiziellen Zahlen noch nicht verraten: Die letzte publizierte Zahl des Bundesamts für Statistik sagt aus, dass die Beschäftigung gegenüber dem Vorjahr um 1,2 Prozent zugenommen habe. Doch sie stammt aus dem letzten Quartal 2010.
Vom Ausland abhängig
Der Grund für den Jobschwund ist eindeutig: Die Schuldenkrisen in den Euroländern und den USA, die für flaue Konsumstimmung und grosse Vorsicht sorgen. «Wir stellen uns damit auf die wirtschaftliche Krise ein, die verschiedene unserer Absatzgebiete erfasst hat», begründet Kudelski den Abbau. Und auch Schindler schreibt: «Wegen der Schuldenkrise und der zahlreichen noch anstehenden politischen Entscheide bleibt die Unsicherheit bezüglich der weltwirtschaftlichen Entwicklung bestehen. Die Prognose für die Volkswirtschaften Südeuropas und die USA bleibt ungünstig.»
Tatsächlich ist die Schweizer Volkswirtschaft hochgradig abhängig von ihren Handelspartnern. 2010 exportierte die Schweiz Güter im Wert von 193 Milliarden Franken. Das sind rund 40 Prozent des gesamten Schweizer Bruttoinlandprodukts. Bricht in den wichtigsten Partnerländern die Nachfrage ein, bekommen das die Schweizer Unternehmen eiskalt zu spüren. 60 Prozent der Ausfuhren gehen in EU-Staaten, weitere 10 Prozent in die USA. In beiden Absatzmärkten dämpft nicht nur die unsichere Lage, sondern auch der starke Franken den Hunger der Kunden nach Schweizer Produkten.
Besonders stark betroffen sind vom Abbau die exportabhängige Industrie, das Gastgewerbe und das Bankwesen – in letzterem kommen zum konjunkturellen Druck strukturelle Probleme hinzu, wie der Auftritt der Credit Suisse heute gezeigt hat. Der Detailhandel leidet ebenfalls – weil er einerseits die Preise senken musste und andererseits weiter Kunden ans grenznahe Ausland verliert.
(Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 01.11.2011, 14:04 Uhr
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181 Kommentare
Was lese ich denn da, bin ich im falschen Film? Noch vor einigen Wochen hiess es, man brauche unbedingt mehr Einwanderer, um die offenen Stellen endlich besetzen zu können. Die Wirtschaft brauche unbedingt mehr Einwanderer. Ich denke, wir werden von Tag zu Tag immer etwas mehr angelogen. Antworten
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