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Hildebrand vs. Grübel

Von Markus Diem Meier. Aktualisiert am 21.06.2010

Auf dem Finanzplatz Schweiz droht ein Kampf zwischen der Nationalbank SNB und den Grossbanken um künftige Regulierungen. Die Chefs der SNB und der UBS duellieren sich zunehmend auch öffentlich.

Der Kampf um die künftige Regulierung der Schweizer Grossbanken wird zunehmend heftiger: SNB-Chef Phlipp Hildebrand und Oswald Grübel, CEO der UBS.

Der Kampf um die künftige Regulierung der Schweizer Grossbanken wird zunehmend heftiger: SNB-Chef Phlipp Hildebrand und Oswald Grübel, CEO der UBS.
Bild: Keystone

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Die Auseinandersetzung um die künftige Regulierung der Schweizer Grossbanken tritt in die entscheidende Phase. Im August soll die Expertengruppe des Bundes zur sogenannten «Too-big-to-fail»-Problematik ihren Bericht veröffentlichen. Dort sitzen auch die Grossbanken ein. Alles deutet darauf hin, dass die Auseinandersetzungen alles andere als harmonisch verlaufen. Die beiden Pole dieses Kampfes bilden einerseits die Schweizerische Nationalbank um deren Präsidenten Philipp Hildebrand und auf der anderen Seite die Grossbanken Credit Suisse und UBS. (UBSN 11.15 -0.89%) Äusserst gehässig ist die Auseinandersetzung schon länger. Laut der Zeitung «Sonntag» soll ein einstiger UBS-Verwaltungsrat bereits über Hildebrand gesagt haben, «der wird nie mehr einen anderen Job in der Schweiz finden». Seit dem letzten Freitag hat nun mit UBS-Chef Oswald Grübel ein Grossbankenchef direkt das Duell mit Hildebrand aufgenommen. Und das sind die wichtigsten Kampflinien:

Die Regulierung als Gefahr für Banken,Volkswirtschaft und Jobs

Die Banklobby weltweit wehrt sich gegen zunehmende Auflagen und Kontrollen immer mehr mit dem Argument, solche mindere ihre Profitabilität, was der Volkswirtschaft schaden würde und Stellenverluste zur Folge hätte. In der Schweiz hat UBS-CEO Oswald Grübel in einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger» ein Horrorszenario gemalt, das eintrete, wenn die SNB-Präsident Philipp Hildebrand seine Regulierungsideen umsetze: «Es würde das Wirtschaftswachstum erheblich drücken, es gäbe weniger Kredite, weil jede Bank die Bilanz reduzieren würde, das hiesse auch, dass Tausende von Arbeitsplätzen weggingen, und sich für uns niedrigmargige Geschäfte nicht mehr lohnten.» Mit krassen Bedrohungsszenarien macht Grübel nicht zum ersten Mal von sich reden. Schon Anfang 2003 mahnte er, die Finanzbranche litte unter einer Überkapazität von 25 bis 30 Prozent. Dass die Banken weltweit in ihren Annahmen übertreiben und schummeln, um zu solchen Szenarien zu gelangen, hat auch der Chefökonom der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), Stephen Cecchetti, aufgedeckt (siehe Artikel zum Thema). Dass eine zusätzliche Regulierung den Geschäftserfolg der Banken mindern wird, ist dennoch unbestritten. Doch der bisher hohe Geschäftsertrag war auch die Folge davon, dass die Banken hohe Risiken eingegangen sind, für die im schlimmsten Fall die Steuerzahler geradestehen müssen.

