Wirtschaft
Die grossen Geldvernichter sind zurück
Von Matthias Chapman. Aktualisiert am 18.05.2009 34 Kommentare
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Richard Fuld, sein Name wird noch jahrzehntelang gleichgesetzt werden mit der Finanzkrise, die 2008 ihren ersten Höhepunkt erreichte. Mit aggressiver Geschäftspolitik fuhr er die traditionelle Investmentbank Lehman Brothers in den Abgrund. Mit der Bankpleite gab er der seit Monaten kriselnden Branche den Rest und brachte sie in existentielle Not. Ohne den Bankenrettungsplan Washingtons wäre es wohl ganz schlimm gekommen.
Wer gedacht hatte, Fuld sei für immer gebrandmarkt, sieht sich getäuscht. Der Banker hat wieder einen Job und zwar ausgerechnet bei einem Hedge-Fund. Bei Matrix Advisors kann er beweisen, dass er mit Risiken umzugehen vermag.
Die 161 Millionen Dollar Abfindung
Fuld ist nicht der einzige der grossen Geldvernichter, der in der Branche wieder einen Job gefunden hat. Stanley O'Neal, der mit 161 Millionen Dollar Abfindung Merrill Lynch verliess, ist beim amerikanischen Finanzberater American Beacon Advisors untergekommen. Seine frühere Bank, Merrill Lynch, hatte die Selbständigkeit wegen hoher Verluste aufgeben müssen. Als Retter trat die Bank of Amerika auf, welche später wegen des Zukaufs selber arg in Nöte geriet.
Und noch ein grosser Fisch der US-Bankerszene geht wieder zur Arbeit. Charles Prince, legendärer Citigroup-Chef, hat mehrere Verwaltungsratsmandate ergattert, darunter ein Vize-Mandat bei der Beraterfirma Stonebridge. Prince hatte mit riskanter Strategie die einst grösste Bank der Welt fast in den Ruin getrieben. Der Aktienkurs stürzte von über 50 Dollar auf zeitweise unter einen Dollar. Der Staat musste Garantien im Umfang von 300 Milliarden Dollar übernehmen, um die Firma vor dem Untergang zu retten.
Wie Cabiallavetta?
Jetzt sind sie also wieder da, die Banker, die sich selber als «Herrscher des Universums» sahen. Ob der Einstieg bei Nischenplayern zurück auf die grosse Bühne führt, wird man sehen.
Ein solches Comeback gelang zum Beispiel auch dem gefallenen Mathis Cabiavalletta. Bei der früheren Schweizerischen Bankgesellschaft nach dem LCTM-Debakel gefeuert, ist er nach einem Amerika-Abstecher zurück in der Schweiz und als Vize-Präsident der Swiss Re erneut auf einer Top-Position.
Bissiger Kommentar der «New York Times»
Mit einem bissigen Kommentar begleitet jetzt die «New York Times» die Rückkehr der ehemaligen Top-Banker ins Geschäft. Sie würden sich besser noch eine längere Auszeit nehmen und dabei ihre Zeit für Besseres nutzen. Sie sollten doch in Afrika bei Hilfsorganisationen für die Malaria-Bekämpfung arbeiten oder in amerikanischen Schulen Mathematik-Grundunterricht erteilen. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 18.05.2009, 11:33 Uhr
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34 Kommentare
Das Spiel kann von vorn begeginnen,ob nun mit oder ohne diese Herren.Beginnen wird es sowieso, denn welche Grenzen sollen denn gezogen worden sein um nochmals solch ein Debakel zu verhindern.Warten wir also auf die nächste Kriese,sie kommt bestimmt, nur wieder etwas anders.Erstaunlich, irgendwie braucht es wohl diese Versager um weiter Betrug, Vernichtung und Unmoral richtig lernen zu können. Antworten
das hauptproblem sind die unfähigen "verfolger" dieser entsetztlichen typen. sie sind im system "integriert", werden sich hüten sich gegen diese schmarotzer zu stellen. das könnte definitiv ihr karriere-aus sein. dafür werden mit grossem aufwand leute auf den unteren stufen beobachtet, verfolgt, verdammt. das wird nicht gut ausgehen wenn nicht gegensteuer gegeben wird. Antworten
