EZB lehnt spanischen Rettungsplan für Bankia ab
Von Robert Mayer. Aktualisiert am 30.05.2012 48 Kommentare
Absage der EZB
Die Europäische Zentralbank (EZB) stellt sich gegen den Rettungsplan der spanischen Regierung für die Sparkasse Bankia. Dies berichtet «Financial Times» unter Berufung auf ungenannte europäische Funktionäre.
Gemäss den Vorstellungen Madrids hätte Bankia spanische Staatsanleihen im Tausch gegen Aktien erhalten. Diese hätte die Bank als Pfand bei der EZB hinterlegen können, um liquide Mittel zu erhalten.
Die EZB beharrt indes auf einer richtigen Kapitalerhöhung. In der Lesart der EZB kommt der Spaniens Rettungsplan einer indirekten Staatsfinanzierung durch die Zentralbank gleich und verstösst somit gegen europäisches Recht. (ssc)
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Eine Geldspritze von 19 Milliarden Euro wollte die spanische Regierung dem maroden Sparkassenkonzern Bankia verabreichen. Madrids Hoffnung, mit dieser enormen Kapitalhilfe die Märkte fürs Erste zu beruhigen, dürfte nun Ernüchterung weichen. Die anvisierte Rettung der Bank droht zu misslingen, nachdem sich Europäische Funktionäre gestern gegen den unorthodoxen Rettungsplan ausgesprochen haben (siehe Box).
Einen Tiefschlag hatte Bankia bereits am Montagabend einstecken müssen: Das Bankia-Mutterhaus BFA gab für das abgelaufene Geschäftsjahr einen horrenden Verlust von 3,3 Milliarden Euro bekannt, nachdem es zuerst einen Gewinn von 41 Millionen ausgewiesen hatte. Grund für die dramatische Korrektur ist eine genauere Überprüfung des Kreditportefeuilles und des Kapitalbedarfs des Finanzkonzerns. Dieser sitzt nun auf «toxischen» Vermögenswerten von mehr als 40 Milliarden Euro im Immobiliensektor, wie die Durchleuchtung ergeben hat.
Experten errechneten Rekapitalisierungsbedarf von 50 bis 60 Milliarden Euro
Nicht minder befremdlich mutet an, dass Bankia bis vor einem Monat eine Dividende zahlen wollte. Jetzt ist ein 17-Milliarden-Euro-Abschreiber auf den kombinierten Immobilienkrediten von Bankia und BFA vorgesehen – plus eine 7 Milliarden Euro schwere Wertberichtigung auf Beteiligungen. Die Beispiele veranschaulichen, weshalb Anleger dem spanischen Bankensektor abgrundtief misstrauen und weitere Notfalleinsätze der Regierung erwarten.
Bankanalysten haben entsprechende Berechnungen über den Abschreibungsbedarf der Geldhäuser angestellt. Würde man – wie es die UBS getan hat – die bei Bankia neu auf fast 49 Prozent angehobene Abschreibungsquote auf alle Banken in Spanien ausweiten, so ergäbe sich ein zusätzlicher Abschreiber von rund 45 Milliarden Euro. Experten der japanischen Bank Nomura haben einen zusätzlichen Rekapitalisierungsbedarf von 50 bis 60 Milliarden Euro errechnet.
Problematische Immobilienkredite von 184 Milliarden Euro
Besseren Aufschluss über den Gesundheitszustand der spanischen Finanzbranche erhoffen sich Beobachter und Öffentlichkeit von einer externen Untersuchung, mit der die Madrider Regierung die beiden Beratungsfirmen Roland Berger und Oliver Wyman beauftragt hat; ihre Ergebnisse sollen Mitte Juni vorliegen.
Bislang geht das Wirtschaftsministerium von problematischen Immobilienkrediten und -vermögen von 184 Milliarden Euro aus. Weitere Engagements der spanischen Banken in Höhe von 123 Milliarden gelten als unbedenklich, berichtet die Agentur Bloomberg.
