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«Die wichtigste Woche des Jahres»

Von Markus Diem Meier. Aktualisiert am 01.11.2010 11 Kommentare

Börsianer, Währungsanalytiker und Ökonomen weltweit schauen diese Woche so gebannt in die USA wie schon lange nicht mehr. Noch mehr als die Wahlen interessiert ein Projekt namens «QE2».

Auf den Märkten wartet man weltweit gebannt auf seine Entscheidung: Ben Bernanke, Chef der US-Notenbank Federal Reserve.

Auf den Märkten wartet man weltweit gebannt auf seine Entscheidung: Ben Bernanke, Chef der US-Notenbank Federal Reserve.
Bild: Keystone

Die angelaufene erste Novemberwoche sei die «wichtigste Woche des Jahres» hat ein leitender Analyst schon vor Wochen erklärt. Tatsächlich haben Entscheidungen, die diese Woche in den USA gefällt werden, weitreichende Konsequenzen nicht nur für die Amerikaner, sondern für die Weltwirtschaft insgesamt und direkt für die Börsen und die Währungskurse. Die erste Entscheidung bezieht sich auf die Kongresswahlen von Morgen Dienstag, die zweite auf die Sitzung der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) vom Mittwoch.

Für die Kapitalmärkte hat der Entscheid des Fed unmittelbar die grössere Bedeutung. Deren Chef Ben Bernanke hat bereits Ende August angetönt, dass sein Institut bereit sein könnte, erneut mit «unkonventionellen» Massnahmen Geld in die Wirtschaft zu pumpen. Hintergrund der Ankündigung war, dass sich die US-Wirtschaft gemessen an der rekordhohen Arbeitslosigkeit von beinahe 10 Prozent nicht aus der Krise bewegt und die Notenbank auf dem konventionellen Weg, der Senkung der Leitzinsen, ans Ende angelangt ist. Die Leitzinsen befinden sich bereits bei null Prozent (offiziell zwischen null und 0,25 Prozent).

Hohes Enttäuschungspotenzial an den Börsen

Bernanke hat bereits in jener Rede selbst klargemacht, dass er mit «unkonventionellen Massnahmen» einen erneuten Kauf von langfristigen Anleihen der US-Regierung ins Auge fassen will. Da die Zentralbank das nach der Krise schon einmal getan hat, spricht man von «Quantitative Easing 2» oder einfach von «QE2». Zwei Effekte seiner vagen Ankündigung zeigten sich sogleich: Die US-Börsen hoben ab und der Dollar verlor deutlich an Wert. Gemessen am führenden US-Index S&P 500 haben amerikanische Aktien seither um fast 13 Prozent zugelegt, von Anfang Jahr bis zu seiner Rede haben sie noch 4,5 Prozent verloren. Der US Dollar hat seit der Rede gegenüber dem Euro bis Mitte Oktober um mehr als 9,4 Prozent verloren und gegenüber dem Franken um 6,6 Prozent. Die Währung der Amerikaner befand sich allerdings schon seit Anfang Juni auf dem abschüssigen Pfad nach unten.

Der Kursanstieg auf den US-Aktienmärkten zeugt davon, dass die Anleger bereits hohe Erwartungen an Käufe von Staatsanleihen haben. Werden die nun enttäuscht, droht das Zwischenhoch an der Börse wieder einzubrechen – mit Konsequenzen für die Börsenplätze weltweit. Die Zahlen, die unter Analysten über ein «QE2»-Programm herumgeboten werden, gehen allerdings weit auseinander: Von 600 Milliarden bis zu 4 Billionen Dollar. Möglich ist auch, dass sich das Fed um konkrete Zahlen drücken wird und nur die ersten Schritte des Programms verkündet, das dann nach Belieben ausgeweitet oder eingeschränkt werden kann. Der bekannte Schweizer Marktbeobachter Marc Faber prognostizierte auf Bloomberg TV, dass ein Programm von weniger als einer Billion Dollar die Erwartungen der Märkte enttäuschen würde.

