Die verhängnisvolle Mutprobe
Von Philipp Löpfe. Aktualisiert am 26.07.2011 57 Kommentare
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Mutproben bei rebellischen Jugendlichen haben Tradition in der US-Kultur. James Dean und Marlon Brando sind mit dieser Nummer in den 1950er-Jahren Weltstars geworden. Was die US-Politik derzeit aufführt, erinnert stark an eine solche Macho-Mutprobe. Republikaner und Demokraten rasen auf einen Abgrund zu und warten, wer zuerst bremst.
Der Dollar ist zur Geisel dieser kindischen Mutprobe geworden. Er hat auch heute wieder durchschnittlich 0,7 Prozent gegenüber den anderen Währungen verloren. Was den Franken betrifft: Erstmals hat der Dollar auch die Schallgrenze von 80 Rappen durchbrochen.
Die grosse Unbekannte
Die Märkte glauben inzwischen nicht mehr daran, dass es in Washington noch vor dem 2. August zu einer Einigung kommen wird. Interne Wetten unter Händlern sehen die Chancen dafür noch bei höchstens 27,5 Prozent. Nur, was wird danach geschehen? Wird die Welt mehr oder weniger untergehen, wie dies die Regierung mehrmals angedroht hat, oder bleibt alles beim Alten? Es gibt zwei Szenarien: Eine Wiederholung des Lehman-Moments, nur viel schlimmer. Oder eine Wiederholung von Y2K, die Aufregung um die fehlende Null auf den alten Computerchips beim Jahrtausendwechsel.
Für das Lehman-Moment-Szenario spricht die Tatsache, dass die Ideologie über die Realität gewonnen hat. Die Politiker wollen eine Entscheidung erzwingen, und sollte dabei die Welt untergehen. Vor allem die Fundamentalisten der Tea Party scheinen sich geradezu auf eine Mega-Krise zu freuen, die den verhassten Staat endlich in die Knie zwingen soll. Sie spielen dabei allerdings mit gezinkten Karten und sagen nicht, was sie bereit sind zu opfern: Medicare. Die Krankenkasse ist vor allem für die Alten die wesentliche Stütze des amerikanischen Sozialstaates geworden. Fällt sie, werden bald Zustände wie in den Dreissigerjahren eine sehr reale Möglichkeit werden.
Für das Y2K-Szenario spricht, dass die Märkte bisher erstaunlich ruhig geblieben sind, obwohl sie nicht mehr an eine Einigung glauben. Sie halten aber das Ganze für übertrieben. Wenn im bisherigen Wertverlust die Zahlungsunfähigkeit der USA bereits eingepreist sein sollte, dann ist dies sehr mild ausgefallen.
Vielleicht geht es auch weder um einen Lehman-Moment noch um ein Y2K-Szenario, sondern um den Zerfall der Supermacht USA. Tatsächlich ist das Bild, das Washington derzeit abgibt, ein jämmerliches. Washington «ist zum Gespött rund um den Globus» geworden, wie die «New York Times» heute kommentiert. Sollten sich die USA tatsächlich auf einem «langen Abschied» befinden, dann erleben wir jetzt erst das Vorspiel. In diesem Fall wird es nicht mehr lange dauern, bis die Ratingagenturen den Vereinigten Staaten das Triple A entziehen werden. Das wiederum könnte den Auftakt zu einer verhängnisvollen Abwärtsspirale bilden. Es bedeutet nicht nur, dass die USA für ihre gewaltigen Schulden mehr Zins bezahlen müssen. US-Staatsanleihen, vor allem die zehnjährigen T-Bonds, sind auch der Massstab für die Hypothekarzinsen und die Obligationen für Unternehmen. Mit anderen Worten: Solange die Politik nicht weiss, was sie will und sich in sinnlosen Mutproben gefällt, riskiert sie, die USA und die Weltwirtschaft gegen die Wand zu fahren. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 26.07.2011, 11:40 Uhr
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57 Kommentare
Die Tea-Party, die amerikanische Version der SVP, bringt ihr Land an den Rand des Abgrundes.
Alles von aussen ist schlecht, der Staat ist schlecht, alle Armen sind selber schuld und höhere Steuern vertreiben die Reichen... wer sieht Parallelen ?
Antworten
'riskiert sie, die USA und die Weltwirtschaft gegen die Wand zu fahren' - Unter uns: Was wäre so schlecht daran? Ist denn Alles gut, was wir 'importiert' haben? Billigproduktion in Asien, Verschiffen von Elektroschrott nach Afrika und hier immer weiteres Auseinanderklaffen der Lohnschere? Solange Wirtschaft nur noch den Unternehmen und den Superreichen dient, können wir uns die Tränen doch sparen. Antworten
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