Der Streit um die Stabilität der Grossbanken

Der unmittelbare Auslöser für die Attacke des UBS-Chefs gegen die Führung der Nationalbank könnte deren Einschätzung zur Stabilität der beiden Grossbanken gewesen sein, die sie am Donnerstag publiziert hat. Der sogenannte Bericht zur Finanzmarktstabilität relativiert das Bild, das die beiden Banken von sich zeichnen gewaltig: Während UBS und Credit Suisse in ihren Berichten stolz darauf hinweisen, dass sie gemessen an ihren Kapitalkennzahlen im internationalen Vergleich hervorragend dastehen, zeichnet die SNB (SNBN 1089 2.06%) genau das gegenteilige Bild: Gemäss der Erhebung der Nationalbank ist die Kapitalisierung der Schweizer Grossbanken die zweitschlechteste aller internationalen Banken, nur bei den französischen Grossbanken sieht es schlimmer aus. Die Grossbanken kommen nur gut weg, wenn das Kapital im Verhältnis zu den sogenannten risikogewichteten Anlagen betrachtet wird. Die Risikogewichtung beruht auf ihren eigenen Modellen. Die SNB hingegen setzt den Fokus auf den Vergleich des Eigenkapitals zu allen Anlagen – den Risikomodellen traut sie nicht – ausserdem fasst sie das Eigenkapital enger, indem sie sogenannt hybrides Kapital und aufgeschobene Steuergutschriften davon ausschliesst.

Hohe Boni – gerechtfertigt oder nicht?

Auf scharfen Konfrontationskurs zur Verteidigungslinie der Grossbanken geht Hildebrand auch in der Bonifrage. Exorbitante Boni werden vor allem im Investmentbanking bezahlt. An einer Veranstaltung Ende Januar in Vevey hat laut «Sonntag» der SNB-Chef vor führenden Wirtschafts- und Bankenvertretern dem UBS-Verwaltungsratspräsidenten Kaspar Villiger widersprochen, als dieser die hohen Boni mit der Notwendigkeit der Bank begründete, gute Investmentbanker zu halten. Hildebrand soll entgegnet haben, dann sollen die Investmentbanker doch gehen, sie würden für die Bank ohnehin eine Gefahr darstellen.

Dass das Investmentbanking und das internationale Geschäft unverzichtbarer Bestandteil ihres Geschäftsmodells sind, steht für die Grossbanken ausser Frage, aktuell ist es sogar ihr grösster Gewinntreiber. Dass SNB-Präsident Philipp Hildebrand in einem Referat Ende Mai ausgerechnet den Nutzen dieses Geschäfts grundlegend infrage gestellt hat, war daher für die Banker eine gewaltige Provokation. Hildebrand erklärte, die Töchter der Banken im Ausland hätten über die letzten zehn Jahre insgesamt Verluste geschrieben. Selbst der Behauptung, dank des vor allem im Ausland betriebenen Investmentbankings würden die Grossbanken von Synergieeffekten profitieren, erteilte der SNB-Chef eine Absage: «Gestützt auf eine sorgfältige Analyse der verfügbaren Daten kommen beträchtliche Zweifel an der Synergie zwischen dem Ausland- und dem Inlandgeschäft der Banken auf», erklärte Hildebrand.

Der Rückkauf der Schrottpapiere aus dem Stabfund

Noch immer sitzt die Nationalbank, beziehungsweise der von ihr geleitete «Stabfund» auf übernommenen Schrottpapieren der UBS im Umfang von rund 20 Milliarden Dollar. Die UBS hat damit noch immer den Makel, vom Staat mittels SNB gestützt zu werden. Deshalb hat ihr Chef Oswald Grübel schon wiederholt erklärt, dass er die Papiere wieder in die Bank zurücktransferieren möchte. Die Nationalbank verweigert das mit Hinweis darauf, dass die UBS noch nicht genügend stabil aufgestellt sei.

Im Hintergrund dieser immer heftigeren Auseinandersetzungen, in deren Zentrum der SNB Chef Philipp Hildebrand steht – und auf der Gegenseite jetzt zunehmend Oswald Grübel – findet die Ausmarchung darüber statt, wie weit die Grossbanken in der Schweiz tatsächlich reguliert werden. Hier geht es um viel Geld und Macht. Daher ist zu erwarten, dass der Kampf an Schärfe künftig weiter zunehmen wird. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 21.06.2010, 14:22 Uhr

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