Hiobsbotschaft für die Weltwirtschaft
Aktualisiert am 08.07.2011 12 Kommentare
Arbeitsmarktdaten drücken auf Börsen
Der Schweizer Aktienmarkt hat deutlich tiefer geschlossen. Grund waren hauptsächlich schlechter als erwartet ausgefallene US-Arbeitsmarktzahlen.
Der Schwergewichte-Index SMI sank um 0,94 Prozent auf 6152,69 Punkte. Der breite SPI verringerte sich um 0,87 Prozent auf 5660,40 Zähler.
DAX und Wall Street leiden
Auch der deutsche Aktienmarkt hat auf die Nachrichten vom US-Arbeitsmarkt reagiert und deutliche Verluste hinnehmen müssen. Am Vortag waren die Kurse in der Annahme guter Zahlen aus Amerika noch gestiegen. Der DAX büsste 0,9 Prozent ein und schloss bei 7.403 Punkten. Der MDAX gab um 1,1 Prozent nach und ging mit 11.069 Zählern aus dem Handel. Der TecDAX fiel um 1,3 Prozent auf 899 Punkte.
Die New Yorker Wall Street litt ebenfalls. Der Dow-Jones-Index verlor bis 17.50 Uhr (MESZ) 0,9 Prozent auf 12.609 Punkte. Der Nasdaq-Composite büsste 1,1 Prozent auf 2.841 Zähler ein.
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Schon das erste Quartal verhiess für die US-Wirtschaft nichts Gutes. Der US-Arbeitsmarkt kommt nach wie vor nicht in Gang und schürt die Furcht vor einer erneuten Rezession der weltgrössten Volkswirtschaft: Die Arbeitslosenquote ist im Juni sogar überraschend gestiegen.
Ausserhalb der Landwirtschaft wurden unter dem Strich insgesamt nur 18'000 Stellen geschaffen, wie das Arbeitsministerium am Freitag mitteilte. Das ist der schwächste Jobaufbau seit neun Monaten und wesentlich weniger als die von Ökonomen erwarteten 90'000 neuen Stellen.
Die Arbeitslosenquote stieg gegenüber dem Vormonat sogar von 9,1 auf 9,2 Prozent. In den USA sind derzeit 14,1 Millionen Menschen ohne Arbeit. Am stärksten sind junge Leute von der Arbeitslosigkeit betroffen (24,5 Prozent). Bei schwarzen Menschen liege die Quote bei 16,2 Prozent, bei Weissen lediglich bei 8,1 Prozent, teilte das Ministerium mit.
Enttäuschender Stellenaufbau
Die Privatfirmen stockten im Juni ihre Belegschaften zwar um 57'000 auf. Zugleich trennte sich der unter Sparzwängen leidende Staat von 39'000 Mitarbeitern. Das kleine Nettowachstum ist viel zu wenig, um die Misere zu lindern. Monatlich sind nach einer Faustregel etwa 300'000 neue Stellen nötig, um die Arbeitslosigkeit spürbar zu senken.
Bisher wurde nur ein Bruchteil der 8 Millionen Stellen wieder aufgebaut, die in der schwersten Wirtschaftskrise seit den 1930er Jahren gestrichen wurden.
Die Finanzmärkte reagierten geschockt. An der Wall Street gaben die Kurse stark nach. Auch die Schweizer Börse drehte ins Minus und der Dollar fiel von gut 85 auf unter 84 Rappen.
Zweifel am Aufschwung
Die Arbeitsmarktzahlen wecken zunehmend Zweifel am Aufschwung, den die US-Notenbank Fed mit einem mittlerweile ausgelaufenen Bond- Ankaufprogramm kräftig befeuert hatte. Experten spekulieren bereits, ob Fed-Chef Ben Bernanke wegen der anhaltenden Job-Misere nachlegen muss.
Die Fed hat ihr Staatsanleihen-Ankaufprogramm Mitte des Jahres beendet, mit dem sie rund 600 Miliarden Dollar in die Wirtschaft gepumpt hat. Jedoch stützte die Notenbank das Finanzsystem weiter mit ultraniedrigen Zisen, die sie auch noch «geraume Zeit» beibehalten will.
«Offenbar spekulieren Anleger nun auf ein neues Konjunkturprogramm der US-Notenbank Fed», sagte Devisen-Analyst Mario Mattera. Man stelle sich nun die Frage, ob die Erholung vorüber sei und den USA nun eine neue Rezession drohe.
Auch Europa schwächelt
Das Phänomen, das hinter den Jobmarktbewegungen steckt: «Der Arbeitsmarkt ist ein nachlaufender Indikator», sagt ZKB-Analyst Claude Zehnder. Einer höheren Arbeitslosigkeit gehen eine schlechtere Auftragslage und schwächere Absatzzahlen voraus.
Dass es Europa besser ginge, sei ein Gerücht. «Nur Deutschland hat sich etwas erholt», so Zehnder. Nun werde sich das Weltwirtschaftswachstum wieder etwas verlangsamen. Noch bleibt dieser Trend aber im Rahmen, denn: «Wenn eine Weltwirtschaft aus der Rezession kommt, folgt einer leichten Erholung zumeist ein kleiner Dämpfer.»
Bedenklich hingegen sei, dass die Geld- und Fiskalpolitik auf beiden Kontinenten ihr Pulver bereits verschossen habe. (kpn, fib)
Erstellt: 08.07.2011, 19:41 Uhr
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12 Kommentare
So lange die Volks-, und Betriebswirtschaftler die imaginäre Wertschöpfung mittels Aktienkurssteigerung mit realer Wertschöpfung verwechseln und zwecks kurzfristiger Gewinnoptimierung ihre Betriebsmittel liquidieren wird sich daran nichts ändern. Wirkliche Erholung wird es erst dann geben, wenn die Betreffenden realisieren, dass die wahre Kraft einer Wirtschaft in ihrem Mittelstand liegt. Antworten
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