Kein Auftakt zu weiteren Zinsschritten
Von Markus Diem Meier. Aktualisiert am 07.04.2011 5 Kommentare
(Bernerzeitung.ch/Newsnet)
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Fazit
Das wichtigste Fazit: Der Entscheid von heute ist laut Trichet nicht als Anfang einer Reihe von weiteren Zinserhöhungen zu verstehen. Die EZB will keine entsprechenden Erwartungen schüren und hat auch keinen Hinweis auf weitere grosse Inflationsgefahren kommuniziert.
Zum Thema der weiteren direkten Unterstützung gefährdeter Banken, das ebenfalls sehr stark interessiert hat, hat sich Trichet stets ausweichend geäussert. Wie es hier weitergeht, darüber kann nur spekuliert werden. In der Finanzpresse wurde bereits spekuliert, dass hier im führenden EZB-Rat keine Einigkeit bestehe. -
15.45
Die Pressekonferenz ist beendet.
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15.45
Trichet wird auf Spanien angesprochen. Er meint, es seien weitere Reformen nötig, insbesondere zur Flexibilisierung der Arbeitsmärkte. Dieser Kurs sei bereits eingeschlagen worden und auf den Finanzmärkten würden sich bereits Erfolge zeigen.
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15.42
Trichet macht Rückschau und sagt, man sei zwar immer von allen Seiten kritisiert worden, sei aber der eigenen Linie - Gewährleistung der Preisstabilität als einzige Aufgabe - immer verpflichtet geblieben und habe damit Erfolg gehabt. Trichet verlangt auch von allen anderen, dass Entscheide gefällt werden, dass die Märkte wieder normal funktionieren können. Insbesondere die Regierungen seien hier gefordert.
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15.39
Der Euro liegt gegenüber dem Franken und dem Dollar wieder etwa dort, wo er schon am Mittag lag, aber tiefer als gestern.
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15.38
Wieder die Frage, ob die peripheren Länder nicht im Regen stehen gelassen werden. Trichet sagt, das Gegenteil sei der Fall, denn die EZB-Politik sorge für Vertrauen, was direkt und indirekt allen Ländern hilft und damit auch den Ländern, die momentan grosse Schwierigkeiten haben. Wir tun, was getan werden muss, sagt Trichet.
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15.36
Eine Journalistin folgert, dass die EZB noch keine Strategie dafür habe, wie mit den von ihr abhängigen Banken umgegangen werden soll. Dann will sie mehr Informationen zur Entwicklung des Geldmarktes und ob es hier eine Normalisierung gegeben habe. Zum Umgang mit den Banken sagt Trichet, die EZB könne auch ohne Mehrheit entscheiden. Doch man habe beschlossen, keine Entscheidung zu fällen. Es fehle kein Konsens. Zu den Geldmärkten sagt Trichet, die aussergewöhnlichen Massnahmen für die Banken seien noch in Kraft, wie man wisse, und daher bestehe auch noch ein Liquiditätsüberhang, doch der werde immerhin langsam abgebaut.
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15.32
Eine Frage zu China und der dortigen Geldpolitik, ob es dort darum gehe, eine Überhitzung zu vermeiden. Trichet sagt, die Beziehungen zur chinesischen Zentralbank seien sehr eng. Er hüte sich aber davor, diese Geldpolitik zu kommentieren. Die Lage sei dort eine andere.
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15.29
Eine Journalistin fragt, ob Pläne bestehen würden, die Abhängigkeit einiger Banken von der EZB zu mindern. Trichet weicht erneut aus: Das habe er schon beantwortet. Man würde sich das anschauen. Wenn eine Entscheidung gefällt würde, würde auch informiert. Das Ziel sei, dass die Normalität wieder hergestellt werde, das Vertrauen wieder zurückkehre und die Finanzmärkte wieder normal funktionieren.
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15.26
Eine Frage zu einer möglichen Restrukturierung von Euro-Peripherieländern: Trichet sagt, man habe einen Plan und den gelte es jetzt durchzuziehen. Die Länder müssten eben Fehler korrigieren, die sie in der Vergangenheit begangen hätten und das gelte ganz besonders für die vom Journalisten genannten Peripherieländer.
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15.25
Ein Journalist fragt, wieso die Ängste vor Inflation jetzt bei der EZB so viel grösser seien als noch vor kurzem. Ausserdem sei hier auch die OECD entspannter, die dieselben Länder anschaue. Trichet meint, zuweilen kommen unterschiedliche Urteile zustande, doch andere hätte sich dann auch schon der EZB-Ansicht angeschlossen. Für die EZB gehe es jetzt vor allem darum, Zweitrundeneffekte zu vermeiden.
