Hoffnungen stützen Euro
Von Robert Mayer. Aktualisiert am 25.01.2011 8 Kommentare
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Erstmals seit langem scheint der Euro an den internationalen Finanzmärkten eine Vertrauensbasis gefunden zu haben. Den deutlichsten Hinweis dafür lieferten die aktuellsten wöchentlichen Volumenangaben der Chicagoer Börse CME, einer der weltweit grössten Handelsplätze für Terminkontrakte. Ihre Daten für die sieben Handelstage bis zum 18. Januar offenbaren zwei bemerkenswerte Entwicklungen: Erstens überwiegen nach langer Zeit die Wetten, die auf einen Kurszuwachs des Euro zum Dollar setzen, gegenüber jenen mit umgekehrter Stossrichtung. Wenngleich dieser Saldo mit knapp 690 Millionen Dollar relativ bescheiden ausgefallen ist.
Erst der Vergleich mit dem Saldo in der vorangegangenen Woche führt indes – zweitens – den Umschwung am Markt vor Augen. Damals hatten noch die Wetten auf eine Kurseinbusse des Euro zum Dollar mit einem Saldo von 7,4 Milliarden Dollar klar die Oberhand. Somit haben die Akteure an der CME innerhalb einer Woche Wetten auf einen erstarkenden Euro im Nettowert von über 8 Milliarden Dollar platziert – eine Rekordsumme. Die Zahlen der Chicagoer Börse decken zwar nur einen geringen Teil des globalen Devisenhandels ab. Da sie aber einen Fingerzeig liefern für die Befindlichkeit spekulativ orientierter Devisenhändler wie zum Beispiel Hedgefonds, die mit ihren kurzfristigen Transaktionen die Währungskurse zu beeinflussen vermögen, werden sie entsprechend stark beachtet.
Widerstandslinie durchbrochen
Die günstigere Einschätzung des Euro an den Märkten widerspiegelt sich auch in dessen jüngstem Kursverlauf. Am vergangenen Freitag hatte die europäische Gemeinschaftswährung eine charttechnisch wichtige Widerstandslinie bei 1.3570 Dollar durchbrechen und in der Folge die 1.36er-Marke überspringen können. Gestern Nachmittag bewegte sich der Kurs allerdings wieder knapp unter 1.36 Dollar.
Was hat die Devisenspekulanten bewogen, den Druck auf den Euro zu mildern? Hauptgrund dürfte laut Beobachtern sein, dass sich an den Märkten die Überzeugung verbreitet, die Eurozone werde sich bis März auf einen umfassenden Massnahmenplan zur Eindämmung der Schuldenkrise verständigen. Darin enthalten wäre wohl eine Aufstockung des 440 Milliarden Euro schweren Rettungsfonds der Euroländer für ihre bedrängten Mitglieder, gegen die sich bislang Deutschland, der grösste Financier, zur Wehr setzt. Eine derartige Verstärkung des Euro-Sicherheitsnetzes würde an den Märkten neues Vertrauen schaffen.
Hilfe aus China und Japan
Vertrauensbildung für den Euro haben kürzlich bereits China und Japan geleistet – mit ihren Absichtserklärungen, Staatsanleihen von Problemländern an der europäischen Peripherie respektive Schuldpapiere des Euro-Rettungsfonds zu kaufen.
Als kursstützend für Europas Gemeinschaftswährung gilt ferner die Anfang Januar verschärfte Tonart der Europäischen Zentralbank (EZB) bezüglich der Inflationsgefahren in der Währungsunion. Ihr Präsident Jean-Claude Trichet hat am Montag gegenüber dem «Wall Street Journal» bekräftigt, dass die EZB keine Überwälzung der jüngsten Preissteigerungen bei Öl, Rohstoffen und Nahrungsmitteln auf andere Güterpreise sowie davon ausgehende Lohnzuwächse (sogenannte Zweitrundeneffekte) zulassen werde. Laut Beobachtern könnten sich die Frankfurter Währungshüter daher gezwungen sehen, die Leitzinsen bereits im kommenden Herbst, und damit früher als erwartet, anzuheben. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 24.01.2011, 21:25 Uhr
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