Vogel-Strauss-Politik
Experten geben indes zu bedenken, dass insbesondere kleine regionale Sparkassen seit dem Platzen der Immobilienblase vor über drei Jahren die Probleme gleichsam ignorieren. So vermeiden sie es nach Möglichkeit, Häuser und Grundstücke, die sie auf ihre Bilanzen nehmen mussten, zu verkaufen, um nur ja keine Verluste zu realisieren. Viel lieber klammern sie sich an überhöhte Bewertungen – in der Hoffnung, der Markt wende sich irgendwann mal zum Besseren.
Ebenso gewähren spanische Banken weiterhin Kredite an Bauträger im Lande (die Immobilien erstellen und auf eigenes Risiko verkaufen), obwohl ein paar Zehntausend von ihnen inzwischen die Aktivitäten so gut wie eingestellt haben und nur mehr als «Zombies» weiterbestehen. So können die Geldhäuser verschleiern, dass ihre alten Ausleihungen verloren sind. Stattdessen werden sie durch neue Kredite ersetzt, die natürlich ebenso uneinbringlich sind.
Spanische Regierung müsste neue Staatspapiere herausgeben
Der spanischen Regierung – der jetzt amtierenden wie auch der vorangegangenen – wird von Experten vorgehalten, sie habe die Banken allzu sehr gewähren lassen, statt sie zu zwingen, ihre Immobilienengagements auf einigermassen realistische Bewertungsniveaus abzuschreiben. Und so Vertrauen im Markt zu schaffen. Im Fall von Bankia, der von offizieller Seite stets als einzigartig dargestellt wird, muss sie jetzt Farbe bekennen und beängstigend tief in die Staatskasse greifen.
Unklar bleibt jedoch, wie Madrid die benötigten 19 Milliarden Euro aufbringen will. Der naheliegende Weg, dass Spaniens Bankenrettungsfonds Frob das Geld in Bankia einschiesst, soll laut Medienberichten vermieden werden. Dieses staatliche Vehikel verfügt nicht mehr über ausreichend Mittel, sodass die spanische Regierung neue Staatspapiere herausgeben müsste. Dies könnte deren Zinssätze noch weiter in die Höhe treiben, nachdem die Renditen zehnjähriger Schuldscheine gestern zeitweise bis auf über 6,7 Prozent gestiegen sind.
Zusammenschluss von verschiedenen Banken geplant
Stattdessen erwägt die Madrider Regierung, staatliche Schuldtitel an Bankia auszugeben. Diese könnte das Finanzinstitut als Sicherheiten bei der Europäischen Zentralbank (EZB) hinterlegen und dafür die benötigten Finanzmittel erhalten. Allerdings wäre damit ein Risikotransfer von Spanien an die EZB verbunden, den die Frankfurter Notenbank wohl kaum ohne weiteres akzeptieren dürfte.
Derweil haben mit Liberbank, Ibercaja und Caja 3 am Dienstag drei weitere nicht kotierte Regionalbanken ihre Absicht erklärt, sich zusammenzuschliessen – dies, nachdem sie teils selbst aus Fusionen hervorgegangen sind. Gemeinsam haben sie Immobilienengagements von gegen 12 Milliarden Euro zu tragen. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 30.05.2012, 08:48 Uhr
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48 Kommentare
Deutschland muss jetzt den Stecker ziehen, bevor der Euro endgültig zerstört wird. Also Austritt DE's und Wiedereinführung der neuen DEM. Es kann nicht sein, dass sich alle EU-Länder auf Kosten Deutschlands bequem machen und absolut ohne Risikoscheu Kredite vergeben haben, die jetzt verloren sind. Wer will denn in Spanien Kredite zurückzahlen, wo doch 50 % der Jungen arbeitslos sind. Illusorisch!! Antworten
Kann gar nicht sein, die Banken haben sich über Jahre immer Milliarden Bonus ausgezahlt weil das Geld ja in rauhen Mengen erwirtschaftet wurde. Das Geld muss also noch irgendwo sein. Wenn es nicht so wäre gehörten die ja eingesperrt und wir wären die dümmsten weil wir diesen treiben ja immer nur zu schauen. Ne,ne, die Banken sind schon o.k. Und was sagen die Märkte??...... Antworten
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