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Er kommt heute ohne Geschenke

Von Martin Kilian, Washington. Aktualisiert am 06.12.2011 52 Kommentare

US-Finanzminister Timothy Geithner soll den Deutschen beim heutigen Besuch in Berlin ins Gewissen reden. Eine Euro-Katastrophe könnte Barack Obamas Wahlchancen mindern.

Mahner in Berlin: US-Finanzminister Timothy Geithner.

Mahner in Berlin: US-Finanzminister Timothy Geithner.
Bild: AFP

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Aktion Eurorettung

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Vergangene Woche hat die Eurozone einen ersten Weg aus der der Krise aufgezeichnet.

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Der US-Vizepräsident beliebte zu scherzen: Bei einem Aufenthalt in Athen stellte Joe Biden gestern dem griechischen Präsidenten Karolos Papoulias einen Mitarbeiter der amerikanischen Delegation mit den Worten vor, er arbeite im Washingtoner Finanzministerium und bringe «Hunderte von Millionen von Dollar» für die klammen griechischen Gastgeber mit. Die lachten höflich über Bidens Witz, der Regierung Obama aber ist angesichts der langwierigen Eurokrise längst nicht mehr zum Lachen: Gelingt den Europäern nicht bald der Befreiungsschlag, könnten die Turbulenzen der Eurozone auch die Vereinigten Staaten erreichen – und womöglich Barack Obamas Wiederwahlchancen im kommenden November erschweren.

Deshalb hat der Präsident seinen Finanzminister Timothy Geithner vor Beginn des entscheidenden Euro-Gipfels am Donnerstag und Freitag nach Berlin entsandt, wo Geithner heute mit dem deutschen Finanzminister Wolfgang Schäuble sowie mit EZB-Präsident Mario Draghi zusammentreffen wird. Geithners Botschaft dürfte knapp und drastisch sein: Nach Monaten des Zauderns und Zögerns vor allem der Deutschen muss die Eurozone endlich ihr Haus in Ordnung bringen. Andernfalls drohe eine wirtschaftliche Katastrophe.

Rauchverbot im brennenden Wald

Besonders herzlich ist das Verhältnis Geithners zu Schäuble nicht: Bei einem Besuch in Berlin im Jahr 2010 waren die beiden unter anderem wegen der von Berlin gewünschten Steuer auf Finanztransaktionen aneinandergeraten. Nun soll Geithner Druck auf die Deutschen ausüben, denen US-Medien die Hauptschuld an der schleppenden Eurorettung anlasten. So leitartikelte die «New York Times» unlängst, Kanzlerin Angela Merkel wolle im Wald Rauchverbotsschilder aufstellen, obwohl die Bäume ringsherum schon lichterloh brannten.

So tief sitzt die amerikanische Furcht vor einem finanziellen Zusammenbruch Europas und einer nachfolgenden amerikanischen Ansteckung, dass Präsident Obama telefonisch in permanentem Kontakt mit Merkel und dem französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy steht. Erst vor einer Woche hatte Obama beim Washingtoner Gipfeltreffen mit den Präsidenten des Europäischen Rats und der Europäischen Kommission, Herman Van Rompuy und Jose Manuel Barroso, von den Europäern endlich klare Massnahmen verlangt. Dies sei «von grosser Bedeutung für unsere Wirtschaft», sagte Obama. Wenn Europas Wirtschaft «Probleme hat, dann ist es für uns viel schwieriger, zu Hause gute Jobs zu schaffen», so der Präsident weiter. Die US-Arbeitslosenrate von derzeit 8,6 Prozent gilt als ein Haupthindernis für Obamas Wiederwahl.

Ausser Ermunterungen nichts Handfestes

Geschenke wird Geithner gleichwohl nicht mitbringen: Trotz entsprechender Berichte in deutschen Medien gilt es als nahezu ausgeschlossen, dass Washington die Reserven des Internationalen Währungsfonds IWF durch neue Kredite aufstocken wird, um dem Fonds höhere Finanzhilfen für angeschlagene Euroländer wie Italien zu ermöglichen. Ein derartiger Schritt wäre angesichts der hohen US-Staatsschulden und der republikanischen Opposition im Kongress innenpolitisch kaum durchsetzbar. Präsidentensprecher Jay Carney betonte in der vergangenen Woche denn auch, die Schuldenkrise sei «eine europäische Angelegenheit, und Europa muss handeln».

Kaum weniger dringlich werden die Mahnungen Geithners heute in Berlin ausfallen. Doch auch Vizepräsident Joe Biden konnte seinen griechischen Gastgebern ausser Ermunterungen gestern nichts Handfestes anbieten. Er riet, nicht aufzugeben. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 06.12.2011, 10:27 Uhr

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52 Kommentare

Rolf Heinzmann

06.12.2011, 10:59 Uhr
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Diese Arroganz der Amerikaner ist unsäglich. Geithner hat den Europäern überhaupt nicht ins Gewissen zu reden. Wohl eher umgehekrt: was Amerika seit einigen Jahren bietet bzw nicht bietet (Gigantische Staatsschulden, Fehlende Investitionen in die Infrastruktur des Landes), hat sich als Riesenhypothek für die Entwicklung der Weltwirtschaft entpuppt. Jeder soll zuerst vor seinem eigenen Haus kehren. Antworten


Florian Leuthardt

06.12.2011, 13:15 Uhr
Melden 34 Empfehlung

Ausgerechnet ein Vertreter des am höchsten verschuldeten Landes fühlt sich bemüssigt, D zu belehren.
Wer hat denn den ganzen Schlamassel verursacht? Doch wohl der angelsächsische Raubtierkapitalismus, der auf Kosten der ganzen Welt schmarotzt und versucht allen Ländern, amer. Recht aufzuzwingen.
Antworten



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