Herr Linder: Die Krise wurde nicht wegen 'neliberalen Ideen', sondern wegen den falschen staatlichen Anreizen und Regulierungen ausgelöst (z.B. Tiefzinspolitik von Greenspan inkl. Geldmengen-Explosion, staatliche Anreize für Immobilienbesitz, auch für Leute, die es sich nicht leisten konnten). In einem liberalen System wäre es nicht zur Krise gekommen, Antworten
Die Politik will keine Lehren aus dem eben erlebten Desaster bzw. der Wirtschaftskrise ziehen. Allen voran der neoliberale Bundespräsident Merz nicht. Er hält hartnäckig an seiner (Irr)-Lehre "die Märkte müssen sich selber regulieren" fest. Wohin wird das wohl führen? Ein neues Fiasko ist vorprogrammiert, wenn man die Neoliberalen auf unsere Kosten weiter wursteln lässt. Antworten
Zählt man alle aufgeworfenen Gelder zusammen,welche für die Finanzkrise weltweit benutzt wurden,hätte dies pro Mensch einen Betrag von 108 Mio $ für jeden einzelnen ausgemacht.Aber Dumm wie der Mensch als Kollektiv ist,mästet er lieber die 5% der Mächtigen weiterhin,als diesen Versager einen Riegel zu schieben.Kein Wunder haben diese 3 Typen wieder einen Job(Hatten sicher Obama als Referenz im CV) Antworten
@ Franz Klammer: Sie haben vollkommen recht: Das System, samt seiner Wirtschaftsführer und Politiker ist nicht reformfähig. Was wir dringend brauchen ist eine wirksame unabhängige ausserparlamentarische Opposition, die vom Mittelstand getragen wird. Wie seinerzeit die Montagsdemos in der DDR. Antworten
Keiner ist gezwungen, den betroffenen Einrichtungen Geld anzuvertrauen; die, welche es dennoch tun, werden es möglicherweise irgendwann bereuen. Noch immer ist der Glaube weitverbreitet, dass für Einleger aus Systemen wie PK's, AHV, KK's, Banken, Fonds etc. mehr *herauskommen* könne, als reingeflossen sei. Das Gegenteil ist der Fall. Antworten
Diese Herren sollten eigendlich von Staates wegen bestraft werden und den Rest ihres Leben nur noch in Dienste von Hilfsorganisationen arbeiten müssen. Wieviel Menschen haben wegen diesen miesen menschenverachtenden Banker ihr Existen verloren, wieviele Menschen sind verarmt, werden keine normale Zukunft haben, sind verlorene Seelen. Diese Ex Banker sollten im Dienste dieser armen Menschen stehen! Antworten
Wen wundert es, hoffentlich niemand. Warum? Wir stehen einfach machtlos da. Egal, ob Politik, Wirtschaft oder sogar die Kirche schauen zu. Und wir übrigens auch. Wir können doch sagen oder schreiben was wir wollen, die ethisch kriminellen haben einfach das Sagen. Und da sagen doch viele von unseren Poltikern immer wieder das gleiche Wort" Eigenverantwortung". Und ich sage, ja, zu Lasten von uns. Antworten
Noch ein Wort zum System: "Gier" ist vielleicht ein Ausdruck mit negativer Konnotation, aber diese "Gier" ist letztlich der Treiber des ganzen Systems. Aber dieses System ist anpassungsfähig und Fehler werden korrigiert - jedenfalls für eine gewisse Zeit. Das Problem ist nicht die Marktwirtschaft, sondern die Politik, die sich alle 4-5 Jahre erneuert und ein langfristiges System kontrollieren soll Antworten
Ich habe es immer gesagt, dass nach der Krise alles im gleichen Trott weitergehen wird in der Finzanbranche. Die Politiker bleiben bei Lippenbekenntnissen und den Bankmanagern fehlt jegliche Einsitz in die eigene Schuld. Ackermann z.B. zeigt ganz klar, dass man weiterhin völlig überrissene Ziele setzt, welche nur mit Finanzzockerei zu erreichen sind. Und wir werden immer die Zeche zahlen. Antworten
Das ist im Land der(un)begrenzten Möglichkeiten immer noch möglich! So widersprüchlich und unberechenbar ist das Weltwirtschftssystem geworden.Die Kleinen sind die grossen Verlierer und díe kläglich gescheiterten Geldvernichter werden noch vergoldet und können ihre trüben Machenschaften ohne Konsequenzen wieder von vorne beginnen... Antworten
