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Ein Missverständnis und geschlossene Reihen

Von Markus Diem Meier. Aktualisiert am 15.08.2011 37 Kommentare

Seit dem letzten Dienstag hat sich der Franken deutlich abgeschwächt. Grund dafür waren nicht die bisherigen Massnahmen der Nationalbank.

Seit die Politik sich auch hinter Deviseninterventionen der SNB stellt, schwächt sich der Franken deutlich ab: Eurokurs in Franken in den letzten fünf Tagen.

Euro (EUR/CHF)


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Auf sein entschlossenes Eingreifen zählen die Märkte: Das Präsidium der Nationalbank mit Vizepräsident Thomas Jordan (links), Präsident Philipp Hildebrand (Mitte) und Jean-Pierre Danthine (rechts). (Bild: Keystone )

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Am Abend des vergangenen Dienstags notierte der Euro gegenüber dem Franken kurzzeitig bei einem Allzeittiefststand von nur noch knapp über 1.01 Franken. Heute Morgen kostete der Euro wieder beinahe 1.14 Franken. Das entspricht einer Zunahme von beinahe 13 Prozent. Auch der Preis des Dollars ist in der gleichen Zeit um rund 12 Prozent angestiegen. Was ist der Grund dahinter?

Zuweilen werden dafür die bisherigen Aktionen der Schweizerischen Nationalbank verantwortlich gemacht. In zwei Schritten hat diese bekannt gegeben, dass sie die bei den Banken gehaltene Geldmenge von 30 Milliarden auf 120 Milliarden massiv ausdehnen will, um so den Interbankensatz (Libor) gegen null zu senken. Der Libor ist auch der Leitzins der SNB. Mit der Senkung dieses Zinses war die Nationalbank bisher sehr erfolgreich. Seit sie ihre Massnahmen angekündigt hat, ist der Libor von 0,175 auf 0,051 gefallen, wobei der Zerfall dieses Zinssatzes sofort eingesetzt hat.

Die offiziellen Massnahmen haben wenig bewirkt

Weniger Erfolg hatte die Nationalbank anfänglich auf den Devisenmärkten. Diese waren von der Geldmengenausweitung nicht besonders beeindruckt. Die weitere Aufwertung des Frankens bis fast zur Parität mit dem Euro kam sogar noch nach der Ankündigung der ersten Geldmengenausweitung zustande. Auch die zweite Ankündigung hatte sich auf den Wert des Frankens fast gar nicht ausgewirkt. Wenn die Geldmengenausweitung für die mittlerweile eingetretene Schwächung des Frankens verantwortlich wäre, hätten die Devisenspekulanten gleich zu Beginn darin ein starkes Instrument erkannt und die Frankenabwertung hätte unmittelbar eingesetzt.

Tatsächlich ist diese Geldmengenausweitung ein zu schwaches Instrument, um die Abwertung des Frankens zu erklären. Die Zinssenkung ist zu gering, um von Frankenanlagen abzuschrecken, und schliesslich nehmen Anleger bei Zinsen, die bereits heute für die nächste Zeit gehandelt werden, selbst leicht negative Zinsen in Kauf, um in den Schweizer Geldmarkt zu investieren. Eine Konstellation, die es so noch nie gab.

Ein falsch interpretiertes Interview

Hinter der Aufwertung des Frankens steckt daher nicht, was die Nationalbank bereits getan hat, sondern was von ihr weiter erwartet wird. Ein Auslöser der deutlichen Abschwächung ab dem letzten Donnerstag ist möglicherweise sogar ein Missverständnis. In einem Interview, das SNB-Vize Thomas Jordan am Donnerstag dem «Tages-Anzeiger» gegeben hat, antwortete dieser auf die Frage, ob denn die SNB in der Lage wäre, eine Untergrenze für den Euro-Franken-Kurs festzulegen, dass die SNB dazu sehr wohl in der Lage wäre. In angelsächsischen Medien wurde das sogleich als Ankündigung einer entsprechenden Aktion wahrgenommen und entsprechend vermeldet. In den Handelsräumen der Devisenhändler ging bald auch das Gerücht um, die SNB plane ein Zielband für den Euro-Franken-Kurs.

