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Im nächsten Jahr kommt der Dämpfer

Von Markus Diem Meier. Aktualisiert am 08.11.2010 67 Kommentare

Die Arbeitslosigkeit der Schweiz ist im internationalen Vergleich tief, nicht aber für die hiesige Wirtschaft. Und die Erwartungen zum weiteren Konjunkturverlauf sind ernüchternd.

Kein weiterer Rückgang der Arbeitslosigkeit im nächsten Jahr: Neue Stellen lassen sich dann insgesamt schwerer finden.

Kein weiterer Rückgang der Arbeitslosigkeit im nächsten Jahr: Neue Stellen lassen sich dann insgesamt schwerer finden.
Bild: Keystone

Im internationalen Vergleich steht die Schweiz in Sachen Arbeitslosigkeit ausgezeichnet da. Heute hat das Seco die neusten Daten geliefert: Die Quote beläuft sich wie schon im September auf 3,5 Prozent, immerhin bereinigt um oft wetterbedingte saisonale Schwankungen hat sie seither leicht abgenommen, von 3,7 auf 3,6 Prozent, im Januar lag die offizielle Quote noch bei 4,5 Prozent. Die USA hat erst am Freitag eine solche von 9,6 Prozent und damit erneut keine Verbesserung gemeldet. Im Euroraum ist sie gemäss Eurostat vom August auf den September sogar gestiegen, von 10 auf 10,1 Prozent. Den Rekord dieser Länder hält Spanien mit 20,8 Prozent.

Für Schweizer Verhältnisse ist die Zahl allerdings nicht tief. Noch im Jahr 2008 lag die Quote bei 2,6 Prozent, blickt man noch viel weiter zurück, zum Beispiel in die 70er- und 80er-Jahre, lag die Quote fast immer bei unter 1 Prozent. Heute gilt allerdings eine Arbeitslosenrate von rund 3,1 Prozent in der Schweiz als «natürlich», das heisst, nicht konjunkturell, sondern strukturell bedingt.

Der Aufschwung nimmt sich Zeit

Ob die Arbeitslosigkeit weiter abnimmt, hängt von den Wachstumserwartungen ab . Hier erwarten praktisch alle Konjunkturbeobachter im nächsten Jahr deutliche Dämpfer: Laut der Einschätzung der Bundesökonomen vom Seco wächst die Schweizer Wirtschaft im nächsten Jahr nur noch 1,2 Prozent, im laufenden Jahr erwarten sie ein durchschnittliches Wachstum von mehr als doppelt so viel: 2,7 Prozent. Die Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (Kof), die am Freitag ihre Herbstprognose veröffentlicht hat, ist für das nächste Jahr mit 1,8 Prozent Wachstum leicht optimistischer.

Ein solches Wachstum wäre zu tief, um mit dem Wachstum der Produktivität und der Bevölkerung mithalten zu können – dem sogenannten Potenzialwachstum. Dieses wird für die Schweiz auf rund 2 Prozent geschätzt. Das bedeutet, dass sich im nächsten Jahr die Lage auf dem Arbeitsmarkt nicht mehr weiter verbessert. Das bestätigt auch Serge Gaillard, Leiter der Direktion für Arbeit beim Seco: «Der Rückgang der Arbeitslosigkeit sollte im nächsten Jahr vorübergehend zum Stillstand kommen.» In Zahlen ausgedrückt wird die durchschnittliche Arbeitslosenquote gemäss Seco im nächsten Jahr bei 3,7 Prozent liegen, nur 0,2 Prozent unter dem erwarteten Durchschnittswert von 3,9 Prozent im laufenden Jahr.

Der Preis des teuren Frankens

Laut dem Seco liegt der Hauptgrund für den konjunkturellen Dämpfer im teuren Frankenkurs, der sich künftig deutlich auf die Exporte auswirken werde. Optimistischer als das Seco ist allerdings das Kof, das für das nächste Jahr nur noch von einer Arbeitslosenquote von 3,2 Prozent ausgeht. Die Unterschiede in den Einschätzungen sind Ausdruck einer nach wie vor sehr grossen Prognoseunsicherheit. Diese zeigt sich zum Beispiel beim Seco auch daran, dass das Bundesamt die eigenen Schätzungen nach nur einem Quartal drastisch geändert hat. Noch im Juni haben die Ökonomen dort für 2010 ein Wachstum von 1,8 Prozent erwartet, bereits im September korrigierten sie diese Erwartungen auf 2,7 Prozent.

Die Prognoseunsicherheit besteht seit dem Ausbruch der Finanzkrise und hat dazu geführt, dass der Konjunkturabsturz zu Beginn der Krise überall unterschätzt wurde, genauso wie die anfängliche Erholung unmittelbar danach. Die Risiken, die zu einer deutlich anderen als der erwarteten Entwicklung führen können, liegen im Ausland. Neben dem Wechselkurs ist auch der Aufschwung der Weltwirtschaft insgesamt entscheidend. Grösseren Turbulenzen bei den Wechselkursen oder im Finanzsektor, einer verschärften Krise in den USA oder einer neuen im Euroraum würde sich auch die Schweiz nicht entziehen können.

Stabile Inlandwirtschaft

Im Inland selbst ist die Konjunkturlage immerhin ziemlich stabil: Der Konsum hat im September laut Bundesamt für Statistik im Jahresvergleich real (preisbereinigt) um 3,8 Prozent zugelegt, gänzlich unbeeindruckt von der verbleibenden Arbeitslosigkeit. Wie zuversichtlich die Schweizer Konsumenten in die Zukunft blicken, enthüllt der Index zur Konsumentenstimmung, den das Seco morgen wieder veröffentlicht. Bei der letzten Veröffentlichung im Juli hat der Index leicht von 14 auf 16 Punkte zugelegt. Erwartet wird jetzt eine weitere Verbesserung auf 17 Punkte. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 08.11.2010, 15:58 Uhr

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67 Kommentare

Toni Schuster

08.11.2010, 16:31 Uhr
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Es ist beinahe zynisch, bei dieser tiefen Rate einen negativen Artikel zu schreiben. Zudem basiert die Berechnung der Arbeitslosigkeit immer noch auf der Erwerbsbevölkerung aus dem Jahr 2000 (letzte Volkszählung). Würde man dies aktualisieren, so käme man wahrscheinlich auf weit tiefere Werte. Antworten


René Meier

08.11.2010, 17:00 Uhr
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Sie Herr Hegg, schreiben Sie doch der EU einen Brief und erklären Sie den Europäern, dass wir in der Schweiz von der PFZ nur die Rosinen nehmen und die trockenen Brosamen wieder zurückschicken. Mit freundlichen Grüssen. Antworten



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