Typisch CH-Mentalität ist eher, Leuten, die einmal versagt haben, keine Chance mehr zu geben. Es gibt nur Fortschritt, wenn einer auch mal etwas wagt. Es ist genau die Stärke der USA, dass jeder eine zweite Chance erhält. Der Anreiz, ein gewisses Risiko einzugehen und sich unternehmerisch zu betätigen, ist viel grösser so und bringt letztlich Wohlstand und Arbeitsplätze für die Risikoaversen. Antworten
Für alle Eifersüchtigen und Neider: Bewerbt euch doch selber für einen Manager-Job... ist euch ja nicht verboten! Dann merkt ihr dass das gar nicht so einfach ist und dass man da schon etwas "drauf" haben muss. Also, Bewerbungsdossier abschicken und sich als CEO bewerben und es besser machen! Oder gründet doch gleich eine Grossbank! Wenn ihrs schon so besser wisst und könnt! Antworten
Die FDP und Finanzminister Merz vertritt ja auch für die Schweiz den Standpunkt, dass der Staat sich ja nicht zu viel einmischen sollte (lies: nicht zu stark auf die Finger schauen). Da muss man sich nicht wundern wenn es im gleichen Stil weitergeht. Die Wähler sollten sich solches merken. Nach der Krise kommt hoffentlich wieder ein Aufschwung. Aber vor der nächsten Krise kommen noch Wahlen! Antworten
Etwas besonders Verheerendes ist in solchen Zeiten die Lernunfähigkeit, sprich das Unvermögen, aus Erfahrungen und Fehlern zu lernen. Dies hat die US-Politik schon immer gekennzeichnet, bei der Wirtschaft scheint es sich nicht anders zu verhalten. Und wenn man bedenkt, dass die US-Bosse jahrelang die Autoindustrie ohne Konsequenzen in den Ruin wirtschafteten, erstaunt dies nicht sonderlich. Antworten
Da unsere Politiker auf allen Ebenen versagt haben können diese Ospels, Fulds und wie sie alle heissen weiter wursteln und mit den Milliarden die alle Regierungen in die Märkte geworfen haben um zu retten was noch zu retten gab. Schlussendlich liegt es an uns und unserem Wahlverhalten dem einen Riegel zu schieben. Auch erinnere ich gerne an die Montagsdemos in der DDR. Aber der Wille muss da sein. Antworten
Langsam aber sicher traue ich dem System nicht mehr so stark. Bis jetzt war ich der festen Überzeugung, dass ungesunde Elemente ausgeschieden werden. Warum gibt es da kein Contracting zwischen dem Staat, der die Unternehmen von der Wand kratzt und dem Management, die im Fahrersitz gesessen sind? Das wäre dann die präventive Massnahme, damit sich dies nicht wiederholt. Die Hoffnung bleibt. Antworten
Ja, das sind alles "Top Leute", wie es Herr Villiger ausdrückt, auf die kann die Welt nicht verzichten. Die Herren haben zur Belohnung für ihr Versagen noch hohe Abfindungen kassiert, sie müssten nicht mehr arbeiten, leider sind sie der Auffassung, dass es ohne sie nicht geht, bis zum nächsten Crash! Die Zeche zahlt dann wieder der Staat, bzw. der Steuerzahler, aber das sind halt nur Amateure! Antworten
Auch in der Schweiz ist zu beobachten, dass sich die grossen Geldvernichter langsam aber stetig wieder ans Werk machen. Die neoliberale Welle ist zwar gescheitert, aber längst nicht am Boden. Denn von unseren angesparten Geldern ist immer noch etwas zu holen. Besonders bei unseren Alterskapitalien. Weil die Politik den Neoliberalen das Handwerk nicht nachhaltig legte, wird der Raubzug weitergehen. Antworten
Es sind ja fast schweizerische Verhältnisse... wo die Top-Chefs, Top-Politiker u.s.w. einfach ungeschoren davon kommen. Cabiallavetta versteckte sich ein paar Monate, dann eben USA, und jetzt ist er auf der CH-Bühne zurück. Zwangsenteignung wäre das beste. Antworten
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Stefan Mächler
@ Tom Dahinden Ja, weil die Neoliberalen ihre Leute in die Politik geschleust haben. G.W. Bush ist ja ein Kollege der Gier-Mafia. Und Bundesrat Merz ein Ex-UBSler. Der freie Markt ist eine Illusion. Der Staat, sprich das Volk, badet es aus. Und wer es ausbadet, bestimmt auch, wie es weitergeht! Antworten