Die Zeche für die Dollarschwemme zahlen die anderen
Aktualisiert am 11.08.2011 53 Kommentare
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Schafft sich mit seinem Alleingang Feinde: Ben Bernanke, Chef der US-Notenbank. (Bild: Keystone )
Defizit über einer Billion Dollar
Das Haushaltsdefizit der USA liegt für das laufende Fiskaljahr schon jetzt bei mehr als einer Billion Dollar. Wie das Finanzministerium in Washington mitteilte, lag das Minus Ende Juli bei 1,1 Billionen Dollar. Damit wird das dritte Jahr in Folge die Marke von einer Billion durchbrochen. Für das gesamte Haushaltsjahr könnte das Schuldenloch den Vorjahreswert von 1,29 Billionen Dollar übersteigen. Das Rekorddefizit im Jahr 2009 betrug 1,41 Billionen Dollar. (dapd)
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Die Reaktionen kamen prompt: Kurz nachdem die US-Notenbank am Dienstagabend ihr historisch wohl einmaliges Bekenntnis abgegeben hatte, den Leitzins für zwei Jahre bei null zu lassen, sprach Brasiliens Finanzminister vom Währungskrieg, Berlin schwieg und die Schweiz kündigte neue Interventionen an.
Das Problem: Die US-Notenbank Fed schiesst seit Beginn der Finanzkrise aus allen Rohren. Bernanke senkte in Rekordzeit den Leitzins auf null und flutete seit dem Zusammenbruch von Lehman Brothers im September 2008 die US-Wirtschaft mit immer neuen Milliarden – mit wenig Erfolg.
Das Geld fliesst ins Ausland
Stattdessen bleibt das viele Geld nicht im Land, sondern sucht sich Anlagemöglichkeiten in anderen Staaten, bevorzugt in Schwellenländern mit hohen Wachstumsraten. Dort sorgen die Dollars für steigende Landeswährungen und zwingen viele Zentralbanken zu Zinserhöhungen, etwa in den Bric-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China.
Auch in Chile, Mexiko und anderswo bleibt die Dollarschwemme nicht ohne Folgen für die Wirtschaft. Zudem sorgt die Politik der Fed dafür, dass «Fluchtwährungen» wie Yen und Schweizer Franken weiter steigen – entsprechende Gegenreaktionen der Notenbanken dieser Länder inbegriffen.
Der Alleingang ist gefährlich
Bernanke also gegen den Rest der Welt? Andreas Rees von der italienischen Grossbank Unicredit warnt die USA davor, ihre strukturellen Probleme im Alleingang mit immer mehr Liquidität lösen zu wollen. «Um die Finanzmärkte nachhaltig zu beruhigen, müssten auch die Schwellenländer im Rahmen der G-20 mit ins Boot geholt werden, um die Schlagkraft der internationalen Politik zu erhöhen.»
Rees verweist darauf, dass die Schwellenländer in der G-20-Gruppe rund 36 Prozent zur Wirtschaftsleistung der Welt beitragen und damit fast genauso viel wie der Club der grossen Industriestaaten (G-7), die fast 40 Prozent auf die Waage bringen.
Doch nicht nur wirtschaftlich sinkt die Macht der Grossen: Die USA und die G-7-Staaten scheinen aktuell zu geschwächt, als dass sie echte Führung beweisen könnten. «Wirtschaftspolitische Alleingänge in einer multipolarer gewordenen Weltwirtschaft funktionieren gerade in Krisenzeiten nicht mehr», meint Rees.
Verständnis in Japan
Wenn sich die G-20 nicht auf eine gemeinsame Strategie einigten, bestehe die Gefahr eines Vakuums. Letztlich könnten sich nationale Egoismen durchsetzen. «Am Ende würden dann alle verlieren – sowohl die Schwellenländer als auch die Industriestaaten.»
Bemerkenswert: In Japan, dessen ohnehin von Erdbeben- und Atomkatastrophe gebeutelte Exportwirtschaft unter dem schwachen Dollar leidet, trifft der Kurs der US-Notenbank auf Verständnis – zumindest bei Notenbankchef Masaaki Shirakawa.
Er ist sogar der Meinung, dass er selbst einen weit schärferen Kurs als die amerikanischen Geldpolitiker fährt: Die Bank von Japan hatte bereits im vergangenen Herbst erklärt, sie werde noch lange nicht über Zinserhöhungen nachdenken. Der Leitzins in der zweitgrössten Volkswirtschaft der Welt liegt schon seit langem bei de facto null Prozent.
Hoffen auf den Aufschwung
Der Blick nach Japan lohnt bei der Interpretation der aussergewöhnlichen Zinsentscheidung der Fed vom Dienstagabend allemal: Für den Ökonomen Patrick Dippold von der LBBW weckt die Entscheidung Bernankes nämlich Erinnerungen an die Politik der Bank of Japan im Jahr 2001.
Die japanischen Zentralbanker erklärten damals, die Leitzinsen so lange bei null zu belassen, bis die Inflationsrate wieder dauerhaft über der Nullmarke liege. Die japanischen Notenbanker versprachen sich davon einen dämpfenden Effekt auf die langfristigen Zinsen und damit umgekehrt eine Konjunkturstimulierung. Fachleute wie Dippold wissen, wie das Experiment ausging: «Der Erfolg liess zu wünschen übrig.» (miw/sda)
Erstellt: 10.08.2011, 23:19 Uhr
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53 Kommentare
«Um die Finanzmärkte nachhaltig zu beruhigen, ,,,» Es sind ja gerade die 'Finanzmärkte' , welche die billige Liquidität des Fed dazu benutzen, das System aus dem Gleichgewicht zu bringen. Hohe Volatilität, heisst hohes Risiko aber auch hohe Rendite. Es sind die Finanzmärkte mit ungehinderten Kapitalfluss diese Situation verursachen. Finanzmärkte muss man nicht beruhigen. sondern neutralisieren. Antworten
ich lach mich weg!! Hallo, habt ihr es noch immer nicht gemerkt?? Die Amerikaner probieren mit der Finanzpolitik ihren grössten Gläubiger aus zu bremsen:CHINA!! Man geht in den USA davon aus, dass die EU-Wirtschaft stark genug ist, um das zu überwinden. Man will nicht dass CHINA den USA den Rang abläuft!! Antworten
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