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Die Welt hofft auf die Europäische Zentralbank

Von Olivia Kühni. Aktualisiert am 11.11.2011 72 Kommentare

Anlegern und Politikern weltweit sitzt die Angst im Nacken: Wenn die EZB jetzt nicht eingreift, droht der wirtschaftliche Zusammenbruch.

1/10 Montag, 5. Dezember 2011: Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy treffen in Paris zusammen.

   

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Es sind eindringliche Hilferufe, die heute Morgen in allen Ecken der Welt abgesetzt werden. Sie richten sich nach Frankfurt, an die Europäische Zentralbank (EZB). «Die EZB muss sehr radikale Dinge tun», appelliert der amerikanische Nobelpreisträger Paul Krugman heute in einem Interview mit dem deutschen «Handelsblatt» an die Zentralbank. Alles müsse die EZB jetzt tun, um eine «Kernschmelze» zu verhindern. Alles, das heisst: uneingeschränkt Staatsanleihen aufkaufen.

Ähnlich tönt es rundherum. «Die EZB muss jetzt der letzte Retter in der Not werden» – der portugiesische Premierminister Anibal Cavaco Silva heute Morgen bei Bloomberg. «Nur die EZB kann Italien retten» – Mohamed El-Erian, Chef des Investmentriesen Pimco, in der «Financial Times». Wenn die EZB nicht einspringe, gebe es «keine realistischen Optionen mehr» – der Schweizer Wirtschaftshistoriker Tobias Straumann auf seinem Blog für Bernerzeitung.ch/Newsnet.

Nichts weniger als der komplette Zusammenbruch

Man spürt die sich anschleichende Panik in den Auftritten der Staatschefs Angela Merkel und Nicolas Sarkozy, des EU-Wirtschaftskommissars Olli Rehn und der Parlamentarier in Griechenland, Italien, Spanien und Portugal. Man kann sie auch an den Börsenkursen ablesen. Der Index MSCI World, der die Indizes weltweit zusammenfasst, ist vom Abend des 8. November zum Abend des 9. November von 1216 Punkten auf 1181 Punkte eingebrochen. Dazwischen lag jenes Ereignis, das die Angst auslöst: Die Zinsen für zehnjährige italienische Staatsanleihen stiegen auf schwindelerregende 7,5 Prozent.

Das ist ein Zins, den kein Euro-Land bezahlen kann. Was bedeutet, dass das Risiko einer Zahlungsunfähigkeit stark ansteigt – was Banken nicht nur in Italien, sondern weltweit ins Wanken bringen würde. Crédit Agricole, Goldman Sachs, BNP Paribas, Allianz, Bank of America – die 1800 Milliarden Euro Staatsschulden hat sich Italien auf der ganzen Welt geliehen. 5,7 Milliarden Euro gemäss den Zahlen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) auch in der Schweiz. Wenn die Banken diese Forderungen abschreiben müssten, gerieten die Kunden in Panik, die helfenden europäischen Staaten wären machtlos. Eine Zahlungsunfähigkeit Italiens würde nicht nur das Ende der Euro-Zone bedeuten, sondern noch viel, viel mehr.

Bis zu 1000 Milliarden Euro

Darum, so melden die Rufenden eindringlich nach Frankfurt, müsse die EZB jetzt handeln – indem sie öffentlich und nachdrücklich sage, dass sie sämtliche Staatsanleihen unbeschränkt aufkaufen werde. «Am Ende wird die EZB in den Abgrund blicken und sagen: ‹Vergessen wir alle Regeln, wir müssen die Anleihen kaufen›», sagt heute Morgen Paul Krugman. «‹Der Ansturm auf Italien muss gestoppt werden.›.» Es ist dasselbe Vorgehen, das die Schweizerische Nationalbank (SNB) anwendet, wenn sie öffentlich ankündigt, sie werde unbeschränkt Euro kaufen, um den Kurs bei mindestens 1.20 Franken zu halten.

Die Analysten der mächtigen Investmentgesellschaft Pimco haben heute bereits ausgerechnet, wie viel Geld die EZB in die Hand nehmen müsste. Bislang hat sie Staatsanleihen für rund 185 Milliarden Euro gekauft. Jetzt müsse sie diese Summe verfünffachen oder versechsfachen, hat Pimco heute in der «Financial Times» vorgerechnet – bis zu 1000 Milliarden Euro müsste die EZB also bereitstellen, um Italien, Spanien und mögliche weitere Stürzende aufzufangen.

Die EZB-Chefs, auf denen alle Hoffnungen ruhen, schweigen bislang. Leise gehandelt haben sie: Die Zinsen für italienische Staatsanleihen sind inzwischen wieder leicht auf 6,6 Prozent gesunken – weil jemand sie aufkauft. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 11.11.2011, 13:36 Uhr

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72 Kommentare

Roger Furer

11.11.2011, 13:51 Uhr
Melden 38 Empfehlung

Das EU-Monster jetzt absaufen lassen, die Wunden lecken, die Lehren daraus ziehen und zurückkehren zur Landeswährung. Man hätte Alan Greenspan damals (1995) zuhören ("der EURO wird kommen aber er wird keinen Bestand haben") und die Konsequenzen ziehen sollen.... Antworten


Oliver Burkardsmaier

11.11.2011, 13:56 Uhr
Melden 37 Empfehlung

Und nach Italien? Wessen Geldgier muss dann gerettet werden? Kann es vielleicht sein, dass nciht der Euro wackelt, sondern dass "die Märkte", also konkret die Spekulanten, verrückt spielen, nicht zuletzt, weil sie immer wieder merken, dass sie alles dürfen? Antworten



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