Auf dem Hintergrund der Tatsache, dass der Franken dramatisch überbewertet ist, hat allein das für Nervosität bei den Devisenhändlern gesorgt. Denn die Schweizer Währung gleicht einer Aktie in einer irrationalen Blase. Jeder, der sie kauft, muss irgendwann eine deutliche Abschwächung befürchten. Schon Gerüchte über drastischere Massnahmen der Nationalbank reichen aus, um Absetzbewegungen auszulösen.

Die Macht der geschlossenen Reihen

Diese Gerüchte wurden in der letzten Woche umso glaubwürdiger, als einer der Hauptgründe, weshalb man der SNB ein entschiedenes Eingreifen auf den Devisenmärkten bisher nicht zugetraut hat, sich in Luft aufgelöst hat: ein befürchteter scharfer Gegenwind vonseiten der Schweizer Öffentlichkeit und Politik bei weiteren Interventionen zur Schwächung des Frankens. Dass die SNB wegen ihrer früheren gescheiterten Deviseninterventionen und den hohen Buchverlusten in ihrer Folge unter massiven politischen Druck geriet, haben auch die internationalen Spekulanten registriert. Dass sich in der letzten Woche bis zu den bisher schärfsten Kritikern der Notenbank aus der SVP so gut wie die ganze Schweizer Politlandschaft hinter entschlossene Massnahmen der SNB gestellt hat, hat die Glaubwürdigkeit der Nationalbank auf den Devisenmärkten massiv gestärkt. Jetzt traut man ihr eher zu, dass sie eine Schwächung des Frankens auch durchsetzen könnte.

Je weniger diese Glaubwürdigkeit vorhanden ist, desto mehr Franken müsste die SNB neu schaffen, um Euro oder Dollar zu kaufen, wenn sie die eigene Währung schwächen will. Würde die Angst vor späteren Währungsverlusten oder sogar vor einer Inflation die Notenbank unter politischen Druck setzen, wäre die Gefahr gross, dass sie die Übung zu früh abbricht – selbst wenn ihr rein rechtlich niemand dreinreden darf. Spekulanten könnten genau darauf setzen und mit grossen Beträgen gegen die Abschwächung setzen. Sehen diese aber, dass die SNB eine solche Kritik nicht befürchten muss und zu jedem Betrag eingreifen würde, werden sich Spekulanten hüten, auf eine weitere Aufwertung zu setzen. Die SNB braucht in diesem Fall gar kein Geld in die Hand zu nehmen. So hat tatsächlich bisher allein die Zunahme ihrer Glaubwürdigkeit zusammen mit Gerüchten über mögliche bevorstehende Aktionen ausgereicht, um die Überbewertung des Frankens abzubauen.

Das bedeutet aber, dass die Nationalbank doch noch gezwungen sein könnte, tatsächlich einzugreifen. Bisher hat sie laut Marktbeobachtern auf den Devisenmärkten nichts getan. Wenn sie zum Beispiel durch grosse Hedgefonds getestet wird, darf sie sich keine Blösse leisten und muss einer erneuten Aufwertung mit jeder beliebigen Summe an Schweizer Franken entgegentreten. Tut sie es nicht, wüssten die Devisenmärkte, dass die bisherige Drohkulisse nichts anderes als ein leerer Bluff gewesen ist und einer weiteren Frankenaufwertung stünde nichts mehr im Wege.

(Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 15.08.2011, 14:18 Uhr

37

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37 Kommentare

Meister Andreas

15.08.2011, 15:08 Uhr
Melden 40 Empfehlung

Nach dieser Argumentationskette ist die SVP für den volkswirtschaftlichen Schaden der letzten Wochen und Monate verantwortlich, da sie die Autorität der SNB untergraben hat. Dies hat erst die Aufwertung des CHF ermöglicht. Antworten


Meister Andreas

15.08.2011, 15:06 Uhr
Melden 33 Empfehlung

Wenn das Argument stimmt, dass erst der geschlossene Rückhalt aus Politik und Gesellschaft zu den Massnahmen der SNB diese Abwertung des CHF ermöglicht hat, dann gilt im Umkehrschluss auch: nur die populistische und inkompetente Kritik der SVP an der SNB und Ihrem Präsidenten hat im Verlaufe der letzten Wochen und Monaten überhaupt erst das Erstarken des CHF ermöglicht.... Antworten



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