Droht in den USA ein zweiter Immobiliencrash?
Von Philipp Löpfe. Aktualisiert am 25.08.2010 16 Kommentare
Jahrelang haben die Amerikaner mit ihrer Konsumwut die Weltwirtschaft am Laufen gehalten. Jetzt wird ein schwacher US-Immobilienmarkt zur grössten Bedrohung. Die neuesten Branchenzahlen der National Association of Realtors sind besorgniserregend: Im Juli sind 12,9 Prozent weniger Häuser verkauft worden als im Vormonat, der bisher stärkste Einbruch im laufenden Jahr. Das meldet der Wirtschaftsdienst Bloomberg. Generell ist die Situation sehr angespannt. Die staatliche Hilfe hat kaum Wirkung gezeigt. Einer von sieben Hausbesitzern hat seine Hypozins-Zahlungen eingestellt und wartet auf eine Zwangsversteigerung. Allein für das laufende Jahr werden rund eine Million solcher Zwangsversteigerungen erwartet.
Sein eigenes Haus zu besitzen, ist nicht nur ein Teil des amerikanischen Traums von einem guten Leben, es war auch zu Beginn dieses Jahrhunderts der wichtigste Teil eines Minibooms der US-Wirtschaft. Dank steigender Häuserpreise konnten die amerikanischen Privathaushalte ihre Immobilien stärker belehnen und das Geld für den Konsum brauchen. Nun dreht die Spirale in die negative Richtung, die Häuserpreise sinken und sinken. Die «New York Times» berichtet, dass seit 2005 in den USA Immobilienwerte in der Höhe von 6000 Milliarden Dollar vernichtet worden sind.
Grosse Überkapazitäten
Diese immense Wertvernichtung hat zwei Folgen: Erstens sparen die Amerikaner wie schon lange nicht mehr, und zweitens warten diejenigen, die sich ein Haus leisten können, ab und hoffen auf noch tiefere Preise. Die Hoffnung ist berechtigt: Seit dem Juli 2006 sind die Häuserpreise um einen Drittel gefallen. Die Experten rechnen mit einem weiteren Einbruch von rund 20 Prozent bis ins Jahr 2012, denn der Markt hat nach wie vor grosse Überkapazitäten und die Arbeitslosenquote liegt immer noch nahe bei zehn Prozent.
Dabei machte es zu Beginn des Jahres den Anschein, als ob sich die US-Wirtschaft rasch erholen würde. Die Unternehmen meldeten eine deutlich gesteigerte Produktivität und gute Quartalsergebnisse. Doch allmählich wird immer deutlicher, dass der Aufschwung ohne staatliche Hilfe nicht nachhaltig ist, und diese Hilfe droht, ein Opfer des politischen Patts in Washington zu werden. Die US-Wirtschaft kann sich auch nicht auf steigende Ausfuhren abstützen. Die jüngsten Zahlen zeigen im Gegenteil, dass die Importe zu- und die Exporte abgenommen haben. Es könnte zu einem erneuten Konjunkturrückschlag (im Englischen Double-Dip) kommen.
Sehr bescheidene Wachstumsziele
Der Schwächeanfall der US-Wirtschaft könnte weltweit eine Kettenreaktion auslösen. Auch Europa steht auf wackligen Füssen. Deutschland hat zwar mit glänzenden Quartalszahlen brilliert, doch das Wirtschafts-Sommermärchen scheint kurzlebiger Natur zu sein. Wegen der allgemein verbreiteten Sparwut stagniert die Wirtschaft in Euroland bereits wieder. Der Economist Intelligence Unit hat kürzlich sehr bescheidene Wachstumsziele in Aussicht gestellt: Demnach wird die europäische Wirtschaft nächstes Jahr bloss 0,7 Prozent wachsen. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 24.08.2010, 16:28 Uhr
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16 Kommentare
Seit 3 Jahren versucht uns Herr Loepfe eine Kriese aufzuschwatzen. Der US Markt hat selbstverstaendlich immer noch eine Immobilienblase - aber die USA alleine kann die Kriese nicht in die Schweiz bringen - China und Japan sind die Wirtschaftsmaechte 2 und 3 der Welt und dort laeuft es wunderbar... Antworten
Nein Herr Löpfe, Aufschwung durch staatliche Hilfe ist nicht nachhaltig!!!! Staatliche Hilfe lenkt einzig vom realwirtschaftlichen Problem von wiederum staatlich marktfremd geschaffenen Überkapazitäten ab. Man kann das auf Pump eine ganze Weile wegsubventionieren, irgendwann kommt aber der Hammermann und dann aber ganz dicke. Langfristiges Denken ist komplett abhanden gekommen. Politik sei Dank! Antworten
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