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15.20
Trichet nimmt dazu Stellung, ob sich bei der Inflation bereits Zweitrundeneffekten zeigen. Die Inflationserwartungen seien gut verankert geblieben. Hintergrund: Steigen sie, werden höhere Löhne gefordert, was zu einer Lohn-Preis-Spirale führen kann. Diese Gefahr besteht also laut Trichet bisher nicht. Trichet sagt, die EZB sei hier sehr wachsam und würde Zweitrundeneffekte nicht tolerieren, denn dann würde die Infaltion zu hoch liegen und das Vertrauen der Bürger würde leiden. Er appelliert sogar ausdrücklich an die Sozialpartner, hierauf zu achten.
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15.15
Jemand fragt, ob in der deutschen Wirtschaft eine Überhitzung drohe. Trichet sagt, die deutsche Volkswirtschaft sei die grösste der Eurozone, sie hat daher einen grossen Einfluss auf die beobachteten Durchschnitte. Er sei nun froh, dass Deutschland nicht mehr wie am Anfang der Währungsunion der kranke Mann Europas sei.
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15.15
Trichet betont auch im Zusammenhang mit Naturkatastrophen, wie wichtig es sei, dass die Staatsfinanzen möglichst gesund seien, damit man mit solchen Ereignissen besser fertig werden könne. Zum Hintergrund: Japans Staatsverschuldung lag schon vor der Krise bei mehr als 200 Prozent gemessen am Bruttoinlandprodukt.
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15.13
Ein japanischer Journalist hätte gerne eine Analyse zur Wirkung der Katastrophen in seinem Land auf die Weltwirtschaft. Trichet sagt, die Katastrophe dort sei der EZB-Leitung sehr zu Herzen gegangen. Man habe sofort gesehen, dass global die Einkaufsmanagerindizes negativ reagiert hätten. Doch schon beim Erdbeben in Kobe habe man gesehen, dass die nötigen Wiederaufbau-Arbeiten die Wirtschaft eher stimulieren würden. Die finanziellen Wirkungen würden abgefangen.
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15.10
Erneut werden die Probleme in Irland angesprochen und die Politik der EZB mit den dortigen Banken. Wieder sagt Trichet nichts weiter dazu. Auf die speziellen konjunkturellen Probleme dort meint Trichet wieder, gut verankerte Inflationserwartungen im ganzen Währungsraum würden letztlich allen zugutekommen, selbst jenen, die heute grössere Probleme hätten.
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15.07
Auf eine weitere Frage zur Unterstützung der irischen Banken meint Trichet erneut, hier gebe es nichts anzufügen.
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15.06
Der Euro sackt mittlerweile gegenüber dem Franken und dem Dollar nach den letzten Aussagen Trichets ab.
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15.05
Auf den Punkt angesprochen, warum die EZB mit dem Entscheid vorgeprescht sei, meint er, man schaue nicht auf die anderen, man tue mit Blick auf die eigene erwartete Preisstabilität das, was man tun müsse.
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15.04
Eine Frage zu Axel Weber. Ob er, der die Zentralbank verlässt, heute angewesen sei. Trichet sagt, er sei dagewesen und die Beschlüsse seien einstimmig erfolgt.
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15.03
Trichet weicht aus. Er würde sofort informieren, wenn die EZB hier etwas tun soll. Die Zentralbank appelliere an alle, Regierungen und Banken, sie sollten das Vertrauen in die Finanzmärkte wieder herstellen. Er nimmt zu den irischen Banken Stellung. Deren Rekapitalisierung sei in Absprache mit dem IWF und der EU-Kommission erfolgt. Man begrüsst daher diese Rekapitalisierung. Trichet betont ausserdem noch einmal, man habe heute nicht einen neuen Zyklus weiterer Zinserhöhungen beschlossen.
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15.00
Es wird gefragt, wie die EZB mit den Banken umgehen soll, die an ihrem Tropf hängen. Darüber sei bisher nichts gesagt worden. Auch wird nachgehakt, ob denn nun in den nächsten Monaten weitere Zinsschritte möglich sein könnten.
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14.59
Trichet nimmt auch zur Frage Stellung, ob in Europa das Investmentbanking von Universalbanken abgetrennt werden sollte. Er meint, das sei in Europa noch nie der Fall gewesen, aber man beobachte die weltweite Debatte sehr genau.
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14.55
Ein Journalist meint, die Zinserhöhungen hätten in den USA die Krise im Bankensystem ausgelöst. Er fragt, ob die EZB nichts Ähnliches in Europa befürchte. Trichet sagt, die Botschaft der EZB für die Banken sei klar. Sie müssten sich den Herausforderungen so stellen, dass sie ihre Gewinne einbehalten, vom Markt mehr Kapital aufnehmen und allenfalls die Rettungsmittel der Regierungen in Anspruch nehmen. Immerhin seien mittlerweile die Kredite an die Haushalte in den letzten Monaten gestiegen.
