Europas Banken verkaufen ihr Tafelsilber
Aktualisiert am 13.12.2011 14 Kommentare
Artikel zum Thema
- Lettische Bankkunden in Panik
- Chef der europäischen Bankenaufsicht warnt vor Kreditklemme
- Moody's stuft drei französische Banken herab
- Europas Banken fehlen 115 Milliarden Euro
- Die sichtbare Hand
- Merkel will jetzt die Brandmauer doch erhöhen
- Monti und Merkel werben für Finanztransaktionssteuer
Mögliche Entlastung
Die strengeren Kapitalisierungsvorschriften sollen nicht nur die Banken auf sichere Beine stellen, sondern langfristig auch die Staaten entlasten. Das Euroland Spanien etwa steht aktuell unter dem Druck, von der Ratingagentur Moody´s in seiner Bonität herabgestuft zu werden. Auch bei Frankreich ist es nur noch eine Frage der Zeit: Den Verlust des Triple A hat Standard & Poors´s von langer Hand angekündigt.
Sinngemäss lautet die Begründung für die Herabstufungen: Die Kombination aus Gesamtverschuldung und Neuverschuldung kratzt an der Kreditwürdigkeit des jeweiligen Landes. Einer der Gründe für die hohen Verschuldungen der Euroländer sind die milliardenschweren staatlichen Unterstützungszahlungen für die Banken bzw. deren Verstaatlichung in den Krisenjahren 2008 und 2009. Hinzu komme die Rezessionsgefahr in Europa, die die Konjunkturaussichten deutlich dämpft.
Die Verschuldung und die schlechten Aussichten darauf, dass die Wirtschaft anzieht oder der Staat in der Lage ist, strauchelnde Banken aufzufangen – das sind die Faktoren, die in die Berichte der Ratingagenturen einfliessen. (fib)
Stichworte
Korrektur-Hinweis
Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.
Bleischwer lasten die strengeren Eigenkapitalvorschriften und das gegenseitige Misstrauen auf den Banken in Europa. Immer weniger Kreditinstitute verleihen untereinander Geld – die Sorge steigt, dass man das Geld nicht mehr zurückbekommt. Aus diesen Gründen müssen die Finanzinstitute ein Sicherheitspolster anlegen, das auf Kosten der eigenen Finanzkraft geht. Mit mehr als 115 Milliarden Euro müssen sich Europas Banken dem Stresstest der Europäischen Bankenaufsicht (EBA) zufolge refinanzieren. Die finanzielle Aufrüstung soll die Geldhäuser in Krisenzeiten standhafter machen.
Um die Rekapitalisierung zu bewältigen, kratzen Europas Banken jetzt im grossen Stil Geld zusammen. Und das auf zweierlei Weise:
- Erstens, indem die Banken sich als institutionelle Investoren aus Anlagefonds der aufstrebenden Märkte zurückziehen. Laut dem Quartalsbericht der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) sind in den Monaten August und September insgesamt fast 19 Milliarden Euro aus den Schwellenländern abgeflossen. Die Abzüge sind so massiv, dass mittlerweile die betreffenden Nationalbanken einspringen müssen, um die jeweils eigene Währung zu stützen. Die Nationalbanken Brasiliens, Indonesiens oder der Türkei mussten deshalb bereits intervenieren. Die weltweiten Zuflüsse inklusive jener aus den Schwellenländern zu europäischen Banken betragen im selben Zeitraum sogar 64 Milliarden Euro.
- Zweitens, indem die Banken gewinnträchtige Geschäftsbereiche verkaufen: Die spanische Banco Santander etwa muss dringend eine Finanzlücke von 5,2 Milliarden Euro füllen. Eine erste Massnahme dazu war, die Standorte in Kolumbien an die Chilenische Corpbanca für 873 Millionen Euro zu verkaufen. Die Deutsche Bank wolle dem Nachrichtendienstleister Bloomberg zufolge einen grossen Teil ihrer Vermögensverwaltung abstossen. Und die belgische KBC Bank überlegt, das polnische Geschäft zu verkaufen.
Diese Massnahmen werden in den nächsten Jahren stark an der Profitabilität der Banken nagen, sind sich die Analysten einig. «Immerhin sind das die profitabelsten Geschäftsbereiche», sagt Azad Zangana, Ökonom beim Investmentfonds Schroders. Mit einem Vorteil: Europäische Banken werden zwar weniger profitabel, dafür auch weniger riskant sein. «Der Preis dafür ist, die Kronjuwelen zu verkaufen», sagt Analyst Christophe Nijdam vom Brokerhaus Alphavalue. Das sei jedenfalls die einfachere Variante, schnell an Kapital zu kommen, als neue Aktien auszugeben. Denn in den vergangenen Monaten haben Bankentitel stark an Wert verloren und sind für Investoren nicht attraktiv genug.
Krisenfall Portugal
In Portugal ist die Lage derzeit besonders dringlich: Eine handvoll Kreditinstitute wird aller Voraussicht nach teilverstaatlicht werden müssen. Im Gegenzug müssen Portugals Banken Vermögen von 78 Milliarden Euro verkaufen. Das ist die Bedingung des Staates Portugal gegenüber den Geschäftsbanken. Eine Aufstellung von Bloomberg hat ergeben, dass es nicht nur in Portugal so ablaufen wird. In den nächsten Jahren werden demnach noch weitaus mehr europäische Banken Vermögensteile verkaufen und drastisch schrumpfen. Mehr als 950 Milliarden Euro sollen auf den Markt geworfen werden. Wer die Käufer sein werden, darüber lässt derzeit nur spekulieren. (fib)
Erstellt: 13.12.2011, 14:04 Uhr
Kommentar schreiben
Verbleibende Anzahl Zeichen:
14 Kommentare
Pervers. Steuerzahler stützen Banken. Diese zahlen sich weiterhin Boni aus und verkaufen nun die "Kronjuwelen" -> Weniger Ertrag, Staat muss ev. einspringen. Gesamtwertschöpfung nimmt ab -> Steuern gehen tendenziell rauf, Kaufkraft wird gleichzeitig schwinden, da Produktivitätszuwachs irrelevant (unausgelastete Produktons-Faktoren noch und nöcher). Verarmung ist die Antwort. Antworten
Wirtschaft
- 20:38Novartis-Präsident Vasella kritisiert die Einwanderungspolitik
- 16:29Swisscom-Chef: «Den Meisten sind Roaming-Gebühren egal»
- 13:17So günstig zum Eigenheim wie nie
- 26.05.2012Bund prüft Abschottung des Schweizer Kapitalmarkts
- 26.05.2012Das sind die demokratischsten Firmen der Schweiz
- 26.05.2012UBS verliert bis zu 30 Millionen Dollar bei Facebook-Börsengang
Live @ Sunset
11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!
Online-Wettbewerb
Jetzt mitmachen!: Gewinnen Sie einen Abend als Statist bei den Tellspielen Interlaken!
Remund führend in Werbetechnik
Kein Wunsch zu aufwendig, kein Format zu gross - Remund Werbetechnik löst jede Aufgabe mit modernster Technik.

Bitte warten