Umstrittene Wirkung auf die Realwirtschaft

Unter Experten gilt es als höchst umstritten, ob ein «QE2»-Programm die US-Wirtschaft anzukurbeln vermag. Das offizielle Ziel der Notenbank liegt darin, die langfristigen Zinsen über die Anleihenkäufe zu senken und damit Investitionen attraktiver zu machen. Mit der klassischen Geldpolitik beeinflusst sie nur die kurzfristigen Sätze. Doch wie zum Beispiel der Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz moniert hat, bleiben die Kreditkosten für die Unternehmen von der Geldpolitik der Zentralbank weitgehend unbeeinflusst: Das langfristige Zinsniveau gemessen an den Staatsanleihen ist bereits jetzt sehr tief. Die Unternehmen bezahlen aber hohe Aufschläge darauf. Stiglitz fordert daher staatliche Ausgabenprogramme statt weitere Liquiditätsspritzen der Zentralbank. Doch mehr Staatsausgaben sind politisch weitgehend chancenlos.

Da das Geld der Zentralbank nicht in die Realwirtschaft in Form von Investitionen fliesst, findet es seinen Weg dafür an die Börse und bläst dort die Werte auf. Gleichzeitig schwächt die Geldschwemme aber auch den Dollar. Nicht wenige sehen darin den eigentlichen Grund der Übung. Denn mit einem schwächeren Dollar lassen sich die Exporte ankurbeln. Das «QE2»-Programm der USA ist daher einer der Gründe, weshalb in den letzten Wochen das Wort von einem Währungskrieg eine derart grosse Bedeutung erhalten hat. Ein «QE2» droht daher auch die ohnehin schon angespannten internationalen Wirtschaftsbeziehungen weiter zu verschlechtern.

Unvereinbare Positionen in der Politik und im Fed

Das Programm ist allerdings selbst innerhalb der Zentralbank alles andere als unumstritten. Wie in der gesamten US-Politik finden auch dort heftige Richtungskämpfe statt. Eine Minderheit will genau das Gegenteil: Eine restriktivere Geldpolitik, die mit dem Abschöpfen von Geld beginnt und die Zinsen anhebt. Der wichtigste Vertreter dieser Ansicht, Thomas Hoenig, Präsident des Fed von Kansas City und temporäres Mitglied des Entscheidgremiums von Ben Bernanke, nannte das «QE2»-Programm öffentlich bereits einen «Pakt mit dem Teufel» («Bargain with the Devil»).

Noch stellen allerdings die Gegner von Ben Bernanke in der Notenbank nur eine Minderheit, dennoch erhöht dieser Streit die Unsicherheit weiter, was die Notenbank am Mittwoch tatsächlich beschliessen wird. Weniger Unsicherheit herrscht dagegen zur zweiten grossen Entscheidung in den USA von dieser Woche: den Kongresswahlen von morgen. Hier wird gemeinhin erwartet, dass die Republikaner als überlegene Sieger (zumindest im Repräsentantenhaus) hervorgehen werden. Das sind keine guten Nachrichten. Denn die Vorstellungen der Republikaner und der regierenden Demokraten zu den Fragen, was getan werden muss, sind diametral verschieden. Damit droht eine wirtschaftspolitische Blockierung in der nach wie vor krisengeschüttelten grössten Volkswirtschaft der Welt. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 01.11.2010, 13:33 Uhr

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11 Kommentare

Michael Schwarz

01.11.2010, 15:26 Uhr
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Ich zweifelt daran, ob Beranke die richtige Person für seine Position wäre, ob er die verantworten kann. Die expansive Geldpolitik dient dazu, die Investition anzuspornen. Aber nach 2 Jahren ist nichts passiert, im Gegenteil - durch seine massive Ausweitung der Geldmengen, hat er alle Investoren, ausländisch und inländisch so verheizt, dass alle ins Ausland geflüchtet sind. Antworten


Heinz Köhli

01.11.2010, 15:39 Uhr
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Ohnehin ist das FED massiv in die Fänge von "Washington" geraten. QE'2 ist eine weitere Möglichkeit, heute noch nicht allzu stark leiden zu müssen... Antworten



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