Wirtschaft
Kommt nach der Immobilien- jetzt die Bondblase?
Von Philipp Löpfe. Aktualisiert am 07.01.2009 20 Kommentare
Moderne Industriestaaten besitzen bei Investoren viel Vertrauen. Ihre Schuldscheine, die Staatsanleihen, bieten zwar nur eine bescheidene Rendite, aber dafür sehr viel Sicherheit. Gerade ins Krisenzeiten sind Staatsanleihen deshalb sehr begehrt. In den vergangenen Monaten hat es einen eigentlichen Run Staatsobligationen gegeben, vor allem auf die amerikanischen, die so genannten US-Treasuries.
Die immer heftiger werdende Krise zwingt jedoch immer mehr Staaten zu immer massiveren Eingriffen. Angesichts der sich abzeichnenden Schulden bekommen die Investoren aber langsam ein flaues Gefühl im Magen: Sind Staatsanleihen wirklich immer noch sicher, oder kann es, wie im angeblich sicheren Immobilienmarkt, auch dort zu einem Crash kommen?
Zahlen stimmen nachdenklich
Die aktuellen Zahlen stimmen zumindest nachdenklich: Das US-Finanzministerium hat bereits angekündigt, in den nächsten zwölf Monaten 2000 Milliarden Dollar neue Schulden zu zeichnen. Dabei sind bereits jetzt US-Treasuries im Wert von 5820 Milliarden Dollar im Umlauf (Stand November 2008). Vor Jahresfrist waren es noch 4540 Milliarden gewesen.
Auch in Europa werden den Investoren Staatsanleihen in allen Schattierungen angeboten. Allein Grossbritannien will derzeit Obligationen im Wert von 146 Milliarden Pfund verkaufen, aber auch Frankreich, Deutschland & Co. werfen neue Anleihen auf den Markt. Gemäss Angaben der «Financial Times» sollen in Europa im Januar Staatsanleihen für 150 Milliarden Dollar verkauft werden, doppelt so viel wie vor Jahresfrist.
Zuschlag erhält, wer die tiefsten Zinsen verlangt
Staatsanleihen werden an Auktionen verkauft. Daran beteiligen sich vor allem die so genannten institutionellen Anleger (Pensionskassen, Versicherungen) und andere Regierungen. Wird die Auktion überzeichnet, dann werden die besten Angebote angenommen. Den Zuschlag erhält somit, wer die tiefsten Zinsen verlangt. Angesichts der allgemeinen Verunsicherung waren die Zinsen in den letzten Monaten extrem tief. Die Rendite von US-Treasuries mit eine Laufzeit von zehn Jahren sind von 3,85 Prozent auf 2,2 Prozent gefallen.
Jetzt zeichnet sich auf den Märkten eine Trendwende ab. In Grossbritannien, Deutschland und den Niederlanden mussten Auktionen mangels Interesses von Investoren abgesagt werden. Das wiederum bedeutet, die Staaten müssen mit höheren Zinsen neue Investoren anlocken, und das wiederum mindert den Wert der sich bereits im Umlauf befindenden Staatsanleihen. (Kurs und Renditen bewegen sich bei Staatsanleihen gegenläufig.)
«Nichts wie raus aus amerikanischen Staatsanleihen»
Das hat zwei Konsequenzen, beide unerfreulich: Steigende Renditen lassen die Preise der bestehenden purzeln. Pimco, der grösste Bondinvestor der Welt, schlägt deshalb Alarm. «Nichts wie raus aus amerikanischen Staatsanleihen. Sie sind sehr, sehr teuer», zitiert die «Financial Times Deutschland» den Chief Investment Officer Mohamed El-Erian. Für die Finanzminister ist diese Entwicklung ebenfalls verheerend. Sie müssen nicht nur mit höheren Schulden, sondern auch mit steigenden Zinsen leben.
Auch die Wirtschaft leidet unter dieser Entwicklung. Es kommt zum Phänomen, das in der Fachsprache «Crowding out» genannt wird. Gemeint ist dabei folgendes: Wenn Investoren das Vertrauen in Staatsanleihen verlieren, dann müssen sie mit höheren Renditen angelockt werden. Das wiederum verteuert auch die Obligationen, denn sie stehen in Konkurrenz zu den Staatspapieren. Die Unternehmen haben entweder höhere Kapitalkosten oder kein Geld für neue Investitionen.
