Wirtschaft

KOF: Arbeitslosigkeit steigt auf historisches Hoch

Gemäss der neuesten Studie der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich steckt die Schweiz in einer langen und tiefen Rezession – mit entsprechenden Auswirkungen.

Die Schweiz befindet sich laut der KOF in einer langen und tiefen Rezession. Damit verbunden ist ein Anstieg der Arbeitslosigkeit bis auf sechs Prozent gegen Ende 2010. Ein auf den privaten Konsum ausgerichtetes dritten Konjunkturpaket könnte die Konsumschwäche und den Anstieg der Arbeitslosigkeit abfederten.

Wirtschaft schrumpft um 3,3 Prozent

Die Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF) hat die Erwartungen über die Wirtschaftsentwicklung in der Schweiz für dieses und nächstes Jahr deutlich nach unten korrigiert. War sie im März für 2009 noch von einem Rückgang des realen Bruttoinlandprodukts (BIP) von 2,4 Prozent ausgegangen, rechnet sie jetzt mit einem Minus von 3,3 Prozent. 2010 erwartet die KOF jetzt eine weitere Schrumpfung von 0,6 Prozent, verglichen mit einem Minus von 0,3 Prozent in der März-Prognose.

Das Winterhalbjahr sei erschreckend schlecht gelaufen, begründete KOF-Leiter Jan-Egbert Sturm am Dienstag den Pessimismus: Für das erste Quartal 2009 musste auf Grund der jetzt vorliegenden Daten die Wirtschaftsleistung in den wichtigsten Schweizer Exportdestinationen nochmals kräftig nach unten revidiert werden. Die Schweiz kann sich als kleine offene Volkswirtschaft der weltwirtschaftlichen Entwicklung nicht entziehen.

Exporte brechen massiv ein

Die Exporte werden 2009 um 12,1 Prozent einbrechen und 2010 wieder moderat um 0,3 Prozent zunehmen. Die Importe werden dieses und nächstes Jahr um 7,8 Prozent beziehungsweise 0,7 Prozent schrumpfen. Bei den Anlageinvestitionen wird ein Minus von 6,2 beziehungsweise 4,2 Prozent veranschlagt. Der Staatliche Konsum wird dagegen 2,0 Prozent beziehungsweise 1,0 Prozent zulegen.

Einer leichten Belebung bei den Exporten wird laut Sturm eine deutliche Schwächung des privaten Konsums - einer bisher wichtigen Stütze der Schweizer Binnenkonjunktur - gegenüberstehen. Die späte Belebung der Exporte wird zu schwach sein, um einen deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit zu verhindern. Die KOF veranschlagt für 2009 aber einen Anstieg der Arbeitslosenquote auf durchschnittlich 3,9 Prozent und für 2010 sogar auf das historische Hoch von 5,9 Prozent. Weil die Arbeitnehmereinkommen im nächsten Jahr kräftig zurückgehen, werde auch der private Konsum nachhaltig geschwächt. Nach einem noch minimen Wachstum von 0,2 Prozent in diesem Jahr wird der private Konsum nächstes Jahr um 0,4 Prozent zurückgehen.

Rezession dauert länger als in Nachbarländern

Durch das späte Übergreifen auf den privaten Konsum ist die Rezession in der Schweiz im internationalen Vergleich eher schwach verlaufen. Aus demselben Grund wird die Rezession in der Schweiz aber auch länger dauern als in den Nachbarländern. Für den EU-Raum veranschlagt die KOF für 2009 einen BIP-Rückgang von minus 4,3 Prozent und für 2010 ein Nullwachstum.

Mit einem auf den Privatkonsum ausgerichteten dritten Konjunkturpaket könnte die Konsumschwäche etwas abgefedert und dem Anstieg der Arbeitslosigkeit entgegengewirkt werden. Auf jeden Fall sollte laut einer KOF-Spezialanalyse auf Erhöhungen von Steuern und Abgaben verzichtet werden. (vin/sda/)

Erstellt: 09.06.2009, 14:59 Uhr

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