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14.52
Wieder eine Frage zu den Peripherieländer: Trichet sagt wieder, die EZB müsse für den ganzen Raum sorgen. Wenn die Wirtschaft sich da gut entwickle, würden alle Länder davon profitieren. Entscheidend sei hier alleine, dass die Inflation unter Kontrolle bleibe. Für alle Länder gelte, dass sie ihre Kosten wettbewerbsfähig halten müssten. Dafür brauche es Strukturreformen. Das gelte für alle Länder.
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14.51
Trichet spricht zu den Wirkungen auf die Peripherie-Länder. Er sagt, es gebe einen ausgewogenen Wirtschaftsraum und betont die Erfolge der Region in Sachen Inflation und sogar im Durchschnitt bei der Verschuldung. Einige Länder müssen ihre Situation allerdings wieder ins Lot bringen. Für alle Länder ist unsere Empfehlung dieselbe: Man muss vor den Problemen ansetzen.
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14.48
Zu Portugal meint Trichet, man habe die Regierung dort ermutigt, um Unterstützung zu bitten.
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14.47
Die Frage, wie es mit den Zinsen weitergeht, wird gestellt. Trichet sagt, der EZB-Rat habe die Zinsentscheidung einstimmig gefällt. Heute sei nur der erste Schritt gewesen, eine Reihe weiterer Erhöhungen sollen erfolgen.
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14.46
Die neu geplanten Massnahmen der Euroländer hält die EZB weiterhin für ungenügend. Denn die Verfahren seien zu lasch. Nötig seien mehr Strenge und mehr Automatismen, damit die Politik hier nicht schwächend eingreifen kann.
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14.46
Trichet betont, wie wichtig es sei, dass die Staaten ihre Finanzen stabilisieren. Wenn hier das Vertrauen verstärkt wird, würden die Risikoprämien und damit die Zinsen generell sinken. Ein Strukturwandel hin zu mehr Produktivität und flexibleren Arbeitsmärkten in den Euroländern sei ebenfalls nötig.
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14.45
Die jüngsten Preisentwicklungen führen nicht zu einem starken Anstieg der Inflation. Der Zinsanstieg sorgt hier ebenfalls dafür. Die Geldpolitik bleibt damit aber weiterhin locker und unterstützt auch die Arbeitsmärkte.
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14.40
Die steilere Renditekurve (die Zinsen über verschiedene Laufzeiten) könnte alleine dazu führen, dass M3 (die breiteste Geldmenge) weniger stark wächst. Der Kreditfluss an den Nichtbankensektor ist ausgewogener als früher. Die Banken sollten aber weitere Massnahmen zu ihrer Stärkung vornehmen.
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14.39
Trichet erläutert die Wachstumsraten der Geldmengen. Diese hätten sich zwar beschleunigt, würden aber bescheiden bleiben.
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14.37
Die gestiegene Inflation gehe vor allem auf die Rohstoffpreisanstiege zurück. Hier besteht angesichts der bestehenden Spannungen im Nahen Osten weiterhin ein Risiko.
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14.35
Die Konjunktur sollte weiterhin positiv verlaufen. Eine leicht abgeschwächte Konjunktur sei allerdings zu erwarten. Das Umfeld hoher Unsicherheiten bleibe aber bestehen. Der Welthandel könnte noch stärker wachsen, ebenfalls könnte sich das Vertrauen der Unternehmen deutlicher stärken. Sorgen um die Finanzmärkte bleiben aber ein Risiko, ebenfalls geopolitische Spannungen und eine ungeordnete Korrektur der weltwirtschaftlichen Ungleichgewichte.
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14.30
Die Pressekonferenz beginnt. Jean-Claude Trichet begrüsst die anwesenden Journalisten, drückt sein Beileid für die Opfer in Japan aus und erklärt den Zinsentscheid. Trichet sagt, die Liquidität bleibe dennoch ausreichend. Doch man wolle im mittleren Preishorizont auf jeden Fall eine steigende Inflation verhindern. Die Geldpolitik unterstützt auch mit den höheren Zinsen die Konjunktur. Die Unsicherheit über die weitere Entwicklung bleibe allerdings gross.
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13.04 Uhr: Ausgangslage
Wie allgemein erwartet wurde, hat die Europäische Zentralbank heute eine Anhebung ihres Leitzinses um ein Viertelprozent bekannt gegeben. Die Währungskurse haben darauf bisher erst verhalten reagiert. Der Grund dafür dürfte sein, dass man auf den Märkten sehr auf die Details des Entscheids gespannt bleibt. Insbesondere interessiert die Frage, ob die Zentralbank bald weitere Zinsschritte zu beschliessen gedenkt. Gespannt ist man auch auf Aussagen dazu, ob die Banken weiterhin so grosszügig wie bisher mit Liquidität versorgt werden oder ob die EZB diese Programme bald beendet. Die Pressekonferenz ist auf 14.30 Uhr anberaumt. Bernerzeitung.ch/Newsnet berichtet live.
Erstellt: 07.04.2011, 14:16 Uhr
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