Gibt es keinen anderen Ausweg? In der Theorie schon. Staaten müssen sich nicht zwangsläufig verschulden. Sie können problemlos Geld drucken, zumindest in der eigenen Währung. Die Folge davon ist allerdings verheerend: Es führt zu Hyperinflation. Ausser Zimbabwe denkt zum Glück niemand daran, diesen Ausweg zu benützen. (Bernerzeitung.ch/Newsnetz)
Erstellt: 07.01.2009, 19:57 Uhr
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20 KOMMENTARE
@Peter Knechtbühler: Ich lese schon lange Kommentare. ABER: So einen starken Kommentar, wie der Ihrige, habe ich noch nie gelesen. Ganz viel zutreffende Information, mit 400 Zeichen. Da möchte ich nur noch meinen eigenen Kommentar zufügen, dass es gar nicht schlecht ist, wenn eine Krise kommt, der Bogen war schon lange überzogen und der jungen Generation schadet es wenig und nützt viel fürs Leben
Die Renditen der Staatsoblis kehren jetzt wieder auf ein normaleres Niveau zurück. Investoren kauften bis vor kurzem aus Angst wie wild sichere Staatsbonds und demzufolge fielen die Renditen Jetzt passiert das umgekehrte. Geld wird vom "sicheren Hafen Staat" wieder abgezogen, weil die Renditen schllichtweg zu tief sind. Man kauft wieder Unternehmensanleihen. Bondblase? Wohl kaum...
Zur Erinnerung: Die Schweizer Notenbank hat zweitausend Tonnen Gold zu Ramschpreisen verkauft für kleine grüne Papierchen auf denen "Dollar" steht. Das gehörte aber dem Volk, nicht den gnädigen Herren zu Zürich. Das gibt noch Ärger der gröberen Sorte wenn das Volk das irgendwann merkt.
Fazit: Die Aktien sind im Keller, die Immobilien nichts Wert, das Gold steigt nicht und das Öl fällt, die Bonds sind Scheisse und die Obligationen stehen in Konkurrenz dazu die Arbeitnehmer werden entlassen und die Selbstständigen erhalten keine Kredite, die Armen werden immer ärmer und die Reichen werfen sich vor den Zug. Einzige Kaufempfehlung:Pulvermilch, Saatgut, Sackmesser, Zelte, Munition...
irgenwie beruhigend zu wissen, dass sich europa im reichen osten bis zum ural erstreckt... wir schweizer schaffen es im alleingang sicherlich nicht, das ist doch so, das schleckt kein politiker weg, da hilft auch kein schmollen gegen die kommende erweiterung der personenfreizügigkeit..., oder was meint der papst? Â
Auch die Schweiz wird, wie alle Staaten, gezwungen sein, mit der Notenpresse die immensen Schulden, die sie für ihre Stützungsaktionen einging, zu entwerten, und eine Hyperinflation herbeiführen. Staatsgarantien nützen gar nichts, wenn das Geld nichts mehr wert ist. Allein bei den Kantonalbanken sind Abermilliarden zinslos parkiert, für die keine Staatsgarantie der Kantone reichen würde.
Ich habe diesen Kommentar mit Interesse gelesen und bin etwa gleicher Meinung. Es ist schon erschreckend, was da noch auf uns zukommen könnte. Erschreckend ist auch, wieviele Satz- und Rechtschreibfehler dieser Beitrag enthält. Gibt es niemanden, der das nachlesen und korrigieren kann?
Danke für diesen Artikel, ist leider die bittere Realität: Der Abverkauf der Staatsanleihen und die folgenden Hyperinflationen kommen! Nur so kann sich der Staat entschulden, in dem er Pleite geht. Der Bürger wird dann, ausgenommen mit Sachwerten, enteignet. Rechne, USA & Co können ihre Zinsen/Zinseszinsen nie zurückbezahlen. Der CH-Finanzguru Marc Faber schliesst auch Pleite für CH nicht aus!
Spannender Artikel Herr Löpfe! Beim Durchlesen bin ich über einzelne Flüchtigkeitsfehler gestolpert. Kann man die noch rasch korrigieren? Und: Was die "Schweiz" bezüglich Notendrucken "denkt", wissen wir im Moment noch nicht... Aber das kann ja noch werden, he, he, .... Liebe Grüsse ;)
Hat sich der Löpfe wieder eine Schauergeschichte ausgedacht für anfangs 2009, mit aus dem Zusammenhang gerissenen Aussagen. Dass amerikanische Staatsanleihen dem Run nach Sicherheit entsprechen und das Kapital bei Verfall sicher zurückbezahlt wird ist gegeben. Es besteht nur die Gefahr, dass diese Papiere bei anziehenden Zinsen vorübergehend im Kurswert sinken. Keine Panik(macherei) bitte!
