Wirtschaft

Die Wohn-Trends in der Schweiz

Eine CS-Studie zeigt, wie sich der Schweizer Immobilienmarkt entwickelt. Mitautor Fredy Hasenmaile über Babyboomer, die ins Zentrum ziehen, die demografische Falle und zahlungsunfähige Kreditnehmer.

Ein Traum, der schon mal mehr Leute träumten: Das Eigenheim im Grünen.

Ein Traum, der schon mal mehr Leute träumten: Das Eigenheim im Grünen.
Bild: Keystone

Fredy Hasenmaile ist Leiter Immobilienanalyse bei der Credit Suisse.

Fredy Hasenmaile ist Leiter Immobilienanalyse bei der Credit Suisse.

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Die CS-Studie

Der Schweizer Immobilienmarkt zeigt sich laut der neusten Credit-Suisse-Studie trotz schwieriger Wirtschaftslage auch dieses Jahr recht stabil. Dies treffe vor allem auf den Wohnungsmarkt zu. Er habe sich bisher dank des soliden Hypothekarkreditmarkts und der zuwanderungsbedingten hohen Nachfrage bisher sehr stabil gezeigt. Das laufende Jahr werde aber noch anspruchsvoller als 2009; Stichworte dazu seien steigende Arbeitslosigkeit, stagnierende Einkommen, eine geringere Zuwanderung sowie das Näherrücken der Tiefzinsphase. Am stärksten unter Druck geraten dürften das Einfamilienhaussegment, aber auch Neubaumieten, weil die Produktion von neuen Wohnungen immer noch auf vollen Touren läuft. Leicht steigende Leerstände und moderate Preisrückgänge werden laut der Studie den Wohnflächenmarkt in diesem Jahr prägen. Härter werde es für Büroflächen, weil das Überangebot weiter steigt. Der Verkaufsflächenmarkt werde von der laufenden Flurbereinigung geprägt.

Herr Hasenmaile, Sie sagen, dass Wohnen im eigenen Haus für viele zu teuer ist und langsam aus der Mode kommt. Ist der Traum vom eigenen Häuschen geplatzt?
Früher war das Einfamilienhäuschen im Grünen in der Tat der Traum von vielen, ein Eigenheim mit Grün und Rasenmäher. Heute stellen wir hier eine neue Entwicklung fest. Das urbane Wohnen ist wieder in Mode gekommen. Und auch die Wohnbedürfnisse haben sich verändert. Zudem müssen sie für ein eigenes Haus, das noch erschwinglich sein soll, auch immer weiter weg vom Zentrum. Wir sprechen aber ebenfalls von der demografischen Falle. Das heisst, die Generation der Babyboomer die sich im Eigenheim im Grünen niedergelassen hat, hat ein Alter erreicht, in dem man sich vom Einfamilienhaus trennt und wieder die Nähe von Zentren und deren Infrastruktur sucht. Das führt schleichend und in erster Linie in peripheren Regionen zu einem Überangebot an Einfamilienhäusern, da es an Abnehmern fehlt.

In Prozent ausgedrückt, wie viel teurer ist denn z. B. Wohnen in einer Eigentumswohnung im Vergleich zum Einfamilienhaus, wenn man von einer ähnlichen Lage ausgeht?
Beim Eigenheim rechnen wir für die Kosten eines Kaufs im Durchschnitt mit 7,2 Jahreseinkommen. Für ein Stockwerkeigentum steht diese Zahl bei 5,6 Jahreseinkommen. So gesehen kommt die Wohnung rund 22 Prozent günstiger zu stehen.

In den grossen Städten wurde es in den letzten Jahren immer schwieriger, eine Mietwohnung zu finden. Entspannt sich hier die Lage?
Wir rechnen nicht mehr mit steigenden Mietkosten. Das kann man durchaus als Entspannung bezeichnen. Die Zuwanderung nimmt ab. Und zudem sind so in den grossen Städten so viele Mietwohnungen im Bau wie noch selten. Andererseits rechnen wir mit anhaltender Urbanisierung. D. h., die Bewegung vom Land in die städtischen Gebiete hält an. So gesehen rechnen wir auch nicht damit, dass die Mietpreise an städtischen Lagen sinken.

Wie sieht die Lage schweizweit aus?
Der Wohnungsdruck dürfte vor allem auf Zürich und Genf hoch bleiben. Das sind die beiden grossen Metropolitanräume der Schweiz, die sich immer mehr als die Motoren der Schweiz entpuppen. Dagegen ist die Dynamik besonders im Espace Mittelland vergleichsweise schwach.

Wenn die derzeit historisch tiefen Zinsen wieder ansteigen, wird es auch in der Schweiz zu Zahlungsausfällen kommen?
Mit der Anwendung der 5-Prozent-Regel sind wir in der Schweiz auf der vorsichtigen Seite. Also, auch wenn die aktuellen Zinsen derzeit viel tiefer liegen, muss ein Hypothekarschuldner die Schulden bei deutlich höheren Zinsen tragen können. Wir rechnen in der Schweiz nicht mit vielen Zahlungsausfällen. Derzeit liegt diese Quote auf sehr tiefem Niveau, und auch wenn sich diese verdoppeln sollte, sind wir immer noch in einem wenig besorgniserregenden Bereich.

Ihre Industrie – das Finanzwesen - könnte wegen des sich rasch verändernden Umfeldes – sprich Aufweichung des Bankgeheimnisses – unter Druck geraten. Könnte es sein, dass Finanzspezialisten abwandern und dadurch für eine Entspannung am Immobilienmarkt sorgen?
So etwas haben wir nicht auf dem Radar. Erstens wächst die Beschäftigung im Kreditwesen in der Schweiz noch immer, wenn auch derzeit etwas langsamer und zweitens rechnen wir aufgrund der Steuerproblematik damit, dass Ausländer verstärkt ihren Wohnsitz in die Schweiz verlegen werden. Die Nachfrage nach Wohnraum wird daher intakt bleiben. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 10.03.2010, 15:47 Uhr

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