«Ich hoffe, das ist das Ende der Superreichen»
Interview: Marc Brupbacher. Aktualisiert am 06.05.2010 128 Kommentare
«Soziale Brisanz ist weit über die Grenzen von Athen vorhanden»: Ueli Mäder.
Zur Person
Ueli Mäder ist Professor für Soziologie an der Universität Basel und der Hochschule für Soziale Arbeit. Im Herbst erscheint sein neues Buch «Wie Reiche denken und lenken» (rpv, Zürich), das er mit Ganga Jey Aratnam und Sarah Schilliger verfasst.
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Die Rosskur im Kampf gegen die Staatsschulden führt in Athen zu schweren Ausschreitungen. Bisher sind drei Tote zu beklagen. Doch auch abseits von Griechenland brodelt es in der Europäischen Union. Die Menschen haben Angst vor Arbeitslosigkeit und sozialem Abstieg. Und sie sind wütend auf die Politiker. Die Sorge vor gewaltsamen Protesten wächst. Immer wieder haben hohe EU-Beamte davor gewarnt, dass soziale Unruhen in Europa ausbrechen könnten.
Gemäss dem Soziologieprofessor Ueli Mäder sind für die gegenwärtige Krise in Europa vor allem die riesigen Ungleichheiten in der Einkommens- und Vermögensverteilung verantwortlich. Mäder sagt, die Welt werde heute von einem Feudalsystem beherrscht, das von Superreichen und multinationalen Unternehmen geprägt wird. Um künftige Krisen zu verhindern, müsse dieses System beseitigt werden.
Herr Mäder, in Athen herrscht Ausnahmezustand. Gehen die Griechen besonders schnell auf die Barrikaden oder drohen solche Unruhen auch in anderen Ländern?
Griechenland ist mit 76 Prozent im Ausland verschuldet, Spanien mit 81 Prozent, Portugal mit 99 Prozent. Soziale Brisanz ist also weit über die Grenzen von Griechenland hinaus vorhanden.
Was muss die Politik nun tun, damit sich die Lage in Athen beruhigt?
Sie muss lernen, Kritik zu akzeptieren und glaubwürdig darlegen, wie sie die Steuerhinterziehung der Konzerne und mittleren Unternehmen bekämpfen will. Intern sind die Verhandlungen mit den Gewerkschaften wichtig, extern jene mit der EU.
Was für eine Rolle spielen die riesigen Ungleichheiten bei den Löhnen und Vermögen für die jetzige Krise in Europa?
Diese Ungleichheiten sind zentral. Bis zu den 1970er verringerten sie sich. Damals glaubten viele, das gehe immer wo weiter. Inzwischen werden aber immer mehr Gewinne privatisiert. Diese Mittel fehlen den unteren Einkommen und der Öffentlichkeit. In Europa hat sich seit 1989 das Kapital stark konzentriert. Die Politik liess sich teilweise übergehen und instrumentalisieren. Im Kontext der Finanzkrise meldet sich die Politik nun zwar zurück. Wobei viele Spitzenpolitiker aus begüterten Kreisen kommen. Die einfachen Einkommen sind kaum vertreten.
Sie sagen, weltweit habe eine Feudalisierung stattgefunden. Ist nun die Zeit gekommen, wo die Grenze der Ungleichheit erreicht ist und das System kippt? Ist das der Anfang vom Ende der Superreichen?
Ich hoffe es. Und es gibt auch Reiche, die das sagen. Sie fürchten, dass sonst der soziale Zusammenhalt auseinanderbricht. Politisch Liberale wollen ein ausgewogeneres Verhältnis zwischen Kapital und Arbeit. Aber der wirtschaftliche Liberalismus zelebriert genau das Gegenteil: die Unterschiede. Da stehen noch intensive Auseinandersetzungen bevor.
Was schlagen Sie vor, um die jetzige Krise in Europa zu bewältigen und den Kontinent in eine stabilere Zukunft zu führen?
Zentral ist der soziale Ausgleich von Arbeit und Erlös. Zudem sind Wirtschaft und Gesellschaft weiter zu demokratisieren. Freiheit erfordert eine Sicherheit, die auch dazu motiviert, selbst Verantwortung zu übernehmen.
(Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 06.05.2010, 15:16 Uhr
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128 Kommentare
Das Problem Europa ist ein Sozialistisches Problem. (UssEurope). Alle Leiter der (EU) Europäischen Finanzwelt, Trichet und Strauss-Kahn, sind Funktionäre, keine Privatebänker wie die Leute der FED. Diese EUROPA Finanzhaie, gesteuert vom Grössenwahn der 2 grossen arroganten Schwergewichte in Europa, D und F, haben die Schuld an der jetzigen Situation. Antworten
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