Ich vermute, je weniger Staatsgelder einfliessen (Steuerzahler), desto unsicherer werden die Staatsanleihen. Wenn ich investieren würde, dann nur in eine Leibrente oder die 3. Säule bei einer Kantonalbank (Staatsgarantie, Kapitalschutz und Emittentenrisiko). Und wenn die Bank ganz gut ist, hat sie eine Risikoversicherung für Kunden, falls es doch schief geht und sie rückzahlungsfähig bleibt.
Den Amerikanern würde ich keinen Cent leihen. In den letzten Jahren ist der Dollar so stark gefallen, dass sich die Anlagen nicht rentierten. Und wie anders als mit Inflation wollen sie das riesige Defizit ausgleichen ? Selbst bei einem Zinsfuss von mehr als 5 % wird die Geldentwertung nicht ausgeglichen werden.
Geld in kontrolliertem Ausmass zu drucken ist gegenwaertig, wo Disinflation eine groessere Bedrohung als Inflation darstellt, m.E. vertretbar, obwohl es eine verdeckte Vermoegenssteuer darstellt, die Ersparnisse wie Vermoegen betrifft. Es duerfte aber die bessere Wahl darstellen, als eine jahrelange Depression.
Wer beispielsweise Staatsanleihen mit zB. 2% Zins und 2-jähriger zu 100 USD gekauft hat und die Zinsen auf 3% steigen, dann sinkt der Wiederverkaufswert der Anleihe in der Tat (auf ca. 98 USD in diesem Fall). Aber spätestens beim Verfall/Rückzahlungstermin ist er garantiert wieder 100! Mit Ausnahme von Staatsbankrott. Beim Gelddrucken verlieren die 100USD permanent an Wert.--> Bonds sind sicherer!
Herr Löpfe gut was Sie da sagen Der Kapitalismus hat sich TOT gelaufen wegen der falschen verteilung des Geldes Einfache Leute in der westlichen Welt müssen mit wenig zufriedenn geben Auf der Welt gibt es heute ca 500 Multimiliardäre die Ihr Geld eben nicht ausgeben und nur noch mehr wollen von wem von den kleinen Konsumenten der jetzt die Zeche bezahlt danach Staaten Konkurse wie damals Schweden
Die wertarmen Forderungen (Beispiel: UBS bei uns) werden durch den Verkauf an uns (Staat) nicht werthaltiger. Dieser Artikel beschreibt den nächsten Akr des Dramas : Staatsbankrotte und Hyperinflation. Der Schlussakt wird eine "grosse Währungsreform" sein. Das ganze Schauspiel wird dann wieder von vorne beginnen.
Wir haben hier zwei Probleme, den USD als Währung und den USD als Investment. Amerika ist schon lange bankrott! Zinsen können nur mit neu aufgelegten Obligationen zurück bezahlt werden. Wir haben es hier mit einem Maddock hoch XX zu tun. Zusätzlich ist der Bondmarkt ein vielfaches grösser als der Aktienmarkt. Wenn es dort kracht dann kracht es richtig. Der Wert des Dollars halbiert sich im 2009.
Es gibt noch einen anderen Ausweg, weg von Fiat-Money zum alten Goldstandart. Russland denkt schon ernsthaft darüber nach. Vielleicht können wir in wenigen Jahren das ganze wertlose Papiergeld (inkl. Bond's, Fond's, Zertifikate etc. etc.) durch den Schreder lassen. Schön wär's!!!
die nächste Blase kommt nicht erst, sie ist bereits da; die Bondblase.
Aus NICHTS wurde Geld gemacht. Als Banker, Broker zugeben mussten, dass sie lange NICHTS teuer verkauft hatten, brach Hysterie aus. Hysterie deshalb, weil viele auf Pferden ritten, welche sich umgehen in Luft ( NICHTS) auflösten. Schlimm ist nun, dass die Netze ( Hilfspackete ) gerissen sind, auch der doppelte Boden ( Staatsgarantie ) zu brechen droht. Fliegen wir einem heissen Krieg entgegen?
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